Durchschnittlich Dauer von 65,7 Tage Niedersachsen braucht bei Steuerbescheid am längsten

Von dpa

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In Niedersachsen müssen Steuerzahler besonders lange warten, bis ihre Steuererklärung bearbeitet wird. Foto: dpaIn Niedersachsen müssen Steuerzahler besonders lange warten, bis ihre Steuererklärung bearbeitet wird. Foto: dpa

Berlin/Hannover. Je länger Finanzämter Steuererklärungen bearbeiten, desto mehr warten Bürger oft auf mehrere tausend Euro an Rückzahlungen. In Niedersachsen dauert es besonders lange – aber es gibt erhebliche Unterschiede.

In Niedersachsen werden Steuererklärungen im bundesweiten Vergleich am längsten bearbeitet. Durchschnittlich 65,7 Tage brauchten die Finanzämter dort im vergangenen Jahr für den Bescheid. Das geht aus der Auswertung von mehr als 300 000 anonymisierten, über das Internet-Portal „Lohnsteuer-kompakt.de" erstellten Steuererklärungen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Am schnellsten waren bundesweit die Ämter im Saarland, dort brauchten sie mit nur 48,7 Tagen mehr als zwei Wochen weniger. Der deutschlandweite Schnitt liegt bei 56,1 Tagen, das sind 0,7 Tage mehr als noch 2017. 

Zunehmende Dauer

Nach den Zahlen dauert es in Niedersachsen von Jahr zu Jahr länger, bis die Bescheide fertig sind. Waren es 2015 noch 58,6 Tage, so war es im Jahr darauf schon einer mehr. 2017 brauchten die Ämter bereits 62,6 Tage. Immer schneller geht es dagegen im Bundesland Bremen. Dort lag die Bearbeitungszeit bei 59,9 Tagen, 2015 waren es noch 85,8.

„Niedersachsen ist bestrebt, seine im Ländervergleich längeren Durchlaufzeiten im Arbeitnehmerbereich zu verkürzen", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Hannover. Ein wesentlicher Grund für die längere Bearbeitungszeit seien erhebliche Störungen und Ausfälle bei der elektronischen Datenverarbeitung. Außerdem würden bei Arbeitnehmern nicht nur die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit berücksichtigt, sondern auch solche aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie sonstige Einkünfte. So könne die Prüfung eines „Arbeitnehmerfalls" aufwendiger sein als in anderen Ländern. 

Qualität der Bescheide nicht genug im Blick?

Bei einem Ranking nach Bearbeitungszeiten sei der Fokus auf die Quantität gerichtet, meinte der Sprecher. Die Qualität, also die sachliche Richtigkeit der Steuererklärung, werde dabei schnell hinten angestellt. Kurze Bearbeitungszeiten ließen sich insbesondere erreichen, wenn Erklärungen ohne Rückfragen akzeptiert würden. 

Innerhalb Niedersachsens gab es bei den einzelnen Finanzämtern erhebliche Unterschiede. Am schnellsten kamen die Bescheide in Papenburg, dort dauerte es im Schnitt nur 44,9 Tage. Auf Platz zwei folgte Wittmund (45,7), danach kamen Alfeld (49,1) und Rotenburg (50,2). Besonders lange brauchten die Behörden in Nienburg/Weser (83,7) und Stadthagen (83,2). Nicht viel schneller ging es in Nordenham (81,0), Hildesheim (79,6) und Wolfenbüttel (78,9). Auch in der Landeshauptstadt gab es Unterschiede. So mussten die Betroffenen in Hannover-Mitte nur 54,3 Tage auf ihren Bescheid warten. In Hannover-Nord dauerte es 76,8 Tage, in Hannover-Süd sogar 78,7 Tage. 

Ausfälle wegen Krankheit und Elternzeit

Unterschiedlich lange Bearbeitungszeiten in den einzelnen Finanzämtern könnten viele Ursachen haben, sagte der Sprecher des Finanzministeriums. Dazu gehörten Abweichungen in der personellen Besetzung und unterschiedliche Ausfallzeiten etwa wegen Krankheit und Elternzeit. Auch Differenzen im Besucherverkehr und im Abgabeverhalten – elektronisch oder auf Papier – seien mögliche Ursachen. „Ob und inwieweit längere Bearbeitungszeiten für den Bürger ein Ärgernis darstellen, hängt sicherlich auch von der Frage ab, ob eine Erstattung erwartet oder eine Nachzahlung befürchtet wird." 


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