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16.02.2019, 05:08 Uhr KOMMENTAR

Blauäugige Wolfspolitik

Ein Kommentar von Klaus Wieschemeyer


Der Wolf ist seit Jahren zurück in Deutschland. Doch die Politik in Berlin hat immer noch keine Idee, wie man auf Dauer mit dem Tier umgehen soll.   Foto: Patrick Pleul/dpaDer Wolf ist seit Jahren zurück in Deutschland. Doch die Politik in Berlin hat immer noch keine Idee, wie man auf Dauer mit dem Tier umgehen soll. Foto: Patrick Pleul/dpa

Hannover. Die Zahl der Nutztierrisse durch den Wolf hat einen neuen Höchststand erreicht. Doch die Politik in Berlin präsentiert keine Handlungsideen, kritisiert unser Kommentator.

Die Zahlen der Wolfs-Dokumentationsstelle sind klar: Der Wolf ist zurück in Deutschland. Elf von 16 Bundesländern haben 2017 Nutztierrisse gemeldet. Damit wäre die Frage, wie wir mit dem wilden Fleischfresser in unserer gezähmten Landschaft umgehen, endgültig Sache der Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Doch die drückt sich aus Angst vor dem wolfsfreundlichen großstädtischem Wählerklientel vor klaren Ansagen. Dabei geht das Verständnis für das Rumgeeiere in den betroffenen Regionen gegen null. 

Auch der Bericht der Dokumentationsstelle ist blauäugig, wenn er den Herdenschutz zum Allheilmittel macht. Richtig ist: Zäune und Schutztiere wurden in der Vergangenheit oft zu wenig genutzt. Und sie wirken auch. Doch eben nicht immer, wie das Rodewalder Rudel bei Hannover gerade eindrucksvoll beweist. Zudem ist die Idee eines flächendeckenden Zaun-Schutzes naiv: Ob Deich oder Alm – zwischen Nordsee und Alpen gibt es viele Gebiete, in denen absoluter Schutz nicht praktikabel ist. Kurzum: Wer dem Wolf in einer Kulturlandschaft auf Dauer freie Bahn lässt, sperrt am Ende die menschlichen Bewohner ein.  

Nützlich wäre ein differenziertes Bekenntnis Berlins für den Wolf. Das könnte lauten: Ja, wir wollen das Tier in Deutschland. Aber nicht überall. Leider kann sich Svenja Schulze dazu nicht durchringen.


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