Vorfälle in Syke und Apen Brennende Anlagen entfachen Debatte um Sicherheit von Windrädern neu

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In Brual (Gemeinde Rhede) im Emsland brannte im Oktober 2018 ein Windrad. Ähnliche Vorfälle gab es nun in Syke und Apen. Foto: NWM-TV/ArchivIn Brual (Gemeinde Rhede) im Emsland brannte im Oktober 2018 ein Windrad. Ähnliche Vorfälle gab es nun in Syke und Apen. Foto: NWM-TV/Archiv

Apen/Syke/Papenburg. Nach zwei Vorfällen im Emsland im Vorjahr haben brennende oder durch Windböen beschädigte Windräder in Syke (Landkreis Diepholz), Apen (Landkreis Ammerland) und Wriedel (Landkreis Uelzen) die Debatte um die Sicherheit der Anlagen neu entfacht. Der TÜV-Bundesverband meint: Die Vorgaben für die Prüfung seien unzureichend, Schäden an Windrädern würden immer wieder Mensch und Umwelt gefährden.

Mitte Januar hatte im Grenzbereich der Gemeinden Apen (Landkreis Ammerland) und Uplengen (Landkreis Leer) ein Windrad der Firma Enercon gebrannt. Weil das Feuer von der Autobahn 28 aus zu sehen war, konnten Autofahrer nahe der Abfahrt Apen/Remels über Stunden die brennende Anlage und den schwarzen Rauch beobachten. Am vergangenen Dienstagabend ist dann in der Gemeinde Syke ein Windrad in Brand geraten. Brennende Teile der Anlage stürzten in die Tiefe. Anwohner wurden aufgrund der starken Rauchentwicklung  gebeten, Fenster und Türen zu schließen. 

In beiden Fällen ließ die Feuerwehr die Anlagen kontrolliert abbrennen und sperrte den Bereich unterhalb des Widrades großräumig ab. Das Löschen von Feuern in mehr als 100 Metern Höhe ist so gut wie unmöglich, wie Lambert Brand, Sprecher der Kreisfeuerwehr Emsland, auf Anfrage bestätigte. Die Drehleitern von Feuerwehren schaffen es im Normalfall nur bis zu einer Höhe von 25 bis 30 Metern. "Sie bei brennenden Windrädern für den Einsatz eines Wasserwerfers zu nutzen, ist aber häufig zu gefährlich, weil jederzeit brennende Teile herunterstürzen können, die eine große Gefahr für die Feuerwehrleute mit sich bringen würden", erklärte Brand. Genauso gefährlich sei es, einen Höhenretter durch den Turm der Anlage nach oben zu schicken. Solche Höhenretter gibt es dem Sprecher zufolge im Emsland; sie werden aber nur dann eingesetzt, wenn ein Mitarbeiter des Anlagenbetreibers im Motorraum des Windrades oder in den begehbaren Flügeln gesundheitliche Probleme bekommen hat. 

Der Einsatz eines Hubschraubers sei möglich, darauf würde aber im Regelfall verzichtet, weil die Kosten hoch und der Nutzen gering sind. "Bei einem Feuer eines Windrades muss ohnehin fast immer die gesamte Anlage ausgetauscht werden. Es ist – vereinfacht gesagt – also egal, ob die Anlage komplett ausbrennt oder nur zum Teil, weil sie gelöscht wurde", erklärt der aus Sögel kommende Brand.

Bisher fünf meldepflichtige Schäden an Windrädern im Emsland

Im Landkreis Emsland gab es 2018 zwei größere Brände an Windenergieanlagen. In beiden Fällen wurden die Anlagen fast vollständig zerstört. Im Harener Ortsteil Rütenbrock fing am 30. August ein Windrad Feuer, die dunklen Rauchwolken waren bis ins mehrere Kilometer entfernte Haren zu sehen. Hier könnten Wartungsarbeiten die Ursache gewesen sein. Im Rheder Ortsteil Brual war am 12. Oktober 2018 ein Feuer in einer Anlage in der Nähe der Autobahn 31 ausgebrochen. Als Ursache wird hier ein technischer Defekt vermutet. Die Anlage in Rhede stammte aus dem Jahr 2001, war also 17 Jahre alt, die in Haren-Rütenbrock aus dem Jahr 2004 – also 14 Jahre alt.

