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Angebot soll ausgebaut werden Landtag bekennt sich zur Imamweiterbildung in Osnabrück

Von Klaus Wieschemeyer und Stefanie Witte

Imame in deutschen Moscheen wurden in der Regel in der Türkei ausgebildet. Foto: Daniel Naupold/dpaImame in deutschen Moscheen wurden in der Regel in der Türkei ausgebildet. Foto: Daniel Naupold/dpa

Hannover. Die Imamweiterbildung an der Uni Osnabrück ist bis auf Weiteres gesichert. Ob und wann eine eigene Ausbildung von muslimischen Geistlichen daraus werden könnte, bleibt aber offen.

Das bundesweit einzigartige Imam-Weiterbildungsprogramm an der Uni Osnabrück ist bis auf Weiteres gesichert: Der Landtag verabschiedete am Mittwoch mit den Stimmen von SPD, CDU und Grünen einen Antrag, in dem die Fortführung des Programms begrüßt wird. Der für die 1,4 Millionen Euro schwere Finanzierung des Instituts für Islamische Theologie zuständige Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) sprach von einem Antrag „mit richtiger und wichtiger Signalwirkung“. 

In Osnabrück wird islamischen Geistlichen eine berufsbegleitende zweisemestrige Fortbildung angeboten. Damit sollen den im Ausland ausgebildeten Imamen, ein besseres Verständnis der deutschen Gesellschaft vermittelt werden. Allerdings war das Programm zuletzt kaum noch gefragt, derzeit werden die Kurse nicht angeboten. Insgesamt sind über mehrere Jahre nur rund 150 Personen weitergebildet worden.

Jasper will in Deutschland sozialisierte Imame

Die Grünen hatten das Thema angestoßen und waren entsprechend zufrieden. „Gut ausgebildete Imame sind besonders für junge Muslime wichtig, die hier geboren wurden und erwarten, dass die zuständigen Imame mit den hiesigen Strukturen vertraut sind“, sagte die Landtagsabgeordnete Eva Viehoff. Zudem könne das Angebot der Einstieg in eine akademische Imamausbildung sein. Derzeit gibt es in Deutschland keine grundständige Ausbildung islamischer Geistlicher – die in der Regel vom türkischen Staat ausgebildeten und bezahlten Geistlichen werden hierzulande kritisch gesehen. „Wir brauchen Imame, die in Deutschland sozialisiert sind, weil nur sie die junge Generation erreichen“, sagte der CDU-Abgeordnete Burkhard Jasper. 

Winken Osnabrück Millionen von Seehofer?

Auch der Minister sieht in dem Osnabrücker einen möglichen Ansatz für eine eigene Ausbildung. Im Herbst solle ein Verein gegründet werden, der diese vorantreiben könnte. Im Raum Osnabrück gebe es auch Moscheen, die sich bereit erklärt hätten, „Imame in Ausbildung aufzunehmen“, sagte Thümler. Der Minister betonte, dass das Thema diffizil ist. „Ich weise mit Nachdruck darauf hin, dass der Staat in eigener Verantwortung keine Imame ausbilden kann, ebenso wenig wie er Priester oder Pfarrer oder Rabbiner ausbildet. Dies obliegt den Religionsgemeinschaften“, sagte der CDU-Politiker. Und die Zusammenarbeit mit den Verbänden Ditib, Schura und Muslime in Niedersachsen gilt als schwierig. „Das Thema klingt einfach, ist es aber nicht“, sagte der Minister

Andererseits kann Osnabrück auch auf Bundesmittel hoffen: Gerade hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mehrere Millionen Euro für die Ausbildung in Aussicht gestellt – zwischen Berlin und Osnabrück gab es bereits die ersten Gespräche.

Islaminstitut reagiert zurückhaltend

Der Leiter des Instituts für islamische Theologie in Osnabrück reagierte zurückhaltend auf den Beschluss des niedersächsischen Landtages. Prof. Bülent Ucar sagte unserer Redaktion: „Die Imamweiterbildung war eher als Übergangslösung gedacht. Wir müssen nun den Bedarf klären und schauen, wie wir das umsetzen.“ Die Entscheidung, einen Verein für die grundsätzliche Ausbildung von Imamen in Niedersachsen zu gründen, begrüßte Ucar und erklärte: „Ich rate, dieses Projekt behutsam und sensibel umzusetzen und soweit es geht alle mitzunehmen.“ Für eine langfristige Imamausbildung müsse man die Adressaten, insbesondere die Muslime in Niedersachsen, bestmöglich einbeziehen. Außerdem brauche es eine gesicherte Finanzierung.

FDP: Armutszeugnis der Regierung

Kritik kam von der FDP und von der AfD: FDP-Fraktionschef Stefan Birkner sprach von einem „Dokument des Scheiterns“ und einem „Armutszeugnis“ der Landesregierung. Seit Jahren werde über eine deutsche Imamausbildung gesprochen, doch konzeptionell komme nichts. „Der Ministerpräsident geht zum Fastenbrechen und hält eine nichtssagende Rede“, danach tue sich jahrelang nichts, sagte Birkner. 

Der AfD-Abgeordnete Harm Rykena warnte, das Osnabrücker Angebot sei ein „weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg zur Islamisierung“ des Landes. Die Geistlichen würden fortgebildet, „damit diese das Land besser unterwandern können“. Der SPD-Abgeordnete Alptekin Kirci warf Rykena daraufhin Ausgrenzung vor. „Sie bereiten den Nährboden für Hass, Verunglimpfungen und Übergriffe“, sagte Kirci. (mit swi)


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