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Niedersachsen-Monitor Niedersachsen wächst und gedeiht, doch es gibt auch Schatten

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Niedersachsens Wirtschaft brummt. Foto: Ingo Wagner/dpaNiedersachsens Wirtschaft brummt. Foto: Ingo Wagner/dpa

Hannover. Niedersachsens Statistiker registrieren wachsende Bevölkerung, Wirtschaftsleistung und Steuerkraft. Doch nicht alle profitieren vom Aufschwung.

Niedersachsen geht es im Großen und Ganzen gut: Die Bevölkerung wächst im sechsten Jahr in Folge und steuert mit aktuell 7,96 Millionen Einwohnern Ende 2017 auf die Acht-Millionen-Marke zu. Die Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahr mit 2,5 Prozent schneller als im Bundesschnitt (2,2 Prozent). Die sonnige Konjunktur schlägt sich auch bei sprudelnden Steuern und einer Erwerbstätigenzahl (4,07 Millionen) auf Rekordniveau nieder. Auch die Arbeitslosigkeit sinkt auf 5,8Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch 8,8 Prozent.

Wirtschaft wächst langsamer

Simone Lehmann, Präsidentin des Landesamtes für Statistik, konnte am Freitag bei der Vorstellung des „Niedersachsen-Monitors“ überwiegend erfreuliche Zahlen vorweisen. Doch neben viel Licht ist auch einiges an Schatten dabei: So wuchs das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2018 nur noch um 1,3 Prozent. Damit fällt Niedersachsen hinter den Bundesdurchschnitt von 1,9 Prozent zurück.

Steigende Löhne, mehr Transferempfänger

Und trotz stabiler Konjunktur haben einige Menschen weniger Geld in der Tasche als früher: Die Statistiker verzeichnen von 2015 auf 2016 einen Kaufkraftverlust von einem Prozent gegenüber dem EU-Schnitt, in den Regionen Hannover und Weser-Ems sogar von zwei Prozent. Der Bruttojahresverdienst eines Vollzeitbeschäftigten im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich betrug im vergangenen Jahr im Schnitt 46722 Euro. Das ist mit einem Plus von 2,5 Prozent zwar eine bundesweit überdurchschnittliche Steigerung, gleichwohl liegen die Niedersachsen weiterhin etwa 3000 Euro weniger als im Bundesschnitt. Die gute Arbeitsmarktlage verhindert auch nicht die Zunahme von Transfergeldempfängern: 2017 erhielten knapp 608 000 Menschen in Niedersachsen Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe – das ist ein Anstieg um 0,9 Prozent.

Armutsgefahr groß

In Sachen Arbeitszeit gilt in Niedersachsen weiterhin: Teilzeit ist Frauensache. Vier von fünf Teilzeitbeschäftigten sind weiblich. Von 20 Minijobbern sind 13 Frauen. Auch die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern schließt sich nicht: Im Schnitt verdienen Frauen in Niedersachsen ein Fünftel weniger als Männer.

Auch die Armutsgefährdung bleibt hoch: Als armutsgefährdet gelten Menschen, die mit weniger als 60Prozent des mittleren Einkommens auskommen müssen. Ihre Quote lag im vergangenen Jahr bei 15,8 Prozent und damit leicht (- 0,2 Prozentpunkte) unter dem Spitzenwert von 2016. Die Armutsgefährdungsquote ist in Niedersachsen bei Ausländern mit 41 Prozent besonders hoch (Bundesschnitt 36,2 Prozent). Auch Arbeitslose (55,9 Prozent) und Alleinerziehende (42,1 Prozent) haben ein hohes Risiko, in die Armut abzugleiten.

Zuwanderung sorgt für Bevölkerungsplus

Auch in Sachen Demografie ist nicht alles eitel Sonnenschein: Zwar wuchs die Bevölkerung im Jahr 2017 um 17 090 Männer, Frauen und Kinder. Doch das ist bundesweit unterdurchschnittlich – und auch nicht hausgemacht: Die Zahl der Babys ging 2017 mit 73 020 sogar mit -2,9 Prozent leicht gegenüber dem Vorjahr zurück. Zwar ist das immer noch weit höher als 2012, als nur 61 478 Kinder geboren wurden. Aber: „Der Bevölkerungsgewinn ist ausschließlich mit der Zuwanderung aus dem Ausland begründet, denn es gibt weiterhin ein Geburtendefizit“, sagt Simone Lehmann. Auch das Durchschnittsalter der Niedersachsen steigt weiter: 44,5 Jahre alt ist Durchschnitt, der Anteil der Ab-65-Jährigen betrug im vergangenen Jahr 21,8 Prozent. Damit liegt Niedersachsen über dem Bundesdurchschnitt. Und bei der Binnenwanderung ist Niedersachsen Verlierer: Es zogen 537 Niedersachsen mehr in andere Bundesländer als umgekehrt.

Bei den Einbürgerungen macht sich der Brexit bemerkbar: Mit 672 Personen stellen die Briten hinter den Türken (1208) inzwischen die zweitgrößte Gruppe der Eingebürgerten.


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