GEW-Chefin Pooth attackiert Minister Tonne Schulen machen Lehrerbelastung landesweit zum Thema

GEW-Landeschefin Laura Pooth kritisiert Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Julian Stratenschulte/dpaGEW-Landeschefin Laura Pooth kritisiert Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Seit Jahren wird in der Landespolitik über die Arbeitsbelastung und Bezahlung von Lehrern gestritten. Getan hat sich seitdem zu wenig, finde die Gewerkschaft GEW. Sie erhöht nun den Druck.

Die Arbeitsbelastung von Lehrkräften wird landesweit zum Thema an Schulen: Für den 12. und 13. Juni sind auf Initiative der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Personalversammlungen an zahlreichen Schulen im Land angesetzt. Damit erhöht die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth den Druck auf SPD-Kultusminister Grant Hendrik Tonne.   

GEW verliert Geduld mit Tonne

Die Belastung der Lehrer ist seit Jahren Thema in der Landespolitik, spätestens seit 2015, als ein Gericht eine verordnete zusätzliche Unterrichtsstunde für Gymnasiallehrer kippte. 2016 hatte die GEW mit einer eigenen Studie massenhafte unbezahlte Überstunden diagnostiziert. Doch geliefert hat die Politik seitdem zu wenig, findet Pooth. Zwar stellte Tonne erst am Dienstag eine Schulgesetznovelle vor, nach der Lehrkräfte künftig dann nicht mehr zu Schulkonferenzen müssen, wenn die sich nur einen Schüler drehen, den die Lehrkraft nicht unterrichtet. 

Die Novelle ist Teil eines Elf-Punkte-Entlastungspakets, welches der Minister im Januar angekündigt hat. Seitdem wurden unter anderem Fachkonferenzen reduziert und die Pflichtteilnahme an den bundesweiten Vergleichstests Vera 3 und Vera 8 gestrichen. Pooth begrüßt das, es ist ihr allerdings zu wenig. „Ernsthafte Entlastung ist etwas anderes. Der Plan bringt nicht die zeitliche Entlastung, die wir eigentlich bräuchten“, sagt sie. Die Zeit dränge, betont Pooth: „Es geht nicht mehr mehr. Wir erwarten, dass der Kultusminister einen Weg aufzeigt“, sagt sie.

Am Montag hatte das Kultusministerium den Plan im „Forum Eigenverantwortliche Schule“ vorgestellt. Dass weder Tonne noch seine Staatssekretärin an dem Treffen teilnahmen, irritierte mehrere angereiste Verbandschefs. Der SPD-Politiker verwies am Dienstag darauf, dass es bei den Forum-Veranstaltungen keine Ministergarantie gebe, zudem sei sein Ressort mit sehr kompetenten Mitarbeitern vor Ort gewesen. Ein Sprecher sieht das Land in Sachen Entlastung auf einem guten Weg. Es gebe nun Fachdiskussionen, bei denen nur das „Wie“ und nicht das „Ob“ zur Debatte stehe.

GEW warnt vor Lehrer-Abwanderung

Tatsächlich fällt die Irritation in eine Zeit, in dem es zwischen Lehrerverbänden und Landespolitik heftig knirscht: Die Verbände fordern angesichts voller Landeskassen ein Zurück zum von der SPD-Fraktion in Aussicht gestellte Weihnachtsgeld und mehr Mittel für Schulen. Rot-Schwarz bremst mit Blick auf die mauen Steuerschätzungen. Und ein weiterer Dauerbrenner ist die Frage nach einer Lehrer-Mindestbesoldung von A13. Eine entsprechende Landtagspetition fand stolze 31 518 Unterstützer, voraussichtlich im Herbst kommt es zur öffentlichen Anhörung. 

Weil andere Bundesländer wie Bremen oder Thüringen auf Mindest-A13 umgesattelt haben, droht Niedersachsen Pooth zufolge bereits zum kommenden Schuljahr ein dramatischer personeller Aderlass: „Bei vielen Versetzungsanträgen geht es heute nicht mehr um Familienzusammenführung, sondern auch um die bessere Besoldung in anderen Ländern“, warnt sie. Die Lage könne sich im Sommer zuspitzen:  „Viele an andere Schulen abgeordnete Gymnasiallehrer werden wegen des doppelten Abiturjahrgangs zurückkehren, was die Situation weiter verschlimmert. Am 1. August könnte es richtig knallen“, warnt sie. 


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