Wo Häftlinge „Zellengold" schleudern Imkerei-Projekte im Gefängnis: JVA Lingen ist Vorreiter

Von dpa

Lingen: Nico (l) und Achraf, Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Lingen, sind mit Jens Laurenz, Justizvollzugsfachwirt und Betreuer des Imker-Kurses, auf dem Gelände der JVA-Lingen bei ihrer Arbeit mit den Bienen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpaLingen: Nico (l) und Achraf, Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Lingen, sind mit Jens Laurenz, Justizvollzugsfachwirt und Betreuer des Imker-Kurses, auf dem Gelände der JVA-Lingen bei ihrer Arbeit mit den Bienen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Hannover. Zwei Haftanstalten in Niedersachsen setzen auf die Imkerei als Therapie für Kriminelle. Denn die Beschäftigung mit Bienen fördert Geduld und Verantwortungsbewusstsein.

In zwei niedersächsischen Justizvollzugsanstalten (JVA) werden Bienen von Häftlingen betreut. Vorreiter ist die JVA in Lingen, wo es nach Angaben des Anstaltsleiters seit Frühjahr 2016 eine Imkerstation gibt. Auch die JVA Celle hat vor wenigen Tagen zwei Bienenstöcke aufgestellt und bietet ein Projekt für Gefangene an. In der Sanddornplantage des Frauengefängnisses Vechta schwärmen zudem die Bienen eines externen Imkers aus - zu therapeutischen Zwecken für die Gefangenen dienen die Tiere dort aber nicht.

Lingen: Bienenstöcke stehen im Innenhof des Justizvollzugsanstaltes Lingen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Justizministerin Barbara Havliza (CDU) sieht die Bienen-Projekte positiv. „Die gemeinsame Imkerei schärft das ökologische Bewusstsein der Gefangenen. Sie fördert außerdem wichtige Kompetenzen wie Achtsamkeit, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit zur Kommunikation." Zugleich verdeutliche die Bienenzucht den Wert einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung.  

Ideen stammt von Justizvollzugsbeamten

Die Idee mit der Imkerei kam in der JVA Lingen ursprünglich von einem Justizvollzugsbeamten, der dieses Hobby für sich entdeckt hatte, erinnerte sich Anstaltsleiter Meik Portmann. „Er sprach mich an und schlug vor, dass für die Gefangenen anzubieten." In den vergangenen drei Jahren hätten rund 40 Gefangene an der Imker-Ausbildung teilgenommen. „Mörder und Betrüger imkern bei uns gemeinsam. Sie lernen dabei Selbstkontrolle und Besonnenheit", sagte Portmann. Dies seien Persönlichkeitseigenschaften, die bei vielen Häftlingen nicht ausgeprägt seien und gezielt gefördert werden müssten.

Auch Honig haben Gefangene und Justizvollzugsbeamte in Lingen schon erfolgreich geschleudert. „Wir verkaufen ihn unter dem Namen „Zellengold" - bislang noch innerhalb der Anstalt", so Portmann. Auch an eine Vermarktung außerhalb der JVA sei längerfristig gedacht.

Projekt in Celle seit Februar

In der JVA Celle dagegen ist das Imkerei-Projekt erst im Entstehen. Vier Mitarbeiter haben eine Ausbildung im fachmännischen Umgang mit den Bienen absolviert. Seit Februar wird das Projekt dort für die Gefängnisinsassen angeboten. Zehn Gefangene haben bereits begonnen, sich die theoretischen Kenntnisse anzueignen. Vor wenigen Tagen wurden zwei Bienenstöcke aufgestellt - mit zwei Bienenvölkern und insgesamt 6000 Tieren. „Wir gehen davon aus, dass im Laufe des Jahres jedes Volk auf 30 000 Bienen anwächst", sagte Sprecherin Linda Holexa.

Das Frauengefängnis in Vechta stellt seine Sanddornplantage für die Bienen eines externen Imkers zur Verfügung. „Ein pädagogisches Konzept liegt dem nicht zugrunde", sagte Anstaltsleiter Oliver Weßels. Doch die JVA biete den Bienen auf ihrer Sanddornplantage eine naturbelassene Umgebung - und dies sei im Sinne des Natur- und Bienenschutzes.


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