34 Prozent bestehen theoretische Prüfung nicht Zahl der Führerschein-Durchfaller in Niedersachsen gestiegen

Eine Fahrschülerin sitzt in einem Fahrschulauto neben ihrem Fahrlehrer. Foto: Armin Weigel/dpaEine Fahrschülerin sitzt in einem Fahrschulauto neben ihrem Fahrlehrer. Foto: Armin Weigel/dpa

Hannover. Rückwärts einparken, kein Stoppschild übersehen und Anfahren am Berg üben: Was Fahrschüler heutzutage können müssen, ist in den letzten Jahren eigentlich nicht schwieriger geworden. Doch warum steigt die Zahl der Führerschein-Durchfaller dann trotzdem seit Jahren an?

Die Zahl der Führerschein-Durchfaller in Niedersachsen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Dabei ist der Theorietest offensichtlich noch schwieriger als die praktische Prüfung: Knapp 34 Prozent der Kandidaten bestanden 2017 die theoretische Prüfung nicht, das war ein Plus um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den praktischen Prüfungen lag die Durchfaller-Quote in Niedersachsen mit 27,2 Prozent etwas niedriger, unter dem Strich waren das 4,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus einer Aufstellung des Kraftfahrtbundesamtes hervor.

Der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen, Dieter Quentin, kann eine Vielzahl von Gründen für die steigende Durchfallquote aufzählen. „Die theoretische Prüfung von heute ist mit der von vor 15 oder 20 Jahren überhaupt nicht mehr zu vergleichen“, sagte Quentin.

Früher hätten die Fahrschüler die Fragen noch gut auswendig lernen können, als die theoretische Prüfung auf Papier gemacht wurde. „Das ist bei der Prüfung heute am PC mit Videosequenzen nicht mehr möglich, da muss der Stoff wirklich sitzen.“

Hinzu kommt nach Worten von Quentin, dass immer mehr Migranten ihren Führerschein aus dem Ausland umschreiben lassen. Für die Umschreibung ist eine Vorbereitung aber nicht zwingend - und das werde von vielen unterschätzt. „Die meisten setzen sich einfach hinter das Steuer und merken erst dann, dass sich der Verkehr in der Heimat sehr von dem in einer deutschen Großstadt unterscheidet.“ Sprachprobleme stellten dagegen kaum ein Problem dar: „Die Theorieprüfung kann man in fast allen Sprachen ablegen, an der Sprachbarriere muss niemand scheitern.“

Quentin hat zudem beobachtet, dass die Fahrschüler immer älter werden. „Es ist nicht mehr so wie früher, dass die jungen Leute ganz scharf darauf sind, mit 18 den Führerschein zu haben.“ Für viele werde Mobilität erst nach dem Studium mit dem ersten Job wichtig.

Auch sei bei älteren Fahrschülern die Durchfallquote höher - jüngere bestehen die Prüfung nach Angaben von Quentin eher. „Mit zunehmendem Alter wird die Prüfung nicht mehr so ernst genommen“, sagte Quentin. Beim begleiteten Fahren seien die Zahlen hingegen sehr gut.

Mit seiner Durchfallerquote ist Niedersachsen allerdings im guten Mittelfeld: Bundesweit lag die Quote bei den theoretischen Prüfungen bei knapp 37 Prozent - auch hier war 2017 der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Bei den praktischen Prüfungen lag der Bundeswert bei 28,1 Prozent.


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