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A2 war Schwerpunkt Mehr schwere Autobahnunfälle in Niedersachsen 2018

Von dpa

Mitarbeiter der Unfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) dokumentieren einen Unfall zwischen einem PKW und LKW auf der Autobahn A2. Foto: Julian Stratenschulte/dpaMitarbeiter der Unfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) dokumentieren einen Unfall zwischen einem PKW und LKW auf der Autobahn A2. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Trotz aller Präventionsbemühungen steigt die Zahl schwerer Autobahnunfälle in Niedersachsen. Betroffen ist besonders die A2. Nun wird über mehr Tempokontrollen nachgedacht.

Trotz aller Prävention und vermehrter Kontrollen hat es im vergangenen Jahr deutlich mehr schwere Autobahnunfälle in Niedersachsen gegeben, insbesondere auf der A2. Die Zahl der auf Autobahnen getöteten Fahrer stieg 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 55,3 Prozent auf 59, wie Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag bei der Vorlage der Verkehrsunfallstatistik mitteilte. Auf der A2 stieg die Zahl der Unfälle mit Personenschaden von 394 auf 478 und die der Getöteten von 11 auf 24. Ein Großteil der Unfälle ereignete sich im Zusammenhang mit Baustellen. 

Neues Konzept

Eine Untersuchung von A2-Baustellen ergab, dass es vor Baustellen kracht, wo die Zahl der Fahrstreifen reduziert wird und deshalb der Verkehr stockt. Um die Unfallzahl zu senken, hatte Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) schnellere Arbeiten und einen Verzicht von Fahrstreifensperrungen angekündigt. Bei zehn Baustellen waren 2018 Boni für schnellere Arbeiten oder Strafen für Verzögerungen vorgesehen, an zehn weiteren Baustellen durfte rund um die Uhr gearbeitet werden, bei vier von acht möglichen Baustellen wurden alle sechs Fahrspuren offen gehalten, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Bei den anderen vier Baustellen blieben fünf Spuren befahrbar. 

Hatten die Maßnahmen Erfolg?

Die Schritte griffen noch nicht optimal, meinte Pistorius. Nach Angaben des Verkehrsministeriums ist die Zahl der Staus auf der A2 aber bereits rückläufig. 2017 und 2018 seien Baustellen dort gebündelt worden, so dass 2019 nicht groß gearbeitet werden muss.

Section Control

Minister Pistorius will einen Einsatz der umstrittenen Section Control an der A2 prüfen. Das Abstandsradar, dessen Erprobung an der B6 gerade vom Gericht aus Datenschutzgründen vorläufig gestoppt wurde und das die Geschwindigkeit auf einem längeren Abschnitt misst, bremse Raser erfolgreich aus, meinte der Minister.

Radarkontrollen in Baustellen

In Nordrhein-Westfalen gibt es an einigen Dauerbaustellen auf der Autobahn bereits fest installierte Radarfallen. Damit will Niedersachsen sich in den kommenden Monaten auch beschäftigten.

Weniger Videowagen

Die Zahl der zivilen Videowagen, mit denen die Autobahnpolizei Raser, Drängler und Rowdys verfolgt, filmt und anschließend aus dem Verkehr zieht, soll trotz mehr Unfällen sinken. Nicht alle ausgemusterten Wagen sollen ersetzt werden, da sich die sehr teuren Wagen nicht überall rechnen. 

Weniger Unfälle, mehr Tote

Die Zahl der von der Polizei erfassten Unfälle ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 1,95 Prozent auf 212 137 gesunken. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden liegt praktisch unverändert bei 32 931, auch die Zahl der Schwerverletzten bleibt mit 6198 nahezu auf Vorjahresniveau. Die Zahl der Verkehrstoten stieg landesweit von 403 auf 417. 

Weniger Baumunfälle

2013 noch war Niedersachsen im Vergleich der Bundesländer Spitzenreiter bei Baumunfällen. Dank vielfältiger Präventionsmaßnahmen ist die Zahl der Getöteten 2018 auf einen Tiefststand von 96 gesunken, 7 weniger als im Vorjahr. 

Mehr verunglückte Zweiradfahrer

Die Zahl der getöteten Radfahrer stieg von 48 auf 60. Darunter waren 19 E-Bike-Fahrer, die verstärkt in Unfälle verwickelt werden. Die Zahl der leicht verletzten E-Biker stieg von 476 auf 812, die der schwer verletzten von 132 auf 218. Viele der Opfer sind ältere Menschen. Auch wegen des langen Sommers stieg die Zahl tödlich verunglückter Motorradfahrer von 76 auf 87. 

Risikogruppen

128 Senioren ab 65 Jahren wurden 2018 im Verkehr getötet, einer mehr als im Vorjahr und in etwa so viel wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Zahl der tödlich verunglückten jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren stieg von 50 auf 55.


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