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Als nördlichster Landkreis Deutschlands Vorsicht, Zecken! Emsland ist nun FSME-Risikogebiet

Klaus Wieschemeyer und Tobias Böckermann

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Vor allem in  warmen Sommermonaten steigt die Gefahr von Zeckenstichen. Foto: Holger Hollemann/dpaVor allem in warmen Sommermonaten steigt die Gefahr von Zeckenstichen. Foto: Holger Hollemann/dpa

Berlin/Hannover. Zeckenstiche können im Emsland nicht nur lästig, sondern auch gefährlich sein. Das Robert-Koch-Institut hat den Landkreis als Risikogebiet für die FSME-Krankheit ausgewiesen.

Der Landkreis Emsland ist als nördlichster Landkreis in Deutschland zum Risikogebiet für die von Zecken übertragbare Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erklärt worden. Das teilte die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Donnerstagmittag in Berlin mit. Damit ist das Emsland der erste Landkreis Niedersachsens und der bisher nördlichste deutsche mit offiziellem FSME-Risiko. Anlass ist eine deutliche Häufung: Im vergangenen Jahr wurden demnach im Emsland vier FSME-Erkrankungen gemeldet. Laut Amtsärztin Johanne Sievering ist der Raum Lingen besonders betroffen. 2017 und 2016 hatte das Emsland jeweils zwei Erkrankungen registriert. 

Ungewöhnlich: Der Landkreis grenzt nicht an bereits bekannte Risikogebiete. Allerdings wurde im vergangenen Jahr auch im benachbarten Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen eine FSME-Infektion gemeldet. Zudem haben die Niederlanden 2016 ebenfalls erste Fälle gemeldet. Wie das Virus in die Region geraten konnte, ist offen: Der Virologe Dr. Masyar Monazahian vom Landesgesundheitsamt hält eine Einschleppung aus Risikogebieten über Wirtstiere wie Zugvögel oder Hunde für möglich. 

Sonst vor allem Süddeutschland betroffen

Insgesamt gelten laut RKI inzwischen 161 deutsche Landkreise als Risikogebiet, fünf mehr als noch 2018 und etwa dreimal soviele wie 1998. In Süddeutschland, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg, gilt das Risiko einer FSME-Infektion als besonders hoch. Inzwischen gelten aber auch Süd- und Teile Mittelhessens sowie Südost-Thüringen und Sachsen als belastet. Neben einem veränderten Freizeitverhalten könne auch der Klimawandel zur Ausbreitung beitragen, vermutet Monazahian, denn Zecken lieben es warm und finden bei milden Wintern auch mehr Wirtstiere. 

Die Stiko empfiehlt zeckenexponierten Personen in Risikogebieten eine Impfung, da die Krankheit durch Zecken (in Deutschland durch den Gemeinen Holzbock) auf den Menschen übertragen wird. 98 Prozent der im vergangenen Jahr gemeldeten FSME-Erkrankten in Deutschland galten als ungeimpft. Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) empfahl Emsländern und Besuchern eine FSME-Impfung. Laut Gesundheitsamt übernimmt die Krankenkasse in diesen Fällen die Kosten. „Eine Impfung bietet den besten Schutz gegen eine FSME-Erkrankung“, sagte Gesundheitsamtspräsident Matthias Pulz. 

Gefährliche Hirnhautentzündung droht

Als zeckenexponiert gelten Menschen, die sich viel in der freien Natur, aber auch in Parks und Gärten aufhalten. Die Krankheit beginnt zunächst mit grippeähnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen und Fieber. Bei einem Großteil der infizierten Personen verläuft die FSME harmlos, weshalb Forscher auch von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. 

Bei schätzungsweise bis zu 30 Prozent der Betroffenen kann es in einer zweiten Krankheitsphase allerdings zu einer Hirnhaut- oder Hirnentzündung (Meningitis oder Meningoenzephalitis) mit schweren Bewusstseinsstörungen und Lähmungen kommen. Patienten können sterben oder bleibende Schäden davontragen. Anders als die ebenfalls von Zecken übertragene von Bakterien ausgelöste Borreliose kann die Virenkrankheit FSME nicht medikamentös geheilt werden. Auch im Emsland hatte es schwere Krankheitsverläufe gegeben, die aber glücklicherweise ohne Folgeschäden ausgingen.

26 Fälle in Niedersachsen

Ein Landkreis wird als Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der erfassten FSME-Erkrankungen langfristig deutlich höher liegt als die erwartete Fallzahl von einer Erkrankung auf 100 000 Einwohner. Allerdings treten auch in Nicht-Risikogebieten Fälle auf, nur eben nicht gehäuft: Seit 2002 hatten die Forscher in Niedersachsen insgesamt 26 Fälle registriert. 

Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit insgesamt 583 FSME-Erkrankungen übermittelt, sechs davon in Niedersachsen. Das sind etwa ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum (486) und markiert einen neuen Rekordstand. Die meisten Fälle treten zwischen Mai und Oktober auf. 

Eine Zecke. Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa

Der Landkreis Emsland sieht in der Einschätzung als neues Risikogebiet für FSME eine „folgerichtige, adäquate Maßnahme, nachdem 2018 vier Fälle an hier erworbener FSME“ aufgetreten waren, sagte Amtsärztin Johanna Sievering. 


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