Partei schickt Belit Onay ins Rennen Grüne greifen nach dem OB-Sessel in Hannover

Der Landtagsabgeordnete Belit Onay ist Kandidat der Grünen für das Oberbürgermeisteramt in Hannover. Foto: Peter Steffen/dpaDer Landtagsabgeordnete Belit Onay ist Kandidat der Grünen für das Oberbürgermeisteramt in Hannover. Foto: Peter Steffen/dpa

Hannover. Beflügelt von guten Umfragewerten greifen die Grünen in der Landeshauptstadt Hannover nach dem Chefsessel im Rathaus.

Das Favoritentrio für die Oberbürgermeisterwahl in Hannover ist komplett: Nach SPD und CDU haben auch die Grünen ihren Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden Stefan Schostok (SPD) gefunden. Die Partei präsentierte am Freitag den 38-jährigen Landtagsabgeordneten Belit Onay als designierten Spitzenkandidaten. „Wir glauben, dass wir diese Wahl gewinnen können“, sagte Stadtrats-Fraktionschefin Freya Markowis. Man befinde sich klar „auf Augenhöhe mit SPD und CDU“, betonte sie.

Aus der Luft gegriffen ist dieses Selbstbewusstsein nicht: Bei der Europawahl am 26. Mai waren die Grünen in und um Hannover stärkste Kraft gewesen – noch vor CDU und der in der Stadt bisher dominierenden SPD.

Keine Frau unter den Favoriten

Am Montag hatte die Stadt-CDU ihren Kandidaten vorgestellt: Der parteilose Eckhard Scholz (55) war früher Vorstandschef von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Für die SPD tritt der in Osnabrück geborene Marc Hansmann an. Der 49-Jährige war bis 2017 Stadtkämmerer von Hannover, seitdem arbeitet er als Finanzvorstand bei Hannovers Energieversorger Enercity. 

Damit sind die drei aussichtsreichsten Kandidaten Männer, auch unter den weiteren Bewerbern findet sich bislang nur eine Frau. Insbesondere CDU und Grüne hatten intern vergeblich nach einer Kandidatin gesucht, der man den Sieg zutraut und die gleichzeitig Lust auf den Posten hat. 

Die Neuwahl ist nötig, nachdem Oberbürgermeister Schostok vom Rat in den Ruhestand geschickt worden war. Er hatte im Zuge einer monatelangen Zulagenaffäre seinen Hut nehmen müssen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue vor. 

Menge könnte Onay nachfolgen

Schon die letzten Tagen lassen erahnen, dass des Landeshauptstadt bis zum Urnengang am 27. Oktober ein harter Wahlkampf bevorsteht: Die CDU kritisierte den SPD-Kandidaten Hansmann als Vertreter der alten SPD-Seilschaften im Rathaus. Die SPD lästerte über den in Braunschweig wohnenden CDU-Favoriten Scholz, der nach einem Bericht der „Neuen Presse“ als Präsident des hannoverschen Fußballerzrivalen Eintracht Braunschweig im Gespräch war. 

Kritiker halten Onay mangelnde Führungserfahrung vor: Der aus Goslar stammende Jurist war nach dem ersten Staatsexamen ins Büro der damaligen Bramscher Landtagsabgeordneten Filiz Polat gewechselt. Seit 2013 sitzt der frühere Stadtrat von Hannover selbst als Abgeordneter im Landtag. Sollte er die Wahl im Herbst gewinnen und ins Rathaus von Hannover wechseln, könnte bei den Grünen die frühere Landtagsabgeordnete Susanne Menge aus Oldenburg wieder ins Landesparlament nachrücken. 

Onay gibt sich zuversichtlich, dass das mit der Wahl klappt: Immerhin habe er seine heutige Frau im Rathaus der Stadt kennengelernt, sagt der Vater eines Sohnes. Das sei doch ein gutes Zeichen.


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