Versorger für Offshore-Offensive Nordseewind soll Europas Strom grün machen

Vor den deutschen Küsten gibt es heute bereits mehr als 20 Windparks. Dieses Umspannwerk und die Windräder stehen in der Nordsee rund 43 Seemeilen westlich der Insel Sylt. Tennet hat am Dienstag in Hannover das erste Projekt für ein Windenergie-Verteilkreuz in der Nordsee vor. Foto: Christian Charisius/dpaVor den deutschen Küsten gibt es heute bereits mehr als 20 Windparks. Dieses Umspannwerk und die Windräder stehen in der Nordsee rund 43 Seemeilen westlich der Insel Sylt. Tennet hat am Dienstag in Hannover das erste Projekt für ein Windenergie-Verteilkreuz in der Nordsee vor. Foto: Christian Charisius/dpa

Hannover. Ein großes Verteilnetz für Offshore-Windenergie in der Nordsee könnte die Energiewende in Europa bringen. Das ist das Ergebnis erster Studien eines Konsortiums mit dem Netzbetreiber Tennet.

Der Netzbetreiber Tennet spricht sich für den massiven Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee aus. „Wir müssen schneller werden, als wir es heute sind“, sagte Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens am Dienstag in Hannover. Nach ersten Studien und vorläufigen Tests schlägt ein internationales Konsortium unter Tennet-Beteiligung den Bau mehrerer großer Windenergie-Verteilkreuze auf künstlichen Inseln und Verteilerplattformen in der südlichen Nordsee vor: Diese sollen bis zum Jahr 2045 insgesamt 180 Gigawatt Energie von etwa zusätzlichen 13 000 Offshore-Windrädern sammeln und zum Verbraucher transportieren.  

Energie aus der Nordsee für ganz Europa

Dies reicht nach Berechnungen von Meyerjürgens aus, um die Energieerzeugung in weiten Teilen Europas komplett zu dekarbonisieren. „Aus unserer Sicht ist es ein zentraler Schlüsselfaktor zur Erreichung der Klimaziele“, sagte der Tennet-Chef. Den Analysen zufolge ist der Aufbau eines solchen Verteilernetzes technisch machbar. Ein erstes Verteilerkreuz mit einer Kapazität von bis zu 15 Gigawatt solle demnach in den 2030er-Jahren in Betrieb genommen werden. Wo genau dieses gebaut werden soll, ist noch unklar. Als denkbare Standorte gelten vier Gebiete vor der Küste Dänemarks oder der Niederlanden. 

So stellt sich Tennet schematisch die Funktion der Energiedrehkreuze in der Nordsee vor. Die künstlichen Inseln würden sowohl Strom (gelb) als auch Wasserstoff (blau) an die Küste liefern. Grafik: Tennet


Für die Umsetzung der Pläne müsste der Windkraftausbau in der Nordsee deutlich beschleunigt werden. Laut Tennet waren bis Ende 2018 rund 13 Gigawatt Windenergie in der Nordsee installiert, die Zubaurate betrug zuletzt etwa zwei Gigawatt pro Jahr. Der Aufbau eines internationalen Verteilnetzes mit Anschlüssen nach Deutschland, Dänemark, die Niederlande und womöglich auch Großbritannien und Norwegen würde nach vorsichtigen Schätzungen einen dreistelligen Milliardenbetrag kosten. 

Tennet: Regierungen müssen zusammenarbeiten

Allerdings sei der Anschluss um etwa 30 Prozent preiswerter als bisher, sagte Meyerjürgens. Eine Alternative zum Ausbau gibt es seiner Ansicht nach nicht, will Europa die Klimaziele von Paris erreichen: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir die notwendigen Ziele nicht erreichen“, sagte er. Das Konsortium fordert eine internationale Kooperation der Nordseeanrainer, um die Planung voranzutreiben. „Wir laden die Regierungen ein, das mit uns zu diskutieren. Der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung nicht eines Nationalstaats, sondern der ganzen Welt“, sagte der Tennet-Manager. 

Nach den Plänen des Konsortium soll die Energieerzeugung sich nicht nur auf Strom konzentrieren. Auch eine Umwandlung überschüssiger Energie in Wasserstoff gehört zu dem Konzept. Mit diesem könnten Schiffe betankt oder die Industrie versorgt werden. 


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