Noch ein Betroffener im Krankenhaus Tuberkulose in Schlachthof: Keine neuen Fälle im Landkreis Osnabrück

Von Nadine Grunewald, Corinna Berghahn, Eva Voß und dpa

Röntgenaufnahme einer Lungentuberkulose. Foto: Colourbox.deRöntgenaufnahme einer Lungentuberkulose. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Nach dem Auftreten mehrerer Tuberkulosefälle im Landkreis Osnabrück konnten drei der vier Betroffenen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Neue Fälle hat es nicht gegeben – auch nicht im Landkreis Cloppenburg, wo ein Betroffener gestorben ist.

Am Freitag hatte der Landkreis Osnabrück vier Tuberkulosefälle gemeldet. Die Betroffenen, aus Polen und Rumänien stammende Mitarbeiter eines Schlachthofes, wurden stationär therapiert. Drei von ihnen konnten mittlerweile wieder entlassen werden. Sie werden einem Sprecher des Landkreises zufolge weiter behandelt. 

Bereits am Freitag untersuchte der Gesundheitsdienst Osnabrück auch 115 Kontaktpersonen der Erkranken auf Tuberkulose (TBC). Röntgenaufnahmen zeigten, dass sowohl bei ihnen als auch bei den vier Betroffenen keine ansteckende TBC vorlag.

Keine neuen Fälle

Neue Fälle sind im Landkreis Osnabrück derweil nicht aufgetreten, ebenso wie im Landkreis Cloppenburg. Dort erkrankten drei Mitarbeiter eines Schlachtbetriebes. Einer der Betroffenen ist gestorben, eine Person wird weiterhin stationär behandelt. Außerdem sind in Cloppenburg 96 Kontaktpersonen getestet worden. 55 von ihnen erhielten bereits einen positiven Befund. Weitere Messdaten stehen noch aus. 

Der Test fällt positiv aus, wenn jemand irgendwann im Laufe seines Lebens mit Tuberkulose in Kontakt gekommen ist. „Ein positives Testergebnis bedeutet nicht, dass die Person erkrankt oder ansteckend ist", sagte der Sprecher des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Holger Scharlach. 

Bereits Anfang des Jahres war im Landkreis Cloppenburg ein TBC-Fall gemeldet worden. Einen Zusammenhang zu den neuen Fällen gibt es laut Landkreis nicht. Auch sollen die jetzt aufgetretenen Fälle in den beiden Nachbarkreisen nicht im Zusammenhang stehen, heißt es von einem Sprecher des Landkreises Osnabrück. 

Kein Risiko für den Verbraucher

Von dem im Schlachtbetrieb verarbeiteten Fleisch gehe nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen kein Infektionsrisiko aus. Beim Erhitzen des Fleisches im Rahmen der Zubereitung würden eventuelle Keime abgetötet, sodass ein Risiko für den Verbraucher als äußerst gering einzuschätzen ist, heißt es in einer Stellungnahme des Landkreises Osnabrück vom Freitag. 

Nach Angaben des Landkreises Cloppenburg entscheid der betroffene Betrieb, zur Verbesserung der allgemeinen Hygienesituation und für eine erhöhte Produktsicherheit das Tragen von sogenannten Astrohauben zur Pflicht zu machen. Diese haben einen Mundschutz. Von einer Ansteckung über das Fleisch sei schon deshalb nicht auszugehen, weil dafür acht Stunden direkter Kontakt mit einer infizierten Person Voraussetzung seien. 

Niedersachsenweit 392 TBC-Fälle in 2018 gemeldet

In Niedersachsen wurden dem Landesgesundheitsamt im Jahr 2018 bisher 392 Tuberkulosefälle übermittelt. In den vorherigen Jahren seit 2014 schwankten die jährlichen Fallzahlen zwischen 340 und 405 Fällen. In den vergangenen fünf Jahren gab es laut Landkreis Osnabrück insgesamt neun TBC-Fälle bei Menschen, die Tätigkeiten in der Fleischverarbeitung ausgeübt haben. (Weiterlesen: Rückkehr der Tuberkulose: Eine Betroffene aus der Region berichtet)

So äußert sich die Tuberkulose 

Die Tuberkulose (von lateinisch tuberculum ‚kleine Geschwulst‘) ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die durch verschiedene Arten von Mykobakterien verursacht wird. Sie wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Bei Menschen befällt das Bakterium am häufigsten die Lungen und verursacht eine Lungentuberkulose. Es können aber auch andere Körperteile befallen werden.

Konkrete Krankheitsanzeichen für eine Tuberkulose kann in der Regel nur ein Mediziner einschätzen, mögliche Beschwerden sind beispielsweise Husten, Gewichtsabnahme, leichtes Fieber und Nachtschweiß. 

Rund ein Drittel der Weltbevölkerung soll mit Tuberkulose-Erregern infiziert sein, schätzt das Robert-Koch-Institut. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich etwa neun Millionen Menschen an einer Tuberkulose, etwa 1,4 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an ihren Folgen.




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