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11.01.2019, 17:53 Uhr KOMMENTAR

Frauenfeindliche Politik

Von Klaus Wieschemeyer


Im niedersächsischen Landtag sitzen heute weniger Frauen als noch 2008. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpaIm niedersächsischen Landtag sitzen heute weniger Frauen als noch 2008. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Niedersachsens Landes-SPD will mit einem Paritätsgesetz nach französischem Vorbild mehr Frauen in die Politik bringen. Dabei sollte die Politik sich zunächst frauenfreundlicher aufstellen, meint unser Kommentator.

Es lässt sich trefflich darüber diskutieren, ob ein Paritégesetz das richtige Rezept ist, den Frauenanteil in der Politik zu steigern. Doch allein schon die Debatte ist es wert: Denn sie macht klar, dass der Politikbetrieb es Frauen grundsätzlich nicht einfach macht. Allen Förderprogrammen, Quoten- und Reißverschlussregeln zum Trotz bleibt die Arbeit in Räten und Parlamenten auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland überwiegend Männersache.

Das dürfte auch so bleiben, wenn sich die Mechanismen des Systems nicht grundsätzlich verändern. Solange Politik bereits auf kommunaler Ebene vor allem in zeitraubenden offiziellen und informellen Abend- und Wochenendterminen stattfindet, sind Männer mit einem klassischen Rollenverständnis im Vorteil. Einige Frauen, die sich nicht abschrecken lassen, ernten statt inhaltlichen Austausches und ersehnter Posten hochgezogene Augenbrauen oder müssen sich gar sexueller Belästigung erwehren.

Statt den weiblichen Mitgliedern vermeintlich generös aussichtsarme Listenplätze zuzuteilen, sollten sich die Parteien fragen, warum Politik auf Frauen häufig so abschreckend wirkt. Wenn der jetzige SPD-Vorstoß zu einer breiten Debatte und einer Bewusstseinsänderung führt, wäre unabhängig von einem Paritégesetz viel gewonnen.


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