Erste Besetzungen schon ab Herbst? Thümler eröffnet Rennen um Digitalprofessuren

Wissenschaftsminister Björn Thümler. Foto: dpaWissenschaftsminister Björn Thümler. Foto: dpa

Hannover. Lange waren sie politisch umstritten, nun sollen sie kommen: Die ersten Digitalprofessuren für Niedersachsen. Wissenschaftsminister Björn Thümler startet die Ausschreibung.

Niedersachsen beginnt mit der Ausschreibung von Digitalprofessuren im Land: Bis Ende April können sich Hochschulen mit Konzepten auf die ersten 17Plätze bewerben, erklärte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) am Dienstag in Hannover. Bis zum Jahr 2020 sollen insgesamt unbefristete 50 Professorenposten an den hiesigen Hochschulen entstehen, jede Stelle soll über das VW-Vorab zudem zeitlich befristet mit zwischen 0,5 und 2,5 Mitarbeitern ausgestattet werden.

Nach April soll die Wissenschaftliche Kommission die eingereichten Konzepte bewerten. Sollte eine Hochschule zum Zuge kommen und sich bereits einen Professor ausgeguckt haben, könnte die Besetzung noch im Herbst erfolgen, sagte Thümler. In welchen Fächern und welchen Regionen die Stellen entstehen sollen, ist demnach noch völlig offen: Die Professuren sollen sich nämlich zwar mit der Digitalisierung befassen, weitere Einschränkungen gibt es allerdings nicht. Um Informatiker geht es ausdrücklich nicht, vielmehr wolle man ausdrücklich auch Geisteswissenschaftler ansprechen. Drei Stellen sollen für ethische Fragestellungen und um die Digitalisierung reserviert werden. „Die digitale Welt eröffnet mit bisher ungekannten ethischen und praktischen Problemen ganz neue Forschungsfelder. Bei allen Chancen, die die Digitalisierung bietet, darf eine kritische Auseinandersetzung nicht fehlen“, erklärte der Minister.

Potenzielle Professoren sieht Thümler nicht nur in Deutschland: Auch durch den anstehenden Brexit verunsicherte Wissenschaftler aus Großbritannien oder US-Amerikaner, die dem „blondgelockten Herren im Weißen Haus“ nicht trauten, könnten nach Niedersachsen wechseln.

Die Opposition kritisierte Thümler: Die Grünen-Abgeordnete Eva Viehoff sprach von „Flickschusterei“. Nun rächten sich die vollmundigen Versprechen, die Thümler bei Finanzminister Reinhold Hilbers nicht habe durchsetzen können. Die FDP-Abgeordnete Susanne Schütz forderte mehr Details über die Ausschreibungen.

„Es muss sichergestellt sein, dass zwischen allen Hochschulen und den verschiedenen Fakultäten Chancengleichheit herrscht. Wir werden hier nochmal genauer nachhaken“, sagte Schütz.


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