Erneut Schülerdemos geplant Niedersachsen: Weil lobt Klimaschutz-Engagement von Jugendlichen

Von dpa

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat seine Sympathien für die Klimaschutz-Demonstrationen von Jugendlichen zum Ausdruck gebracht. Foto: dpaNiedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat seine Sympathien für die Klimaschutz-Demonstrationen von Jugendlichen zum Ausdruck gebracht. Foto: dpa

Hannover. Schüler wollen am Freitag in niedersächsischen Städten wieder für den Schutz der Erde demonstrieren. Einen Tag zuvor trifft sich der Ministerpräsident mit jungen Klimaschützern. Doch müssen Teilnehmer Konsequenzen fürchten, wenn sie für die Demo die Schule schwänzen?

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat Sympathie für die Klimaschutz-Demonstrationen von Jugendlichen. "Es gefällt mir, wenn sich junge Menschen für Klimaschutz einsetzen und dafür auf die Straße gehen", sagte Weil in Hannover. Daher wolle er gerne einige niedersächsische Vertreter dieser Bewegung kennenlernen und mit ihnen drängende Umweltthemen besprechen. Das Treffen Weils mit den jungen Leuten soll am Donnerstag stattfinden. Der Ministerpräsident selbst habe die Idee gehabt, die Schüler einzuladen, sagte eine Sprecherin der Landesregierung. In mehreren niedersächsischen Städten sind am Freitag erneute Schülerdemos für den Klimaschutz geplant.

Greta Thunberg als Vorbild

Die Kampagne #FridaysForFuture ist mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg verbunden. Die 16-jährige Schwedin sitzt seit Monaten jeden Freitag vor dem Parlament ihres Landes. Nach ihrem Vorbild gehen Jugendliche auch in Deutschland während der regulären Unterrichtszeit freitags auf die Straße. An diesem Freitag startet die Demo in Celle bereits um 9 Uhr, in Osnabrück um 10 Uhr, in Hannover beginnt der Protestzug um 12.30 Uhr, also erst nach der fünften Unterrichtsstunde. Zu der Frage, wie er das Schuleschwänzen beurteilt, äußerte sich Ministerpräsident Weil nicht. "Ich glaube, wir überlassen die Diskussion über die Schulpflicht dem Kultusministerium", sagte die Regierungssprecherin. Weil habe allerdings sein Treffen mit den Schülern bewusst für den Nachmittag angesetzt – außerhalb der Unterrichtszeit. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat sich bereits am Montag mit zwei Vertretern der Bewegung getroffen, wie ein Ministeriumssprecher am Mittwoch sagte. "Er hat hinterlegt, dass es wichtig und richtig ist, wenn sich Schüler engagieren." Es sei immer Teil von Schule gewesen, dass sich junge Menschen mit aktuellen politischen Themen auseinandersetzen. Trotzdem müssten sich die Schüler über die Konsequenzen bewusst sein. "Wenn Pflichtunterricht ist und die Schüler nicht anwesend sind, dann wird das von den Lehrkräften entsprechend vermerkt. Davon gehen wir aus." Schulleitern und Lehrern sei das Regelwerk bekannt, das Kultusministerium sehe daher keinen Bedarf, hier nachzusteuern.

Keine Sanktionen gegen Schüler

"Mir ist nicht bekannt, dass es in Niedersachsen Schulen gibt, die Sanktionen gegen Demo-Teilnehmer verhängt haben", sagte Mariel Reichard von der Grünen Jugend, die sich an der Organisation beteiligt. Reichard rechnet damit, dass sich an diesem Freitag bis zu 10.000 Jugendliche landesweit beteiligen könnten. Nicht nur in den großen Städten, auch in ländlichen Gebieten sei der Klimaschutz Thema bei Jugendlichen. "Das merken wir daran, wie viele Teilnehmer aus den Regionen zur Demo nach Hannover anreisen."

Schüler auch in den Ferien aktiv

Reichard widersprach der Ansicht, den Schülern gehe es in Wahrheit nur um einen Vorwand für das Schuleschwänzen. "Am vergangenen Freitag waren in mehreren Bundesländern Zeugnisferien – trotzdem gingen viele zu den Demos." Und warum können die Jugendlichen nicht einfach am Nachmittag demonstrieren? "Sonst haben die Erwachsenen ja keinen Grund zum Handeln. Der Streik am Vormittag tut den Eltern weh, er tut den Schulen weh und auch der Politik", sagte Reichard.


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