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04.02.2019, 17:09 Uhr KOMMENTAR

Als Lob verpackte Drohung

Ein Kommentar von Klaus Wieschemeyer


Ministerpräsident Stephan Weil. Foto: Michael Kappeler/dpaMinisterpräsident Stephan Weil. Foto: Michael Kappeler/dpa

Garrel. Niedersachsens Ministerpräsident Weil hat am Montag einen Schlachthof in Garrel besucht. Für den Betrieb fand der Politiker viele lobende Worte. Diese könnten allerdings auch als dezente Drohung verstanden werden, findet unser Kommentator.

Das Lob regionaler Unternehmen gehört zwar zum Standardrepertoire von Ministerpräsidenten bei Firmenbesuchen. Trotzdem war der Auftritt von Stephan Weil am Montag im Schlachthof in Garrel bei Cloppenburg bemerkenswert. Und sollte den Schlachtkonzernen zu denken geben, bei denen der SPD-Politiker nicht war. Denn die überschwängliche Begeisterung für Garrel ist vor allem ein Wink für die anderen Branchengrößen. 

Wenn der Regierungschef fragt, warum man in Garrel ohne Leiharbeiter auskommen und auch noch Werkswohnungen bauen kann, richtet sich das direkt an die Mitbewerber. Ebenso wie die Ankündigung,  bald mit diesen darüber zu reden, warum das, was in Garrel geht, anderswo nicht funktioniert. Wenn Weil das mit der dezenten Drohung verbindet, dass man sich auch schärfere Gesetze vorstellen kann, müssten bei den Schlachtkonzernen die Alarmglocken schrillen. 

Bislang konnten sich die Branchenriesen darauf verlassen, dass vollmundigen Ankündigungen der Politik wenig bis nichts folgte. Auch dürfte die Aussicht auf eine Videoüberwachung die Großschlachthöfe nicht schrecken. Jetzt macht der SPD-Ministerpräsident das Thema zur Chefsache. Nach den Schlachthofskandalen der vergangenen Monate will er Pflöcke einschlagen. Dazu fordert Weil das Entgegenkommen der Unternehmen ein. Bleibt es aus, dürfte es für sie ungemütlich werden. 



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