Trips warnt vor Zwei-Klassen-Medizin Kommunen: Koalition muss sich um Medizin auf dem Land kümmern

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Kommunalvertreter Marco Trips warnt vor einer Zweiklassenmedizin in Niedersachsen. Foto: NSGBKommunalvertreter Marco Trips warnt vor einer Zweiklassenmedizin in Niedersachsen. Foto: NSGB

Hannover. Niedersachsen kümmert sich bislang zu wenig um die medizinische Versorgung auf dem Land, kritisiert der Städte- und Gemeindebund. Das soll sich jetzt ändern.

Niedersachsens Städte- und Gemeindebund (NSGB) hat die rot-schwarze Landesregierung aufgefordert, mehr für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu tun. „Wenn gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Großstädten und kleinen und mittleren Städten und Gemeinden das erklärte Ziel einer Landesregierung sind, dann muss dies auch im aktiven Handeln deutlich werden. Wir hoffen daher darauf, dass dieses Ziel künftig wieder mehr im Mittelpunkt des Wirkens der Landesregierung steht“, sagte NSGB-Präsident Marco Trips unserer Redaktion. Große Hoffnungen setze der Verband auf die an diesem Montag startende Enquetekommission des Landtages zur medizinischen Versorgung: 15 Abgeordnete, acht Verbandsvertreter und vier Wissenschaftler sollen bis Anfang kommenden Jahres Lösungsansätze für drängende Probleme wie den  Ärztemangel oder die Sicherung der Klinikstruktur erarbeiten. Auch die innerhalb der Großen Koalition umstrittene Forderung nach einer Landarztquote soll Thema der Enquete werden.

Kommunen warnen vor Zwei-Klassen-Medizin

Mit der Enquete habe das Land die Chance, „die Probleme insbesondere der Unterversorgung auf dem Land aufzugreifen und an Verbesserungen zu arbeiten“, sagte Trips. „Dabei erwarten wir, dass es keine medizinische Versorgung erster Klasse in den Großstädten und eine zweite Klasse auf dem Land gibt. Alle Menschen sind schließlich gleich viel wert und müssen auch auf dem Land behandelt, gerettet, versorgt und gepflegt werden“, ergänzte er. 

Seit Jahren führe der NSGB federführend die Diskussion um die ärztliche Versorgung auf Lande und habe viele Lösungsvorschläge zu medizinischen Versorgungszentren unterbreitet, erinnerte Trips. Dies kann man auch als Seitenhieb auf die Koalition werten, die den Verband anfangs nicht einmal mit am Enquete-Tisch haben wollte. Nun ist geplant, dass sich die drei Kommunalverbände in Niedersachsen zwei feste Plätze zu teilen. „Wir helfen gern und bieten auch an, auf die Expertise unseres Arbeitskreises zur medizinischen Versorgung zurückzugreifen“, ergänzte er.

5000 Hausärzte stehen vor dem Ruhestand

Nach NSGB-Angaben gehen in Niedersachsen gehen bis zum Jahr 2030 von insgesamt 14600 niedergelassenen Ärzten rund 5000 in den Ruhestand. Aktuell sind demnach 365 Hausarztsitze insbesondere im ländlichen Raum unbesetzt. Da es junge Mediziner vor allem die in die Großstädte zieht, fordert der NSGB einen schnellen Ausbau der Medizinstudienplätze und eine Landarztquote.


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