Raubtier soll Gärtner angegriffen haben Der Biss von Steinfeld: Der mutmaßliche Wolfsangriff und die Folgen

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Foto: dpa/Carsten RehderFoto: dpa/Carsten Rehder

Tarmstedt. Ist jetzt genau das passiert, wovor Wolfsgegner schon lange warnen? Ein Raubtier soll im Landkreis Rotenburg in Niedersachsen einen Menschen gebissen haben. Bestätigt sich der Verdacht, könnte das ein Wendepunkt in der Debatte um den Wolf sein.

Etwas abseits liegt der Friedhof in der Ortschaft Steinfeld. Vögel zwitschern, Generatoren brummen. Fernsehteams haben hier ihr Lager aufgeschlagen und berichten zum Teil seit den frühen Morgenstunden. 

Foto: Dirk Fisser

Warum? Weil hier am Dienstag ein Gärtner von einem Wolf gebissen worden sein soll. Es wäre der erste dokumentierte Angriff eines Wolfes auf den Menschen, seit der Rückkehr des Raubtieres nach Deutschland. 

Friedrich Schmätjen lebt in Sichtweite des Friedhofs. Ja, von Wolfssichtungen sei immer wieder die Rede im Dorf gewesen, erzählt der Reiseunternehmer. Kein Wunder, die Gegend ist das ideale Revier für die Raubtiere. „Hier gibt es weite Moorflächen und wenig Menschen.“ Teile des Waldes, aus dem der vermeintliche Wolf gekommen sein soll, gehören Schmätjen. (Weiterlesen: "Wölfe, die sich an Menschen gewöhnen sind ein Problem" – Robert Habeck im Interview)

Foto: Dirk Fisser

 „Da geht man jetzt natürlich mit einem mulmigen Gefühl rein. Manchmal habe ich ja auch meine Enkel mitgenommen…“, setzt er an und führt den Gedanken nicht zu Ende. Unsicher fühlen sie sich jetzt hier. 

In etwa zehn Kilometer Entfernung sitzt Frank Holle in seinem Bürgermeisterbüro. Steinfeld ist Teil der Samtgemeinde Tarmstedt. Seit mehr als zehn Jahren ist Holle hier jetzt Bürgermeister. So etwas hat er in all der Zeit aber auch noch nicht erlebt. Hier ein Zeitungsinterview, da Schnittbilder für ein Fernsehteam. Immer und immer wieder sagt der CDU-Politiker: 

„Bis jetzt ist es nur ein Verdacht.“

Da hat er Recht. Der eindeutige DNA-Nachweis dafür, dass es sich bei dem Angreifer um einen Wolf handelte, steht noch aus. Möglicherweise war es ja doch nur ein Hunderudel, das am Dienstag um den Friedhof streunerte.

Aber Holle sagt andererseits auch, dass er keine Zweifel an den Schilderungen seines Mitarbeiters habe. Auch andere Dorfbewohner lassen nichts auf den Gemeindemitarbeiter kommen. „Das ist ein feiner Kerl, eine ehrliche Haut“, heißt es. 

Was der Gärtner der Polizei zu Protokoll gab, hat es in sich: Am Dienstag sei er mit der Reparatur eines Zaunes am Friedhof beschäftigt gewesen, als ihn ein – nach seiner Meinung – Wolf in die Hand gebissen habe. Drei weitere Tiere hätten den Angriff aus der Ferne beobachtet. Der 55-Jährige habe sich mit einem Hammer gewehrt und sei in sein Auto geflüchtet.

Die Polizei stellte den Wolfsangriff in ihrer Pressemitteilung als Tatsache dar. Die Samtgemeinde und die niedersächsische Landesregierung versuchen seitdem zu relativieren: Noch sei nichts bewiesen, abwarten!

DNA-Untersuchungen laufen

Experten rückten an und sicherten Spuren. Ganz so wie bei einem richtigen Verbrechen. Der Pullover des Mannes wurde sichergestellt, der Hammer eingepackt und Haarproben genommen. Per Kurier ging das Material an ein Labor, das DNA-Untersuchungen vornehmen soll. „Wir hoffen, dass es gelingt, verwertbares Material aus den sichergestellten Gegenständen zu isolieren und dann auszuwerten“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover.

Ergebnisse sollen Mitte der kommenden Woche vorliegen. War es ein Wolf, dann bedeutet der Nachweis vermutlich sein Todesurteil. Schon einmal gab es in Niedersachsen ein Raubtier, das Menschen zu nahe kam. Kurti wurde das Tier genannt. Der damals noch amtierende Minister Stefan Wenzel (Grüne) ordnete den Abschuss an. Kurti steht heute ausgestopft in einem Museum.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wenzels Nachfolger Olaf Lies (SPD) ließ in Interviews bereits durchblicken, dass er wohl ähnliches anordnen werde, wenn sich der Verdacht bestätigt. Und wenn nicht? Denn noch ist unklar, ob überhaupt DNA zum Untersuchen gefunden werden kann. Die Spurenlage sei schwierig, heißt es. Möglicherweise wird der Biss von Steinfeld also nie zweifelsfrei aufgeklärt. Gegenmaßnahmen haben sie hier trotzdem schon ergriffen: Vorläufig bleiben die Straßenlaternen länger an. 

Foto: Dirk Fisser



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