Streit um marode Marienburg Welfenschloss: Kaufkritiker formieren sich

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Wer immer die Marienburg übernimmt, übernimmt auch Sanierungsbedarf. Denn das Schloss steht auf einem abrutschbedrohten Hang. Foto: Holger Hollemann/dpaWer immer die Marienburg übernimmt, übernimmt auch Sanierungsbedarf. Denn das Schloss steht auf einem abrutschbedrohten Hang. Foto: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Wegen eines Familienstreits in der Welfenfamilie zieht sich der Verkauf der maroden Marienburg an das Land Niedersachsen hin. Das kommt manchem ganz gelegen.

Die Indiskretion erfolgte gezielt: Am vergangenen Samstag zitieren zeitgleich das Magazin "Der Spiegel" und die Regionalzeitung Hannoversche Allgemeine genüsslich aus vertraulichen Briefen aus dem Adelshaus der Welfen. Es geht um eine Familienfehde im Haus Hannover – und um den Landeshaushalt. Anlass beider Schreiben: Der angekündigte Kauf der maroden Marienburg bei Pattensen durch eine Tochterfirma der landeseigenen Klosterkammer zum symbolischen Preis von einem Euro. Ende November hatten Erbprinz Ernst August junior und Kulturminister Björn Thümler gemeinsam den Deal im Rittersaal der neogotischen Sommerresidenz verkündet. Kurz darauf griff der in Österreich lebende Ernst August senior ein und erklärte, dass er das seinem Sohn überlassene Schloss wegen "groben Undanks" zurückfordere. Seitdem liegt der Kauf auf Eis. 

Einblicke in eine Familienfehde

Die Briefe geben nicht nur tieferen Einblick in das zerrüttete Vater-Sohn-Verhältnis im Hause Hannover. Dass bei den früheren Königen von Hannover und engen Verwandten der englischen Windsors der Haussegen schief hängt, war immerhin schon 2017 unübersehbar, als der als schlagzeilenträchtige Vater ("Prügel-Prinz, Pinkel-Prinz") der Hochzeit seines Sohnes in Hannover fernblieb.  

Sie geben vor allem auch den Kritikern des geplanten Deals Munition an die Hand: In einem Schreiben an Ministerpräsident Stephan Weil widerspricht der in Österreich lebende Ernst August Senior nämlich dem Hauptargument des in Hannover wohnenden Sohnes für den Verkauf: Dass sich die Welfen den Verlustbringer auf Dauer nicht leisten können. Er habe seinen Erben "auskömmlich finanziert", um den Erhalt des Schlosses  sicherzustellen, schreibt der 64-Jährige. Eben so wie alle "Generationen vor ihm". 

In der Landespolitik fallen solche Argumente auf fruchtbaren Boden, denn es gibt massive Bedenken gegen den Kauf. Zwar gilt die Marienburg als historisch bedeutsam. Doch mancher Abgeordnete fragt sich, ob nicht nur Eigentum, sondern auch Adel verpflichtet. Die Grünen wollen per parlamentarischer Anfrage nicht nur wissen, was die Welfen zuletzt in den Erhalt des Gebäudes investiert haben. Die Abgeordnete Eva Viehoff fragt auch, welche mobilen Kulturgüter mit nationaler Bedeutung nach einer Auktion im Jahr 2005 überhaupt noch auf der Marienburg sind.

Begrenzte Begeisterung

Zwar steht Minister Thümler weiterhin demonstrativ zum ausgehandelten Geschäft. "Wir warten ab", sagt Thümler. Doch unter den Abgeordneten wachsen die Zweifel. Und nicht nur dort: Anfang des Monats erklärte der Landesrechnungshof gegenüber unserer Redaktion, man werde "die Entwicklung in dieser Sache weiter beobachten" um über den Eintritt in eine "formelle Prüfung zu entscheiden". 

Auch in der Klosterkammer hält sich die Begeisterung für den geplanten Immobilienzuwachs in Grenzen. Die Behörde verwaltet ehemals kirchlichen Besitz und fördert mit Erträgen kirchliche, soziale und schulische Projekte. Ob ein marodes Schloss mit millionenschwerem Sanierungsbedarf mit dem Stiftungszweck vereinbar ist, ist offen. Wohl auch deswegen soll die Immobilie nicht bei der Kammer selbst, sondern bei ihrer Immobilientochter Liemak geparkt werden.

Manche Beobachter vermuten die Quelle der gezielten Indiskretion deswegen tatsächlich bei der traditionsreichen Behörde.  


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