Regionalkonferenz in Hannover Vertrauen und Einfluss: Islamverband Schura stellt sich Mitgliedern vor

Der niedersächsische Islamverband Schura will die Interessen der Muslime in Niedersachsen vertreten - vom Gemeindeleben in der Moschee bis zu Interessen von Jugendlichen und Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen. Foto: David EbenerDer niedersächsische Islamverband Schura will die Interessen der Muslime in Niedersachsen vertreten - vom Gemeindeleben in der Moschee bis zu Interessen von Jugendlichen und Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen. Foto: David Ebener

Hannover. Die Schura hat es im Moment nicht leicht. Der niedersächsische Islamverband ringt um das Vertrauen seiner Mitglieder und die Aufmerksamkeit der Politik. Jetzt startet die Schura eine groß angelegte Offensive.

Bislang gab es in Niedersachsen zwei Ansprechpartner in Sachen Islam. Wenn es um islamischen Religionsunterricht ging oder um islamische Theologie an der Uni Osnabrück, vertraten die Schura und der türkische Islamverband Ditib die Muslime im Land. Dann gerieten Ditib-Imame unter Spitzelverdacht und die Schura ins Kreuzfeuer der Kritik. Das Land legte die Anerkennung der beiden Verbände als Religionsgemeinschaften und den ersehnten Staatsvertrag auf Eis. Und schließlich gründete sich in diesem Frühjahr auch noch ein neuer, dritter Islamverband, der die Schura unter Druck setzt – jetzt geht es um Mitglieder und damit um Einfluss.

Die Schura reagiert: Transparenz ist ein Wort, das der Verbandsvorsitzende Recep Bilgen in diesen Tagen häufig benutzt. Am Sonntag startete die Schura daher mit einer Öffentlichkeitskampagne. Ein Teil davon sind vier Regionalkonferenzen in diesem Jahr. Rund 50 Muslime unterschiedlicher Nationalitäten kamen zur ersten dieser Veranstaltungen nach Hannover.

„Wir haben den Eindruck, dass die einzelnen Gemeindemitglieder den Namen der Schura kennen, aber nicht wissen, was die Schura macht“, sagte der Schura-Vorsitzende Recep Bilgen zu Beginn. Das Ziel für die Veranstaltung hat er klar vor Augen. „Wenn man in eine Gemeinde geht und nach der Schura fragt, soll die Antwort lauten: Ich weiß was die machen und ich kenne die Leute.“

Knapp vier Stunden lang informierten Bilgen und sein Team über die Arbeit des Moscheeverbandes – zwei von vier Schuravertretern, die vorne sitzen, waren übrigens junge Frauen. Es ging um den Stand des Staatsvertrages mit dem Land Niedersachsen: aufgrund der politischen Lage schlecht. Die Anerkennung als Religionsgemeinschaft: problematisch, weil Mitgliederlisten fehlen. Aber es gibt auch Projekte jenseits der großen Politik. Künftig sollen sich die Imame der Mitgliedsgemeinden zweimal im Jahr treffen. Die Schura plant Kurse für die Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen, außerdem eine Podiumsdiskussion zur Europawahl.

Die jungen Muslime im Verband beschäftigt vor allem, dass Jugendgruppen nicht ausreichend über Fördermöglichkeiten informiert sind, dass über Muslime, statt mit ihnen geredet werde, dass Jugendliche häufig mit Vorurteilen konfrontiert würden. Unter dem Titel „youngSchura“ gründet sich daher gerade ein Verband für die Jugendarbeit von Muslimen in Niedersachsen. Die Ziele: Vernetzung und eine professionellere Jugendarbeit.

Die nächste Regionalkonferenz folgt am 23. Juni in Osnabrück. Sollte der Erfolg ausbleiben, will sich die Schura jede einzelne der rund 90 Moscheegemeinden vornehmen, bis auch der letzte überzeugt ist.


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