Pflegebevollmächtigter: Stehen erst am Anfang Pflegekammer bekommt Rückendeckung aus Berlin

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat die Pflegekammer  verteidigt. Foto: imago/Reiner ZensenDer Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat die Pflegekammer verteidigt. Foto: imago/Reiner Zensen

Hannover. Die umstrittene niedersächsische Pflegekammer hat am Freitagabend prominenten Unterstützung aus Berlin bekommen.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat die neue niedersächsische Pflegekammer in einem flammenden Appell verteidigt. Berufsautonomie erlange die Pflege nur mit Verantwortungsübernahme und gehe nur mit Selbstverwaltung, sagte der frühere Pfleger und langjährige Präsident des deutschen Pflegerats am Freitagabend nach einer außerordentlichen Kammerversammlung vor weit über hundert Zuhörern in Hannover. Bei der Versammlung hatte die Kammer zuvor ihre heftig kritisierte Beitragsordnung für Pflichtmitglieder korrigiert.

"Nicht berufsfremden Menschen überlassen"

Seit Wochen gibt es Kritik an der im vergangenen Jahr gegründeten Kammer. Westerfellhaus sieht in Kammern auf Landes- und Bundesebene allerdings eine überfällige Bündelung der Interessen der Berufsgruppe und einen bisher fehlenden Ansprechpartner für die Politik. Die Pflege dürfe die politische Diskussion nicht berufsfremden Menschen überlassen. "Die verkammerten Berufe werden in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen", sagte der Staatssekretär von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). 

Westerfellhaus räumte die Startschwierigkeiten der Kammer ein, doch "wenn etwas Neues kommt, haben die Ersten es am schwersten", sagte er. Westerfellhaus warnte die Kritiker, sich nicht "vor andere Interessen spannen" zu lassen. "Die Autonomie, an deren Türschwelle wir jetzt stehen und deren Tür wir weit aufgestoßen haben, darf in keinem Falle gefährdet werden", sagte er. Nun gehe es darum, bundesweit Kammerstrukturen aufzubauen: "Wir sind am Anfang, wir sind nicht am Ende und wir machen uns jetzt auf den Weg", sagte er. 

Kammerpräsidentin kritisiert Gewerkschaft

Nachdem die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Pflegekammer kritisiert hatte, attackierte Niedersachsens Kammerpräsidentin Sandra Mehmecke ihrerseits Verdi: "Die Gewerkschaft alleine wird die Situation der Pflege nicht ändern. Nicht in Niedersachsen, nicht in Deutschland", sagte Mehmecke. "In den letzten 20 Jahren haben es die Arbeitgeber und die Gewerkschaften es nicht geschafft, die Situation der Pflege zu verbessern", sagte sie. 


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