Nach Tierschutz-Skandalen Unangekündigte Kontrollen: Mängel in vielen Schlachthöfen

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Für das Schwein geht es bald zum Schlachter. Foto: Michael GründelFür das Schwein geht es bald zum Schlachter. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Bei unangekündigten Kontrollen in niedersächsischen Schlachthöfen haben Prüfer in einem großen Teil der Betriebe Mängel entdeckt. Besonders negativ aufgefallen: ein Schlachtbetrieb im Landkreis Osnabrück.

Die Mängel seien so erheblich gewesen, „dass die Lebensmittelsicherheit nicht mehr gegeben war“, teilte ein Behördensprecher mit. Die Schlachtung sei untersagt worden. Es seien starke Verschmutzungen an Böden und Geräten entdeckt worden – unter anderem angetrockneter Fleischsaft und Fleischreste. „Dazu blätterte in mehreren Räumen Deckenfarbe in unterschiedlicher Ausdehnung ab“, so der Sprecher.

Es wird wieder geschlachtet

Das Unternehmen aus Bad Laer teilte mit: „Diese Mängel konnten innerhalb eines schlachtfreien Tages behoben werden.“ Nach Zustimmung des Veterinäramtes sei die Schlachtung wieder aufgenommen worden. Der Chef des Betriebes kündigte „vermehrte Eigenkontrollen“ an. Der Betrieb schlachtet Rinder.

Probleme gab es aber auch in anderen Schlachthöfen. Insgesamt 18 Betriebe hatten die Kontrolleure ohne Ankündigung aufgesucht. In zehn Fällen habe es Auffälligkeiten in Sachen Tierschutz gegeben. Das Agrarministerium nennt unter anderem fehlende Sachkunde beim Personal beziehungsweise fehlende entsprechende Nachweise und unzureichende Kontrollen der Betäubung von Tieren.

14 mal Mängel bei Technik und Betäubung

Größer sind die Probleme offenbar im Bereich Technik und Betäubung. „Von den 18 kontrollierten Betrieben wiesen 14 Mängel auf“, so das Ministerium. Entsprechende Geräte seien unzureichend gewartet, verdreckt oder mangelhaft gewesen.

Nach unseren Informationen sollen die Probleme in Einzelfällen so schwer gewesen sein, dass eine ordentliche Betäubung der Tiere fraglich scheint. Rinder werden beispielsweise in vielen Schlachtbetrieben per Bolzenschuss betäubt, bevor ihre Hauptschlagader geöffnet wird und die Tiere verbluten. Bei Schweinen kommt neben CO2 auch Strom zum Einsatz. Fließt zu wenig Strom oder geht der Bolzenschuss daneben, besteht die Gefahr, dass die Tiere während der Schlachtung wieder aufwachen. Fehlbetäubungen beobachteten die Kontrolleure aber nicht.

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU, Foto) sagte angesichts der Ergebnisse: : „Ich habe mehrfach deutlich gemacht, dass es einen Neustart in den Schlachthöfen geben muss und dazu stehe ich auch.“

Foto: Holger Hollemann/dpa

Sie erwarte „noch stärkere Anstrengungen“ der Betriebe in Sachen Tierschutz, so Otte-Kinast. Als Konsequenz kündigte sie verschiedene Maßnahmen an. „Dazu gehört etwa die Einführung verpflichtender turnusgemäßer Kontrollen der Betäubungsgeräte- und Anlagen der Schlachthöfe durch technische Sachverständige des Laves.“ Zudem will sie sich auf Länderebene für Videoüberwachung in Schlachthöfen einsetzen.  

Reaktion auf Videos aus Bad Iburg und Oldenburg

Die gemeinsamen Kontrollen der Kreise und des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) waren eine Reaktion auf mehrere Skandale - ausgelöst durch heimlich gedrehte Videos von Tierrechtlern. Die Aktivisten hatten in einem Betrieb in Bad Iburg schwere Missstände im Umgang mit Rindern dokumentiert. 

Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

In Oldenburg zeigten die Aufnahmen mutmaßliche Probleme bei der Betäubung der Tiere. In beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bei den aktuellen amtlichen Überprüfungen ergab sich kein Verdacht auf eine Straftat. (Weiterlesen: Schlachthof: Wie viel System steckt hinter der mutmaßlichen Tierqual?)


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