Streit um Broschüre „Ene, mene, muh“ AfD warnt vor Politisierung der Kita, andere Parteien sehen darin Populismus

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Klaus Wichmann von der AfD. Foto: Holger Hollemann/dpaKlaus Wichmann von der AfD. Foto: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Sprachpolizei und Genderwahn in der Kita? Die AfD sieht wegen einer Broschüre der Amadeu-Antonio- Stiftung die politisch neutrale Erziehung in Gefahr. Die anderen Parteien weisen das zurück.

Das Beispiel mit den Zöpfen habe er in seiner Kritik ausdrücklich nicht genannt, betont Klaus Wichmann von der AfD-Fraktion. Denn das sei sogar richtig. Dabei hatte die Verkürzung auf die Zöpfe die Aufklärungsbroschüre „Ene, mene, muh – und raus bist Du“ der Amadeu-Antonio- Stiftung erst bundesweit bekannt gemacht. Die Zöpfe kommen in der 60-seitigen Broschüre, die über rechtsextreme und radikale Weltbilder in der Kita aufklären will, nur einmal vor: In einem Fallbeispiel über völkische Familien trägt ein Mädchen Zöpfe: Die Frisur ist nur einer von vielen möglichen Hinweisen auf eine völkische Gesinnung der Eltern. Die Ableitung der Gesinnung von Äußerlichkeiten findet Wichmann problematisch. Anderes aber noch mehr:

AfD warnt vor Kita-Sprachpolizei

„Zu Eltern, die sich darum sorgen, dass ihr Kind umso weniger Bildung erfährt, je mehr Migrantenkinder in der Kita sind, sagt die Broschüre, diese Sorgen sind unbegründet“, sagte er. Wer sich gegen Gender-Mainstreaming ausspreche, gelte als rechtsextrem. Erzieherinnen, die sich sorgten, wenn Migrantenkinder aufgenommen würden, müssten Problemgespräche mit der Leitung führen. Im Kollegenkreis solle eine Sprachpolizei eingerichtet werden. „Glauben Sie wirklich, durch ein Verbot jeglicher Gruppenbenennung wird die Welt nur ein My anders?“, fragte Wichmann. Dies sei ein Versuch, die Kita zu politisieren, sagt er.

Tonne: Demokratiebildung gehört dazu

In einer von der AfD beantragten Aktuellen Stunde im Landtag zum Thema bekam die Partei gestern von allen anderen Parteien Gegenwind. Tenor: Die AfD betreibt puren Populismus, wir hingegen haben volles Vertrauen in die Qualität der Kitas und die Erzieher.

Angesichts menschenfeindlicher Einstellungen in vielen Teilen der Gesellschaft begrüße er pädagogische Fortbildungsangebote, sagte SPD-Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Die Erziehung zu Demokratie, Toleranz und Menschenwürde gehöre ausdrücklich dazu. Zudem wies Tonne die AfD darauf hin, dass der niedersächsische Landtag der komplett falsche Ort für die Debatte sei – immerhin komme die Broschüre vom Bundesfamilienministerium.

Kinderreim für Populisten

Julia Hamburg von den Grünen erinnerte daran, dass die Landes-AfD in der kommenden Woche ein Meldeportal für Schulen starten will. „Sie haben mal wieder deutlich gemacht: Wer Demokratie liebt, wird von Ihnen an den Pranger gestellt“, sagte Hamburg. Mit dem Versuch, die Mitarbeiter einzuschüchtern, „lassen wir sie nicht durchkommen“, sagte Hamburg.

Björn Försterling von der FDP setzte dem „Ene, Mene“-Kinderreim einen eigenen entgegen: „Backe, backe, Empörung, der Populist hat eine Störung. Wer will gute Empörung machen, der muss haben sieben Sachen: Angst und Wut, Lug und Trug, Ausgrenzung und Vorurteil, im Opfertum sucht man sein Heil“, sagte er.


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