Verletzungen bis auf die Knochen Landwirtin aus Lingen vor Gericht: Bullen mit Frontlader verletzt

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Rinder in einem Stall. Foto: Andreas Gebert/dpaRinder in einem Stall. Foto: Andreas Gebert/dpa

Osnabrück. Der Zustand der zwei Bullen aus dem Emsland schockierte selbst die erfahrenen Amtstierärzte am Schlachthof in Husum: So etwas hätten sie vorher noch nie gesehen, sagten die beiden übereinstimmend vor dem Landgericht Osnabrück. Eine Landwirtin aus Lingen musste sich hier für die Qualen der Tiere verantworten.

Sie hatte die Bullen beim Verladen im Sommer 2017 so schwer verletzt, dass einer auf der Fahrt zum Schlachthof nach Husum starb und der andere schwer verletzt vor Ort notgetötet werden musste. Das hatte bereits das Amtsgericht Lingen in erster Instanz festgestellt und eine Geldstrafe von 8000 Euro wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verhängt.

"Hysterische Bullen" 

Dagegen ging die Betriebsleiterin in Berufung. Die Verhandlung in Osnabrück ließ aber keine Zweifel daran, was auf dem Hof passiert ist: Etwa 30 Bullen sollten hier verladen werden. Die letzten zwei Tiere hätten sich „ziemlich hysterisch“ verhalten, so die Landwirtin. Ihr Ehemann und ihr Vater berichteten, die Situation mit den zwei mehreren Hundert Kilogramm schweren Bullen sei lebensgefährlich gewesen.

Die Landwirtin setzte sich auf einen Teleskoplader samt Schaufel, um die beiden Tiere doch noch auf den Transporter zu treiben. Dabei verletzte sie die Bullen mit den scharfen Kanten schwer an den Beinen. Bis auf die Knochen hätten die Wunden gereicht, so eine Amtstierärztin aus Schleswig-Holstein. Auf dem Hof will das aber niemand gemerkt haben, sodass die Tiere auf die stundenlange Reise gingen. Es sei kein Blut zu sehen gewesen, so die Landwirtin. 

Durchaus möglich, erklärte eine Gutachterin. Tiefe Verletzungen bedeuteten nicht, dass sofort Blut geflossen sein müsse Erst nach dieser Aussage knickte die Bäuerin ein und räumte ein, dass das Unglück wohl auf ihrem Hof seinen Lauf genommen hat:

„Ich kann es nicht schönreden, das darf nie wieder vorkommen.“ Landwirtin aus Lingen

 Sie zog ihre Berufung zurück. Das Urteil des Amtsgerichts ist damit rechtskräftig. Zuvor war bereits der Fahrer des Transports zu einer Geldstrafe verurteilt worden.  

Das Verfahren ausgelöst hatte die Anzeige der Veterinäre aus dem Kreis Nordfriesland. Im dortigen Rinderschlachthof werden etwa 2000 Tiere pro Woche getötet. Derartig schwer verletzte Tiere seien bislang noch nie dort angeliefert worden, so die Amtstieräzte.

Im vergangenen Jahr hatten Tierrechtler Schockbilder aus einem Schlachthof in Bad Iburg veröffentlicht. Zu sehen waren abgemagerte, geschwächte und teils schwer verletzte Tiere die hier angeliefert und geschlachtet wurden. Der Betrieb ist mittlerweile aufgelöst.

Foto: Michael Gründel

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen schwerer Tierschutzverstöße gegen den Geschäftsführer des mittlerweile geschlossenen Betriebes. Auch die beiden vom Landkreis Osnabrück mit der Überwachung betrauten Tierärzte sind im Fokus der Ermittler. Die Auswertung des Videomaterials ziehe sich allerdings hin, hieß es aus Oldenburg. 

Noch ist offen, ob die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen beispielsweise gegen Landwirte und Viehtransporteure erweitert, die transportunfähige Tiere mutmaßlich illegal nach Bad Iburg geliefert haben. Der Bauernhof in Lingen, so hieß es vom zuständigen Landkreis Emsland, sei vor und nach dem jetzt verhandelten Vorfall nicht negativ in Sachen Tierschutz aufgefallen.


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