Betrüger erbeuten Millionen in Niedersachsen Mitschnitt: So hört sich ein falscher Polizist am Telefon an

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Hannover. Die Masche boomt: Tausendfach versuchen als Polizisten getarnte Betrüger, ältere Menschen um ihr Geld zu bringen. Das Landeskriminalamt warnt vor perfiden und skrupellosen Banden.

Niedersachsens Landeskriminalamt (LKA) startet eine neue Präventionskampagne gegen falsche Polizisten. LKA-Präsident Friedo de Vries stellte am Donnerstag in Hannover einen Pappaufsteller vor, den sich insbesondere ältere Menschen neben das Telefon stellen sollen und der vor den Betrügern warnen soll. 

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Darauf steht, dass die echte Polizei nie Wertsachen einfordert und rät, bei verdächtigen Anrufen die Dienststelle anzurufen.

So hört sich ein falscher Polizist an: 


Anlass für die Aktion sind drastisch gestiegene Zahlen: Zählte das Landeskriminalamt vor sechs Jahren landesweit 49 Anrufe falscher Polizisten und sieben Fälle, in denen die Betrüger erfolgreich waren, registrierte das LKA 2018 insgesamt 4235 Versuche, von denen 97 erfolgreich waren, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Den Schaden beziffert die Polizei allein im vergangenen Jahr auf 4,7 Millionen Euro – in Extremfällen verlor eine Seniorin sogar ihr Eigenheim, eine andere ein Millionenvermögen. In anderen Bundesländern sieht es nicht besser aus.

Internationale Banden dominieren das Geschäft

Die Masche ist zwar recht einfach, doch gehen die Betrüger zunehmend gerissen und professionell vor. Vermeintliche Polizisten rufen die möglichen Opfer an, berichten von drohenden Straftaten und umherziehenden Einbrecherbanden in der Region und raten, Geld und Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen. Durch geschickte Gesprächsführung wird dabei ein Klima der Angst erzeugt. 

Oftmals flechten die Gesprächspartner lokales Wissen in die Telefonate ein oder sprechen sogar mit lokaler Sprachfärbung. „Durch wiederkehrende Anrufe über einen längeren Zeitraum erhöhen die Täter den psychischen Druck, damit die Opfer keinen klaren Gedanken mehr fassen können“, erklärt eine Sprecherin des Bundeskriminalamts. Sobald es soweit ist, sammeln andere falsche Polizisten die Beute bei den Betroffenen ein. Hinter den Betrügereien vermuten die Kriminalisten internationale Netzwerke: Die Anrufe kommen demnach trotz gefälschter lokaler Telefonnummern oder der „110“ im Display aus bis zu 40 Callcentern der Türkei, Helfer vor Ort kundschaften die Zielregionen aus und sammeln die Beute ein, die Drahtzieher bleiben im Dunkeln. 

LKA-Chef: „Seien Sie skeptisch“

Vor allem allein stehende ältere Menschen mit wenig Sozialkontakten werden zum Ziel der Betrüger. Dabei trifft es aber beileibe nicht nur kognitiv eingeschränkte Senioren: „Ich warne davor zu sagen, so etwas kann mir nicht passieren“, sagte de Vries. Auch „Über-60-Jährige, die mitten im Leben stehen“, seien schon zu Opfern geworden. 

Das LKA hofft, das Problem mit Aufklärung in den Griff zu bekommen: 50 000 Aufsteller wollen die Beamten in einem ersten Rutsch im Land verteilen, außerdem will die Polizei Familien, Freunde, Bekannte und Nachbarn älterer Menschen zum Hinschauen animieren. „Seien Sie skeptisch, wenn angeblich die Polizei bei Ihnen anruft. Legen Sie im Zweifel einfach auf. Erzählen Sie Ihrer Familie, Freunden und Bekannten davon. Und ganz wichtig: Melden Sie sich bei der Polizei“, rät de Vries. Er sieht trotz der steigenden Fallzahlen auch erste Erfolge der Aufklärung: Waren die Betrüger 2017 noch bei jedem 25. Anruf erfolgreich, sei es im vergangenen Jahr nur noch bei jedem 50. Versuch zum Betrug gekommen.


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