CDU und Grüne suchen Frau Der Kampf um Hannovers Rathaus hat begonnen

Marc Hansmann soll nach dem Willen der SPD der nächste Oberbürgermeister von Hannover werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpaMarc Hansmann soll nach dem Willen der SPD der nächste Oberbürgermeister von Hannover werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Während vielerorts in Niedersachsen der Wahlkampf zu Ende geht, fängt er in der Landeshauptstadt Hannover erst an.

In Hannover beginnt der Kampf um die Nachfolge für den scheidenden Oberbürgermeister Stefan Schostok. Sowohl CDU als auch die Grünen suchen noch Kandidaten, um die SPD-Hochburg zum Jahresende zu bezwingen. Unterdessen drückt die SPD aufs Tempo. Bereits drei Tage nach der Rücktrittsankündigung von Schostok präsentierten die Sozialdemokraten ihren Nachfolgekandidaten: Marc Hansmann, 48, Finanzvorstand beim Hannoverschen Versorger Enercity und von 2007 bis 2017 Kämmerer der Stadt, soll den Rathaussessel für die Partei verteidigen. 

Die Offensive soll ausdrücklich auch Schostoks Rathausaffäre vergessen machen, die die Stadtpolitik viele quälende Monate lang im Griff hielt. „Ich bin wild entschlossen, Schostok im Wahlkampf verblassen zu lassen“, sagte Hansmann bei seiner Vorstellung. Schostok war nach der Annahme seines Rücktrittsgesuchs durch den Rat am vergangenen Donnerstag in Urlaub gegangen. Zurückkommen wird er wohl nicht. Voraussichtlich im November wird neu gewählt. 

CDU will SPD-Hochburg „knacken“

Bei der ewig oppositionellen Hannover-CDU regt sich Hoffnung auf ein Ende der sozialdemokratischen „Monokultur“, wie es der gerade abgetretene CDU-Kreisvorsitzende und jetzige Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer sagt. Toepffer, 2006 selbst mal chancenloser Kontrahent des damaligen OB-Kandidaten Stephan Weil, sieht endlich die Chance, Hannover zu „knacken“. Zumal der SPD-Kandidat genau für das System stehe, welches es aufzubrechen gelte. 

Was Toepffer damit meint: Hansmann war in seiner Rathauszeit auch mit dem Versuch betraut, beim Innenministerium eine höhere Gehaltsstufe für Hannovers Feuerwehrchef zu erreichen. Nachdem das Ministerium diese Stellenhebung abgelehnt hatte, verfiel die Stadtspitze auf die ungesetzlichen Boni, welche die Rathausaffäre auslösten. CDU und FDP wollen nicht recht glauben, dass Hansmann davon nichts gewusst hat. Und auch sein Wechsel in den Enercity-Vorstand werfe Fragen auf, sagt Toepffer.

Auf der Suche nach der richtigen Frau

Doch wer soll Hansmann herausfordern? Landesparteichef Bernd Althusmann hat intern schon klargestellt, dass er gerne eine Frau sehen würde. Und da fällt schnell der Name Mareike Wulf (40). Die in Rendsburg geborene und in Oldenburg aufgewachsene Wahl-Hannoveranerin sitzt seit 2017 als Fraktionsvize im Landtag. Die radfahrende und Grünkohl-Smoothie trinkende Wulf gilt als sympathische und großstadttaugliche CDU-Hoffnung. 

Doch anders als Hansmann verfügt Wulf nicht über Erfahrung im Umgang mit Riesen-Behörden wie dem Hannoverschen Rathaus mit seinen 11 000 Mitarbeitern. Noch schlimmer: Wulf wird wenig Lust auf den Job nachgesagt. In der Partei munkelt man, dass die Quereinsteigerin bereits vor Monaten abgewunken habe. Offiziell sagt sie noch nichts. Und Toepffer erklärt, man habe eher zu viele als zu wenig gute Kandidaten. Doch anders als die SPD solle ein Parteitag den Richtigen bestimmen. 

Onay bei den Grünen im Gespräch

Auch die Grünen haben sich noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt. In der Partei wird ebenfalls ein Landtagsabgeordneter hoch gehandelt: Der 38-jährige Belit Onay sitzt seit 2013 im Parlament, davor war er Mitarbeiter von Filiz Polat. Der verheiratete Jurist gehört zu den Aktivposten der kleinen Fraktion und ist besonders bei Themen wie Innenpolitik und Migrationsfragen fit. Onays Probleme: Auch er hat kaum Erfahrung mit großen Apparaten, zudem ist er keine Frau. „Würde sich eine gute Frau bewerben, würde Onay sofort zurückziehen“, sagt ein Freund. 

SPD, CDU und Grüne dürften die Sache unter sich ausmachen, andere Parteien chancenlos sein. Die FDP , die mit SPD und Grünen in Hannover in einer Ampel regiert, kokettiert zwar mit einem Kandidaten. Doch der bürgerliche Hansmann gilt als durchaus FDP-kompatibel. Und die AfD, die den Bundestagsabgeordneten Jörn König ins Rennen schicken will, dürfte chancenlos sein.


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