Nach Angaben des Landkreis Emsland im Oktober 2018 wurden bisher in fünf Fällen Schäden bei Windenergieanlagen gemeldet – einschließlich der beiden Vorfälle in Brual und Haren. Meldepflichtige Schäden sind Brände, aber auch beschädigte Rotorblätter. 

TÜV sieht Menschenleben in Gefahr

Die beiden Ereignisse hatten eine Diskussion darüber entfacht, wie sicher Windräder sind, von denen es im Emsland weit mehr als 500 gibt. Der TÜV-Bundesverband stellte bereits im vergangenen Jahr fest: Die Vorgaben für die Prüfung sind unzureichend, Schäden an Windrädern gefährden immer wieder Mensch und Umwelt. Joachim Bühner, Geschäftsführer des TÜV-Verbandes, teilte damals mit, er fordere regelmäßige Prüfungen von Windrädern. "Sie würden dazu führen, die Anlagen sicherer zu machen, um die Menschen besser zu schützen, zumal Windparks immer näher an Straßen und Siedlungen heranrücken“, wie Bühner in einer Mitteilung zitiert wurde. Ergänzend hieß es: „Im Grunde ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei einer Windrad-Havarie Menschen zu Schaden kommen.“ Der TÜV hält eine Kontrolle nach verbindlichen Vorgaben alle zwei Jahre, wie bei einem Auto im Straßenverkehr, für sinnvoll.

Bisher gibt es laut TÜV unterschiedliche Vorgaben. Windräder, die nach dem Jahr 2004 errichtet wurden, müssen laut der Sachverständigen-Organisation alle zwei Jahre überprüft werden. Allerdings könnten die Betreiber den Zeitraum auf vier Jahre verlängern, wenn sie die Anlagen regelmäßig warten, was im Regelfall auch passiere. Eine unabhängige Prüfung erfolge demnach im Regelfall nur alle vier Jahre. „Aus Sicht des TÜV eindeutig zu lang“, stellte der Geschäftsführer fest. Für ältere, vor 2004 aufgestellte Anlagen gelten laut TÜV Regeln aus dem Jahr 1993, die keine wiederkehrenden Prüfungen vorsehen. Diese „Regelungslücke“ müsse geschlossen werden.

Enercon hielt bisher schärfere Vorgaben nicht für notwendig

Der Windkraftanlagenhersteller Enercon aus Aurich hält neue Vorgaben für nicht notwendig. Der Hersteller mache den Betreibern der Windparks enge Wartungsvorgaben, die in der Regel von der Servicegesellschaft von Enercon übernommen würden.  Das Konzept sehe unter anderem eine Fernüberwachung und „wiederkehrende Prüfungen relevanter Anlagenkomponenten“ vor, teilte ein Enercon-Sprecher der Redaktion im vergangenen Jahr mit. Er betonte: „Dadurch, dass unser Service vorausschauend agiert – lange, bevor Schäden eintreten – können wir Kunden eine technische Verfügbarkeit der Anlage von 97 Prozent garantieren.“ Weil es sich um „komplexe technische Anlagen“ handele, könne man trotz der Überwachung und Wartung „technische Fehler nie hundertprozentig ausschließen“. Diese Gewissheit würden dem Sprecher zufolge auch die vom TÜV geforderten zusätzlichen Prüfungen „in keiner Weise bieten“. Bezogen auf die große Zahl an Betriebsstunden, die Enercon-Anlagen ohne Störung laufen, „bleiben Vorfälle dieser Art im Promillebereich und somit die absolute Ausnahme“, hieß es aus Aurich.


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