"Stop-and-Go" in Städten Autofahrer stehen in Hannover und Bremen im Jahr mehrere Tage im Stau

Von dpa

Wer nach acht oder mehr Stunden im Büro oder in der Werkstatt noch ein oder eineinhalb Stunden im Stadt-Stau steht, ist genervt. Aus Stunden werden aufs Jahr gerechnet Tage. Zeit, die man besser verbringen könnte. Symbolfoto: dpaWer nach acht oder mehr Stunden im Büro oder in der Werkstatt noch ein oder eineinhalb Stunden im Stadt-Stau steht, ist genervt. Aus Stunden werden aufs Jahr gerechnet Tage. Zeit, die man besser verbringen könnte. Symbolfoto: dpa 

Hannover/Bremen. Wer nach acht oder mehr Stunden im Büro oder in der Werkstatt noch ein oder eineinhalb Stunden im Stadt-Stau steht, ist genervt. In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und der Hansestadt Bremen verbringen Autofahrer statistisch gesehen mehrere Tage im Jahr im Verkehrsstau.

In Bremen waren es 2018 mit 96 Stunden ganze vier Tage, etwas weniger waren es in Hannover mit 84 Stunden (3,5 Tage). Das ergibt sich aus der Studie "2018 Global Traffic Scorecard" des Verkehrsinformationsanbieters Inrix. Im internationalen Vergleich sind die Werte eigentlich gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Autofahrer in Bogotá (Kolumbien) 2018 rund elf Tage im Stau standen, in Rom waren es immerhin noch 10,5 Tage.

Spitzenreiter in Deutschland war Berlin mit 154 Stunden (6,4 Tage), gefolgt von München (140/5,8 Tage) und Hamburg (139/5,8). Der ADAC befürchtet, dass Staus auch in Städten tendenziell weiter zunehmen werden. "Der ÖPNV und Schienenverkehr müssen so gut und attraktiv sein, dass die Menschen das Auto gerne stehen lassen", empfahl Nils Linge, Pressesprecher beim ADAC Weser-Ems. Der Referent für Verkehrspolitik beim ökologischen Verkehrsclub VCD, Michael Müller-Görnert, sagte: "Ein besseres ÖPNV-Angebot würde angenommen, wenn es denn da wäre."

Viele Pendler wegen hohen Mieten

Insgesamt gesehen verbrachten deutsche Autofahrer den Angaben zufolge durchschnittlich mehr als 120 Stunden im Stau. Hannover steht im Städte-Ranking in der Kategorie "Verlorene Stunden im Stau" auf Platz 13, Bremen auf Platz 11. Dazwischen rangiert Karlsruhe. ADAC-Sprecher Linge verwies darauf, dass Bremen und auch Hannover Oberzentren der Region seien. Viele, die sich Mieten in der Stadt nicht mehr leisten könnten, pendelten in die Städte ein. Der schienengebundene Nahverkehr sei aber nicht überall so ausgebaut, dass die Pendler ohne Auto zum Arbeitsplatz in die Stadt kämen. Bei zwei oder zweieinhalb Stunden Fahrzeit mit dem Auto werde das Pendeln schon abenteuerlich.

Erschwerend komme hinzu, dass Städte wie Bremen und Hamburg durch große Flüsse getrennt seien. Wenn sich der Verkehr in Tunneln oder auf Brücken staue, gebe es oft kaum Ausweichmöglichkeiten. Müller-Görnert betonte, letztlich gehe es um die Frage der Lebensqualität, denn Unfälle, Lärm und schlechte Luft würden in den Großstädten vor allem durch den Verkehr verursacht.

Gesamtstaulänge gestiegen

Erst im Januar hatte der ADAC die Stau-Bilanz für Autobahnen vorgelegt. Danach stieg die gemessene Gesamtstaulänge in Niedersachsen 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 33 790 Kilometer auf 155 250 Kilometer. Damit nahm Niedersachsen 2018 unter den norddeutschen Bundesländern den Spitzenplatz ein. In Bremen verdoppelten sich die Zahlen fast: 2017 wurden hier 6115 Kilometer Stau erfasst, im vergangenen Jahr waren es 12 668 Kilometer. Die meisten Staukilometer in Niedersachsen (44 809) wurden auf der A1 gemessen, die von Norden über Bremen und Osnabrück Richtung Ruhrgebiet führt. 


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