Marodes Neuschwanstein des Nordens Ernst August von Hannover verkauft Marienburg für einen Euro

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Maroder Hingucker: Das Schloss Marienburg zwischen Hannover und Hildesheim. Foto: Holger Hollemann/dpaMaroder Hingucker: Das Schloss Marienburg zwischen Hannover und Hildesheim. Foto: Holger Hollemann/dpa

Pattensen. Die Welfen geben das "Neuschwanstein des Nordens" auf: Die öffentliche Hand übernimmt das marode Schloss Marienburg bei Pattensen. Der Erbprinz spricht von einer historischen Zäsur, die Opposition schäumt.

Ernst August von Hannover junior (35) verkauft das Schloss Marienburg bei Hannover an die öffentliche Hand. Eine Immobilientochter der landeseigenen Klosterkammer übernimmt für einen symbolischen Euro die 1867 gebaute Sommerresidenz der Welfen auf dem Marienberg in Pattensen im Landkreis Hildesheim. Am Donnerstag verkündeten der Erbprinz und Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU) die Einigung im Großen Rittersaal des Schlosses.

Sanierung soll 27 Millionen Euro kosten

Der Adlige sprach von einer "historischen Zäsur" für die Welfen. Die Familie könne das marode Gebäude mit seinen 135 Zimmern allerdings nicht mehr länger halten: Die Sicherung des Schlosses "überfordert meine Möglichkeiten bei weitem", begründete er den Ausstieg. Das Kulturministerium beziffert den Sanierungsbedarf auf 27 Millionen Euro, wovon die Hälfte vom Bund zugesagt ist. Vor allem ein Hang am Fuß des Gebäudes muss wohl schnell saniert werden. 

Das Landesmuseum in Hannover kauft für zwei Millionen Euro rund hundert Kunstwerke von den Welfen, weitere 1700 Gegenstände im Wert von sechs Millionen Euro will Ernst August in eine Stiftung einbringen, deren Vorsitzender er werden soll. Ziel: Das Schloss soll samt Inventar für die Bevölkerung zugänglich bleiben. Die sei ihm eine "Herzensangelegenheit", sagte der Welfe. 

Allerdings fehlen heute bereits große Teile des Inventars: 2005 hatte die Familie mit einer Auktion auf dem Schloss 44 Millionen Euro eingenommen - davon sei allerdings schon damals viel in Schuldentilgung und die Sanierung geflossen, sagte Ernst August.

Andere Adlige übernehmen Gastronomie

„Das erklärte Ziel aller Beteiligten war und ist es, das Gesamtkunstwerk Schloss Marienburg als Kulturdenkmal und Erinnerungsort mit großer Bedeutung für die niedersächsische Landesidentität dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen“, betonte auch Thümler. Dazu gehöre auch, dass bald mit den Sicherungen und Sanierungen an dem Gebäude beginnen sollen. 

Auch der Gastronomiebetrieb geht von den Welfen in neue Hände: Bereits zum 1. Januar 2019 sollen die 60 Mitarbeiter von den neuen Pächtern übernommen werden. Die Gastronomen Gastronomen Carl Graf von Hardenberg und Nicolaus von Schöning haben einen Zehn-Jahres-Vertrag unterschrieben. Beide Familien betreiben bereits Gastronomie und Hotellerie in Niedersachsen und gaben sich zuversichtlich, den Betrieb mit Besucherbewirtung und Veranstaltungen profitabel führen zu können: So sind  für das kommende Jahr bereits 30 Trauungen in dem Rittersaal angemeldet. 

Deal auf Kosten der Steuerzahler?

Die Opposition im Landtag kritisierte den Beschluss scharf, den mit dem Landesparlament sei der Haushaltsgesetzgeber bei der übergangen worden. Der Grünen-Haushaltsexperte Stefan Wenzel sprach von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion", die im Haushaltsausschuss aufbereitet werden müsse. Denn nicht das Land, sondern der Eigentümer sei für die Instandhaltung denkmalgeschützter Immobilien zuständig. Die FDP-Abgeordnete Susanne Schütz sprach von einem "Affront gegen das Parlament". Der Steuerzahler bleibe auf den Kostenrisiken des "Deals" zwischen Landesregierung und Erprinz sitzen. 

Erbprinz will in Deutschland bleiben

Thümler wies die Vorwürfe zurück. Auch sei nicht die Zahlungsfähigkeit des Hauses Hannover Grundlage für das Engagement des Landes, sondern die nationale Bedeutung der Marienburg. "Ich habe jetzt keine Konteneinsicht bei Ernst August von Hannover genommen", sagte er. Zudem hätten andere Länder für die Schlösser Salem (Baden-Württemberg) und Erbach (Hessen) Millionensummen gezahlt. 

Das wegen seines neugotischen Baustils auch "Neuschwanstein des Nordens" genannte Schloss war von König Georg V. von Hannover für seine Ehefrau Marie an einem Berghang in der Nähe des früheren Stammhauses des Adelsgeschlechts gebaut worden. Marie lebte aber nur kurz auf dem Schloss und ging 1867 ins Exil. Das Schloss blieb aber im Besitz der Welfen. 2004 übertrug Ernst August von Hannover senior das Schloss an seinen Sohn. 

Der wohnt seit 2011 mit seiner Familie in einem Palais in der Nähe des Schlosses Herrenhausen in Hannover. Trotz des Verkaufs wolle die Familie weiterhin in Hannover bleiben. Auf eine entsprechende Reporterfrage mit einem deutlichen: "Absolut!"




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