zuletzt aktualisiert vor

33-jähriger Intensivtäter in Gewahrsam Mann aus der Region droht mit Selbstsprengung: Kein Hinweis auf Extremismus

Von Klaus Wieschemeyer, Dirk Fisser und Stefanie Witte

Die Polizei hat einen Mann festgenommen, der mit einem Selbstmordanschlag gedroht hat. Foto: Michael GründelDie Polizei hat einen Mann festgenommen, der mit einem Selbstmordanschlag gedroht hat. Foto: Michael Gründel
Michael Gründel

Hannover. Ein 33-Jähriger aus dem Landkreis Osnabrück hat damit gedroht, sich in Berlin in die Luft zu sprengen. Aus Gründen der Gefahrenabwehr sitzt der aus dem Libanon stammende Mann jetzt im Gefängnis. Die Behörden prüfen, wie ernsthaft die Drohung war. Klar ist: Der abgelehnte Asylbewerber ist in der Vergangenheit immer wieder durch Gewaltdelikte aufgefallen – aber nicht im Zusammenhang mit Islamismus.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte die Festnahme am Freitag im Landtag öffentlich gemacht. Der 33-Jährige habe angekündigt, er wolle den Märtyrertod sterben und sich in Berlin in die Luft sprengen. Zudem habe er gedroht, seiner Familie etwas anzutun. 

Am Mittwoch sei der Mann daraufhin festgenommen worden, so Pistorius. Nun sitzt er im sogenannten Langzeitgewahrsam für zunächst 14 Tage. Den hatte das Amtsgericht Osnabrück aus Gründen der Abwehr einer terroristischen Straftat für zulässig erklärt. 

Foto: David Ebener

Aus Sicherheitskreisen war zu erfahren, dass der Mann bislang nicht im Zusammenhang mit Islamismus in Erscheinung getreten ist. Er zählt demnach auch nicht zum Kreis der Gefährder, denen Behörden einen Anschlag zutrauen. Wie das Innenministerium betonte, gibt es derzeit keine Hinweise auf einen religiös oder politisch extremistischen Hintergrund.

So oder so ist der Mann mit palästinensischen Wurzeln den Behörden in der Region Osnabrück wohlbekannt: Er gilt als Intensivgewalttäter und sogenannter Hochrisikofall in Sachen häuslicher Gewalt. Erst im Februar war er aus der Haft entlassen worden. Es wird bereits wegen einer erneuten Körperverletzung gegen ihn ermittelt.

Massive Gewalt gegen Frau

Der Mann lebt nach Informationen unserer Redaktion seit Februar 2016 im Umland von Osnabrück. Er kam als Flüchtling nach Deutschland, auf der Flucht verlor er zunächst seine Frau aus den Augen. Beide fanden dann im Lager Friedland wieder zusammen. Von hier aus ging es dann nach Belm.

Der Mann soll in der Vergangenheit gedroht haben, seine Frau umzubringen. Er soll sie verprügelt, gewürgt und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben. „Du bist bald tot“, soll der 33-Jährige gesagt und damit gedroht haben, die Wohnung mit Benzin in Brand zu setzen. Auch von Versuchen, das gemeinsame Kind zu entwenden, wird berichtet.

Nach Haft wieder auffällig

Der 33-Jährige bedrohte nach unseren Informationen ebenso Flüchtlingshelfer und Dolmetscher. Auch auf Polizisten soll er losgegangen sein. Zuletzt soll er eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verbüßt haben. Behördenvertreter waren sich schon zum Zeitpunkt der Verurteilung sicher, dass er nach der Freilassung wieder auffällig werden wird. So kam es dann offenbar auch.

Nun bleiben den Ermittlern zunächst 14 Tage, die Hintergründe zu klären. „Insbesondere gilt es“, so Pistorius im Landtag, „die Ernsthaftigkeit der Drohung und die diesbezügliche Motivlage […] weiter aufzuhellen.“ 

Foto: Peter Steffen/dpa

Für die Ermittler dürfte indes auch die Frage eine Rolle spielen, inwieweit bei dem Mann eine psychische Störung vorliegen könnte.  

Asylantrag abgelehnt

Weil sein Asylantrag abgelehnt wurde, müsste der 33-Jährige Deutschland eigentlich verlassen. Offenbar gibt es aber Probleme mit seinen offiziellen Dokumenten. Seine Staatsangehörigkeit konnte bislang wohl nicht verlässlich geklärt werden. Aus dem Innenministerium hieß es, man versuche derzeit Ersatzpapiere zu beschaffen, um den Mann abschieben zu können.

Erst im Mai hatte die niedersächsische Polizei einen 19-Jährigen aus Bielefeld eine Woche lang in Gewahrsam genommen. Die Familie hatte berichtet, der junge Mann habe sich radikalisiert und von Gewalttaten geredet. Der Verdacht erwies sich nach einer Überprüfung aber als gegenstandslos, der 19-Jährige kam wieder frei.

Das im Mai beschlossene neue niedersächsische Polizeigesetz ermöglicht zur Terrorismusbekämpfung eine Präventivhaft für Gefährder von bis zu 35 Tagen. (mit dpa)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der NOZ MEDIEN und mh:n MEDIEN