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Universität Osnabrück kauft 5000 Bücher zur Islamforschung Arabischer Schatz im Keller der Bibliothek

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Schön, aber schwer zu verstehen: Bibliotheksmitarbeiterin Christine Menkens bewundert die arabischen Schriftzeichen auf den frisch eingetroffenen Büchern. Foto: Gert WestdörpSchön, aber schwer zu verstehen: Bibliotheksmitarbeiterin Christine Menkens bewundert die arabischen Schriftzeichen auf den frisch eingetroffenen Büchern. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der Weg zum Schatz führt unter die Erde. Dort, im Keller der Osnabrücker Universitätsbibliothek, warten 5000 Bücher der islamischen Theologie darauf, katalogisiert zu werden, damit Wissenschaftler sie künftig nutzen können.

Weiße Zettel mit der Aufschrift „Kölner Gelehrtenbibliothek“ kleben an den zwei Regalen, in denen sich beidseitig auf mehreren Ebenen Buchrücken an Buchrücken presst. Aus Köln stammen die 160 Regalmeter größtenteils arabischer Literatur, hinzu kommen noch ein paar Kisten mit losen Blättern und Broschüren. Die fast kalligrafisch gezeichneten Titel in der fremden Sprache stellen das Bibliothekspersonal vor eine Herausforderung. „Wir brauchen jetzt eine arabischsprachige Kraft, die diese Bücher katalogisiert“, sagt Mathias Laubenheimer, Dezernent für Bibliotheksbenutzung.

Ein Umzugsunternehmen hat die 5000 Bücher von Köln nach Osnabrück transportiert. Wegen der Sprachbarriere mussten die Helfer die Bände in exakter Reihenfolge in Kartons packen und in Osnabrück wieder aufstellen, um die Ordnung nicht durcheinanderzubringen. „Die Werke sind insgesamt in einem recht guten Zustand“, sagt Laubenheimer. Er nimmt eine zerfledderte Kladde in arabischer Schrift heraus und streicht die Eselsohren glatt. „So etwas muss natürlich erst einmal zum Buchbinder“, sagt er. Viele betreffe das aber nicht.

„Riesenglück“

Wenn Bülent Ucar über den Schatz im Bibliothekskeller spricht, breitet sich ein zufriedenes Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Es war ein Riesenglück, dass wir so eine vollständige Sammlung erwerben konnten“, sagt der Direktor des Zentrums für Interkulturelle Islamstudien in Osnabrück. Den Namen des Verkäufers will er nicht preisgeben. „Er möchte anonym bleiben.“ Nur so viel verrät Ucar: Es handle sich um einen pensionierten Imam aus dem Raum Köln, der im hohen Alter beschlossen habe, sich von seiner Privatbibliothek zu trennen.

Rund 40 Jahre lang sei der Imam immer wieder in die islamische Welt gereist und habe die Bücher aus Ägypten, dem Libanon oder der Türkei mitgebracht. Etwa 80 Prozent der Literatur sei arabisch, der Rest persisch oder osmanisch, auch ein paar Bücher in westlichen Sprachen gebe es. Vor dem Kauf habe die Universität die Sammlung von Experten prüfen lassen, sagt Ucar. „Es sind einige Raritäten dabei: Handschriften, die mehrere Hundert Jahre alt sind.“ Beim größten Teil der Literatur handle es sich um arabische Standardwerke. Sie sind der Grundstock der Bibliothek für das künftige Institut für islamische Theologie, das im Sommer eröffnen soll.

Etwa ein Jahr wird es dauern, bis alle Bücher katalogisiert sind und benutzt werden können, schätzt Bibliotheksdezernent Laubenheimer. Dass bereits im Herbst 2012 die ersten Studenten ihr islamisches Theologiestudium aufnehmen, stellt für Ucar kein Problem dar: „Im ersten Semester wagt sich noch niemand an die arabischen Quellen.“

Finanziert worden sei der Kauf über Berufungsmittel der Professoren. „Das sind Gelder von der Universität und dem Bildungsministerium, die uns für Forschungszwecke zur Verfügung stehen“, sagt Ucar. Den Preis dürfe er nicht verraten. Aber: „Wir haben weniger bezahlt, als wenn wir alle Bücher einzeln hätten kaufen müssen.“

Im Keller der Universitätsbibliothek schiebt Laubenheimer die zerfledderte Kladde wieder an ihren Platz zurück. Auf die Frage, ob ihn als Bibliothekar der Anblick so vieler alter arabischer Bücher mit Ehrfurcht erfülle, muss er lachen. „Ich sehe im Moment eher die organisatorische Herausforderung, welche Aufgaben nun auf uns zukommen“, sagt er. Dann schweift sein Blick noch einmal über die Buchrücken, und er fügt hinzu: „Obwohl: So eine Sammlung ist schon etwas ganz Besonderes.“


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