Arends-Hof in Laar arbeitet in einer Nische Warum ein Landwirt Schweine zum Leasing anbietet

Niedlich: Gierig saugen die Bunten Bentheimer Schweinchen an den Zitzen der Sau. Foto: Nadine GrunewaldNiedlich: Gierig saugen die Bunten Bentheimer Schweinchen an den Zitzen der Sau. Foto: Nadine Grunewald 

Laar. Fleisch vom eigenen Tier bekommen – das geht auch ohne eigenen Bauernhof. Auf dem Arends-Hof in Laar (Grafschaft Bentheim) können Interessierte Schweine aus seltenen Rassen leasen. Doch es gibt auch Landwirte, die selber Tiere leasen.


Es grunzt und quiekt im Stall auf dem Arends-Hof in Laar in der Grafschaft Bentheim. Braune und gescheckte Ferkel saugen auf der einen Seite gierig an den Zitzen ihrer Mutter. Gegenüber stellt sich ein Eber auf seine Hinterbeine, legt die Vorderbeine auf die halbhohe Mauer, die sein Abteil von einem anderen trennt, und schaut auf weitere Ferkel hinunter, die um eine Sau herum toben. Auf dem Gesicht von Lambertus Arends breitet sich ein Lächeln aus:

„Wenn man das sieht, weiß man, wofür man das alles macht. Das ist die Belohnung für die ganze Arbeit.“

Der 60-Jährige ist kein gewöhnlicher Landwirt, der Hof kein gewöhnlicher Bauernhof. Deshalb gibt es dort, 400 Meter vor der niederländischen Grenze, auch keine gewöhnlichen Tiere. Auf dem sogenannten Haustierhof züchtet Familie Arends alte und seltene Rassen: Bunte Bentheimer Schweine, Duroc Schweine, Wollschweine, Lakenfelder Kühe (Foto), Jakobsschafe, Angoraziegen oder Schopfenten. Rund 200 Tiere leben auf dem Hof, den die Familie seit 21 Jahren betreibt. 

Foto: Nadine Grunewald

Von den Ferkeln, die den gelernten Gärtner gerade noch zum Lächeln brachten, wird er sich in etwa einem Jahr trennen müssen. Denn die Bunten Bentheimer, die Duroc Schweine und die Wollschweine können geleast werden. Interessierte kaufen eines der sechs bis acht Wochen alten Tiere und zahlen ein monatliches Futtergeld. Bis es schlachtreif ist, kümmert sich Familie Arends um das Schwein. Anschließend erhält der Käufer das Fleisch von seinem Tier. 

Eine Nische

Seit vier Jahren bietet Lambertus Arends das Tierleasing an. Allzu viele Bauern, die so etwas anbieten, gibt es nicht. Friederike Husmann, Sprecherin des Hauptverbands des Osnabrücker Landvolks, ist in der Region zumindest kein weiterer Hof bekannt. Allerdings müssen Landwirte auch nicht melden, wenn sie Tierleasing anbieten. Laut Husemann handelt es sich dabei um eine kleine Nische, die in der Praxis nicht für viele Landwirte geeignet ist.

Dem kann sich Lambertus Arends (Foto) nur anschließen. Bis zu 15 Tiere würden bei ihm jährlich geleast. „Viel mehr wollen wir auch gar nicht. Es muss zum System passen.“ Würden sie 200 Schweine verleasen, wären sie wieder im Massentierhaltungsbereich – und genau das wollen die Arends nicht. Anfragen kämen aus Hamburg, Düsseldorf oder Hannover, von Städtern eben. Da nicht jeder die Möglichkeit habe, ein ganzes Schwein zu konservieren, sei das Angebot auch für Gruppen interessant. Oder, wenn jemand für eine Feier etwas Besonderes haben möchte.

Foto: Nadine Grunewald

„Von unserer Tierhaltung könnte kein Landwirt überleben“, sagt Arends. „Ich mache das, weil ich überzeugt davon bin, dass es gut ist.“ Doch das funktioniere nur im Paket, weshalb sie die Landwirtschaft mit dem Tourismus und einem Lehrauftrag kombiniert hätten. Arends Sohn betreibt mit seiner Frau einen Campingplatz auf dem Hof, auf dem auch Feste gefeiert werden können. Dazu kämen zahlreiche Tagesgäste – Eltern mit ihren Kindern – die auf dem Hof Zeit verbringen und die Tiere kennen lernen. Unter anderem darum geht es den Arends, und um Landschaftspflege sowie die Erhaltung von Kulturgut. Arends:

„Wir wollen die Augen dafür öffnen, wie man mit dem Boden und Tieren umgeht.“

Ostermontag beginnt auf dem Arends-Hof wieder die Saison. Ab dann können Besucher die Tiere draußen in ihren Gehegen bestaunen.

Wenn Landwirte Tiere leasen

Doch Tier-Leasing geht auch anders rum: Es gibt auch Landwirte, die für ihren Betrieb Tiere leasen. „Legehennen und Milchkühe werden viel nachgefragt“, sagt Jan Wilhelms vom Bünder Leasing mit Sitz im Kreis Herford (Nordrhein-Westfalen). Wilhelms ist gelernter Betriebsschlosser, 1998 machte er zudem seinen Versicherungskaufmann. Nach dem Orkan Kyrill Anfang 2007 baute er seine Leasing-Firma auf. „Viele Dachdecker haben sich nach Kyrill neue Autos gekauft, weil die Auftragslage so gut war. Ein Jahr später waren sie dann pleite“, so Wilhelms. Seine Aufgabe ist es, die Wünsche der Kunden bei einer Leasingbank zu platzieren.

Zwar bestehe sein Hauptgeschäft noch immer aus dem Leasen gebrauchter Maschinen oder Fahrzeuge. Doch Tiere würden immer häufiger nachgefragt. Springpferde, Schafe, Milchkühe, Alpakas – alles was einen betriebswirtschaftlichen Nutzen hat, kann geleast werden. „12.000 Legehennen kosten schon mal 100.000 Euro. Beim Leasing ist der Vorteil, dass der Landwirt von vornherein im Ertrag arbeiten kann und nicht erst den Kredit abarbeitet“, erklärt Wilhelms, der für seine Arbeit eine Provision von der Bank erhält. 

Ein paar „verrückte“ Anfragen habe er in der Vergangenheit auch schon erhalten. „Ich hatte mal eine Anfrage von einer thailändischen Fluggesellschaft, die einen Airbus leasen wollte. Der Vertrag ist aber letztlich nicht zustande gekommen.“


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