Neue Leitlinien für Schulen Islamunterricht: Ministerium entscheidet gegen Ditib und Schura

Künftig gibt es neue Lehrpläne für den Islamunterricht. Foto: dpaKünftig gibt es neue Lehrpläne für den Islamunterricht. Foto: dpa

Osnabrück. Der Islamunterricht in Niedersachsen wird sich voraussichtlich ändern – gegen den Willen der Islamverbände Schura und Ditib. Die Begründung des Ministeriums überrascht.

Nach zwei Jahren kommt endlich Bewegung in das Thema Islamunterricht: Das Kultusministerium teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass ein aktualisierter Lehrplan gegen den Willen der Islamverbände nun an den Landtag übergeben werde. Hintergrund ist, dass bislang auf Basis eines vorläufigen sogenannten Kerncurriculums, das den Rahmen für den Unterricht setzt, gearbeitet wird. Auf ein reguläres Curriculum konnte man sich bislang nicht einigen.

Im April 2017 hatte der Beirat für den Religionsunterricht, in dem Vertreter der Islamverbände Ditib und Schura sitzen, den überarbeiteten Lehrplan für die Grundschulen erstmals abgelehnt. Laut Ministerium wegen einzelner Formulierungen, aber auch wegen eines Grundsatzes, der künftig an allen niedersächsischen Schulen und in jedem Unterricht eine Rolle spielen soll. Dabei geht es um einen Hinweis darauf, dass künftig sexuelle Vielfalt berücksichtigt werden soll. Konkret also unterschiedliche Lebensformen eine Rolle spielen sollen. Weitere Kritikpunkte bezogen sich laut Ministerium "auf die Betonung demokratischer Werte" sowie die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen. Trotz mehrerer Treffen und Schriftwechseln habe man sich laut Ministerium in der Zwischenzeit nicht einigen können.

Um welche Formulierung geht es konkret?

Änderung im Lehrplan

Der Niedersächsische Landtag hat Ende 2014 beschlossen, dass in „die Kerncurricula aller Klassenstufen […] die Thematisierung der Existenz und Lebenswirklichkeit von Menschen verschiedener Sexualitäten hinreichend“ zu berücksichtigen haben. Ein Hinweis auf sexuelle Vielfalt ist deshalb in jedem Kerncurriculum aufzunehmen.

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium

Der überarbeitete Lehrplan geht nun in seiner ursprünglichen Form, unabhängig vom Widerspruch der Verbände, an den Landtag. Das Kultusministerium begründet, formal sei der Beirat nicht zuständig, da es sich bei den beanstandeten Punkten "nicht um eine theologische Fragestellung handelt". Darauf beschränke sich die Beratungsfunktion des Beirates. Ein Ministeriumssprecher erklärte: "Es ist bedauerlich, aber es bleibt festzuhalten, dass die Positionen von Land und Beirat an dieser Stelle nicht übereinzubringen waren."


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