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06.12.2018, 18:39 Uhr KOMMENTAR

Warum sich die Wut der Mieter nicht gegen Vonovia richten sollte

Von Michael Clasen


Immobilienboom und Wohnungsnot. Vonovia verlangt 10,53 Euro pro Quadratmeter im Schinkel. Foto: André HavergoImmobilienboom und Wohnungsnot. Vonovia verlangt 10,53 Euro pro Quadratmeter im Schinkel. Foto: André Havergo

Osnabrück. Nach Mieterprotesten will Vonovia weniger modernisieren. Deutschlands größter Wohnungskonzern steht aber zu Unrecht am Pranger. Viele Mieter baden aus, was die Politik falsch gemacht hat. Ein Kommentar:

Die Empörung über Deutschlands größten Wohnkonzern ist groß. Die Proteste gegen drastische Mieterhöhungen sind auch verständlich. Wohnen wird zunehmend zum Luxus. 

Die Zahl der Bürger steigt, die einen immer größeren Teil ihres Einkommens für ein warmes Heim ausgeben müssen. Dieser Trend verschärft sich. Dafür ist der Mangel an Wohnraum zu groß. Faktoren wie Zuwanderung, mehr Einzelhaushalte und steigende Bodenpreise verschärfen die Lage. Als Adressat für die sich aufstauende Wut sind Wohnkonzerne dankbare Ziele, auch wenn sie nicht die Hauptverantwortung für die Misere tragen.

Sicher: Das Krisenmanagement von Vonovia ist unglücklich. Statt auf die Mieter zuzugehen, will der Konzern den Geldhahn zudrehen. Doch Vonovia hat nichts Unrechtes getan, sondern umgesetzt, was politisch gewollt ist. Bauvorschriften, Mietrecht und Fördermaßen sind mit dem Ziel geändert worden, die energetische Sanierung massiv voranzutreiben –ganz im Bewusstsein, Bau- und somit die Wohnkosten ebenso massiv zu erhöhen. Auch wurden Warnungen ignoriert, dass manche Maßnahmen wie die Fassadendämmung kontraproduktiv sein können. Stichwort Dämmwahn: Jetzt wundert sich der Mieterbund, dass die Energieeinsparungen weit geringer ausfallen als gedacht.

Zur Wahrheit gehört also auch, dass viele Mieter eine Serie von politischen Fehlentscheidungen ausbaden.


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