100 Ferienpark-Immobilien vermietet Mehr Tourismus am Dümmer: Nabu fordert Ranger für Vogelschutz

Ruhezone – Bitte nicht weitergehen! Diese Schilder weisen daraufhin, dass man hier nicht durchgehen sollte. Laut dem Nabu halten sich viele Menschen aber nicht daran. Foto: Nadine GrunewaldRuhezone – Bitte nicht weitergehen! Diese Schilder weisen daraufhin, dass man hier nicht durchgehen sollte. Laut dem Nabu halten sich viele Menschen aber nicht daran. Foto: Nadine Grunewald

Hüde. Mit dem Marissa Ferienpark soll der Tourismus am Dümmer See in Hüde angekurbelt werden. Der Nabu fürchtet, dass die Vögel darunter leiden könnten und fordert einen Ranger. Sowohl der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als auch der Tourismusverband sehen dafür keine Notwendigkeit.

Der Dümmer ist der zweitgrößte Binnensee Niedersachsens. Die Gegend ist ein bedeutendes Vogelschutzgebiet. Dort brüten die Vögel in den Wiesen oder machen auf ihrer Reise in den Süden Rast. Nähert man sich den Tieren, werden sie hochgescheucht und können nicht ausreichend Kraft tanken. Schon jetzt sei bei schönem Wetter viel los. Wenn durch den Marissa Ferienpark noch weitere Touristen dazu kommen, so fürchten Bernd Averbeck und Werner Schiller vom Nabu am Dümmer (Foto), hätten die Tiere noch weniger Ruhe. „Die Leute müssen ja etwas zu tun haben“, sagt Averbeck. Er befürchtet, dass die Touristen in die Naturschutzgebiete gehen würden. Schließlich wollten sie etwas sehen.

Foto: Nadine Grunewald

3000 Betten soll der Marissa-Ferienpark nach seiner Fertigstellung haben und 500.000 Übernachtungen jährlich. Ab Sommer dieses Jahres sollen die ersten Gäste die 50 bereits fertiggestellten Unterkünfte nutzen können. Zwei Jahre später soll die gesamte Anlage fertig sein. Von den 478 geplanten Ferienhäusern sind laut einer Sprecherin bereits über 100 Wohneinheiten verkauft worden. (Weiterlesen: Ferienpark für 150 Millionen Euro entsteht am Dümmer in Lembruch)

Ranger sollen aufklären

Averbeck zufolge gibt es schon jetzt Konflikte zwischen Touristen und dem Naturschutz. Einige Gäste gingen in die geschützten Brutgebiete und ließen sich auch von Schranken nicht abhalten. „Wir brauchen Ranger, die die Leute darauf hinweisen, auf welche Flächen sie gehen dürfen und auf welche nicht“, sagt Averbeck. Und Schiller fügt hinzu: 

„Wir wollen den Ranger nicht als Polizisten, sondern zur Aufklärung.“

Beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sieht man dafür keinen Bedarf – auch wenn zusätzliches Personal zur Betreuung der Schutzgebiete immer begrüßenswert sei. Allerdings zähle der Dümmer bereits zu den „am besten mit Fachpersonal ausgestatteten Schutzgebieten in Niedersachsen“, wie der NLWKN auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Dort glaubt man nicht, dass zunehmender Tourismus zum Problem für Brut- und Rastvögel werden könnte, weil das „Projektgebiet weit genug von den empfindlichen Schutzzonen entfernt“ ist. Und: „Es wird auch viele Gäste im Ferienpark geben, die andere Interessen als den Besuch der Naturschutzgebiete haben.“ So existiere bereits ein gut ausgeschildertes Wegenetz von Fahrrad- und Wanderrouten. Die Investoren des Ferienparks planen zudem einen Wellnessbereich sowie eine Indoor Action Halle, die allen Besuchern offen stehen soll. Angedacht sind laut einer Sprecherin des Marissa-Ferienparks auch Kooperationen mit Naturverbänden, um den Gästen mit Führungen von geschulten Personen die Natur näher zu bringen. (Weiterlesen: Osnabrücker Werner Steinemann will den Dümmer wachküssen)

Der Marissa-Ferienpark

Der Marissa Ferienpark entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Campingplatzes Schoddenhof im Naturpark Dümmer. Auf einer Fläche von rund 18 Hektar baut die Wald & Welle GmbH 478 Ferienhäuser, Appartementhäuser und Ferienwohnungen in unterschiedlichen Größen mit insgesamt 3000 Betten. Dem Investor zufolge werden die Gebäude hochwertig im skandinavischen Stil eingerichtet.  
150 Millionen Euro soll das Marissa-Projekt kosten. Es ist die größte touristische Investition in Niedersachsen.

Froh über Weiterentwicklung

Auch der Tourismusverband ist der Meinung, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine Art Lenkung der Besucher durch einen Ranger nicht nötig ist. Derzeit kämen nur zur „Kranich-Saison“ im Herbst an den markanten Aussichtspunkten so viele Besucher, dass sich stundenweise jemand um den Andrang und das Verhalten der Gäste kümmern könnte, teilt Thorsten Finke, Vorsitzender des Tourismusverbands auf Anfrage mit. 

Da die Besucherzahlen im Vergleich zu denen zwischen den Jahren 1960 und 2000 stark gesunken seien, werde eine Zunahme des Tourismus aber zunächst keine Probleme bereiten. Die Gäste würden sich zudem stärker über das ganze Jahr verteilen und mehr über die Region verteilt ihrem Urlaub nachgehen als die gleiche Anzahl von Gästen vor 30 Jahren, da diese nur im Sommer da waren. „Eine nennenswerte negative Auswirkung auf die Vögel im Naturschutzgebiet sehe ich derzeit nicht“, so Finke. Der Tourismusverband sei froh, „dass es nach langem Stillstand auf diesem traditionsreichen Areal nun eine zukunftsorientierte und touristisch zeitgemäße Weiterentwicklung gibt“. (Mit dpa)


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