Wer hat die Erwartungen erfüllt? So ist es den NOZ-Hoffnungsträgern 2018 ergangen

Von Erhard Böhmer

Zehn Menschen aus Stadt und Landkreis Osnabrück sowie dem Emsland hat die Redaktion zu "Hoffnungsträgern 2018" gekürt. Was ist aus ihnen geworden? Haben sie die Erwartungen erfüllt? Montage: Sascha Nabrotzky/NOZZehn Menschen aus Stadt und Landkreis Osnabrück sowie dem Emsland hat die Redaktion zu "Hoffnungsträgern 2018" gekürt. Was ist aus ihnen geworden? Haben sie die Erwartungen erfüllt? Montage: Sascha Nabrotzky/NOZ

Osnabrück. Schauspielerin, Musikmanager und NBA-Basketball-Profi: Die NOZ hat vor knapp einem Jahr zehn Menschen aus Stadt und Landkreis Osnabrück sowie dem Emsland zu Hoffnungsträgern gekürt. Wer steht vor dem Durchbruch? Wer gewinnt an Bedeutung? Das war die Ausgangslage - nun ist es Zeit, Bilanz zu ziehen.

Merle Collet: Glück im Spiel – und in der Liebe

Foto: Elena Zaucke

Sie hat eine eigene Serie bekommen und mit bekannten Schauspielern zusammengearbeitet – besser konnte das Jahr 2018 für Merle Collet gar nicht laufen. Die gebürtige Lingenerin, Jahrgang 1986, kann ihr Glück darüber noch gar nicht fassen. Seit Oktober ist die Schauspielerin in der Fiction-Webserie „Klicknapped“, die Radio Bremen zusammen mit MDR Sputnik produziert, auf Youtube zu sehen. Einst noch in eher „seichten Liebesfilmen“ besetzt, spielt Merle Collet nun die Hauptrolle in einer Serie, die eine Mischung aus Thriller und Horror ist. Und auch in Dramen hat sie 2018 mitgewirkt. Höhepunkt war für Collet die Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter „Tatort“-Kommissar Felix Klare im Film „Weil sie mir gehört“. So kann es weitergehen, sagt die Schauspielerin, deren persönliches Highlight jedoch ein anderes war: Im Sommer hat sie ihren langjährigen Freund geheiratet. (Julia Mausch)

Albert Schulte to Brinke: Bauernpräsident in turbulenten Zeiten

Foto: Michael Gründel

Albert Schulte to Brinke dürfte gleich im ersten Jahr seiner Amtszeit als Landesbauernpräsident gemerkt haben, dass es leichtere Ehrenämter in Niedersachsen gibt. In seinem Job als Landvolk-Präsident ging es 2018 vor allem darum zu reagieren: auf den Dürre-Sommer, auf Schlachthof-Skandale oder zuletzt auf das Unverständnis der Gesellschaft beim Thema Ferkelkastration. Eigene Akzente konnte der Bad Iburger dabei bislang kaum setzen. Ein Unterschied lässt sich aber doch feststellen: Anders als sein Vorgänger verzichtet der 62-Jährige weitgehend auf Holzhammer-Lobbyismus. Er setzt mehr auf die Kraft der Argumente. Stets ruhig und sachlich trägt er die Belange seines Berufsstandes vor, verzichtet dabei anders als andere Bauernpräsidenten weitgehend auf Populismus. Ob das nach innen hin besser ankommt und nach außen hin erfolgreicher ist, wird sich noch zeigen müssen. (Dirk Fisser)

Christian Neidhart: Auf und Ab mit dem SV Meppen 

Foto: Werner Scholz

In seiner ersten Saison mit dem SV Meppen in der 3. Liga hat Trainer Christian Neidhart die Erwartungen mehr als erfüllt. Von manchen vermeintlichen Experten als Abstiegskandidat Nummer eins eingestuft, schlossen die Fußballer im vergangenen Mai die Spielzeit als bester Aufsteiger auf Platz sieben ab. Nach 19 Jahren Abstinenz vom bezahlten Fußball und mit 27 Punkten Abstand auf den ersten Abstiegsplatz. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt erfüllte Neidhart mit Bravour. Daneben beendete der 50-Jährige den neunmonatigen Fußballlehrer-Lehrgang in Hennef erfolgreich. Im April verlängerte Neidhart seinen Vertrag vorzeitig bis 2021. Wobei die Vereinbarung nur für die 3. Liga und die 2. Bundesliga gilt und nicht für die Regionalliga. Dass der Fußball schnelllebig ist, zeigt sich in der zweiten Saison. Aktuell ringt der SV Meppen als Drittletzter mit zwei Punkten Rückstand um den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze. Nun gehen die Fans mit der Hoffnung in das neue Jahr, dass Meppen Drittligist bleibt und Neidharts Erfolgsära nicht im kommenden Mai zu Ende geht. (Dieter Kremer)

Alexander Bonde: Umweltschützer von Berufs wegen

Foto: Michael Gründel

Eine Bilanz nach noch nicht einmal einem Jahr zu ziehen fällt besonders schwer, wenn es sich um die Führung einer Stiftung handelt, deren Rahmenbedingungen sie eher zum Tanker denn zum Schnellboot machen. Alexander Bonde hat sich schnell in seine neue Rolle als Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hineingefunden, wobei dem ehemaligen Grünen-Politiker sicherlich seine Erfahrung als Minister für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg zugutekam. Was dem gebürtigen Freiburger sicherlich noch zu einem absoluten regionalen Hoffnungsträger fehlt, ist die starke Verbindung mit Osnabrück und Umgebung. Dafür spielt auch die Musik in der Umweltpolitik zu sehr in Berlin, Brüssel und anderswo in der Republik und Europa. Und auch ist dem DBU-Generalsekretär zugutezuhalten, dass in einem Jahr mit Diesel-Skandal und Feinstaub-Problemen die nachhaltige Umweltpolitik an der Basis nicht immer im Scheinwerferlicht stand. (Ralf Geisenhanslüke)

Christian Fühner: Landtagspolitiker mit Bodenhaftung

Foto: Thomas Pertz

Christian Fühner ist nicht in die Fußstapfen von Heinz Rolfes getreten, vielmehr hat der 31-jährige Lingener in Hannover und in seinem Wahlkreis als Nachfolger des langjährigen CDU-Landtagsabgeordneten inzwischen eigene Spuren hinterlassen. Der gelernte Bankkaufmann und Berufsschullehrer hat das eine Jahr genutzt, um im politischen Betrieb der Landeshauptstadt Fuß zu fassen, ohne aber die Bodenhaftung in der Region zu verlieren. Im emsländischen Kreistag und im Lingener Stadtrat ist Fühner weiterhin präsentiert. In regelmäßigen Bürgergesprächen hat er nicht gleich für jedes Problem eine Lösung parat. Einfach mal zuzuhören als erster Schritt zu einer möglichen Lösung kann Politikverdrossenheit aber auch entgegenwirken. Fühner hat die CDU im Kreisverband Emsland neu aufgestellt. Die Mitgliederzahlen steigen nicht nur, aber auch wegen ihm. Als Abgeordneter macht der Jungpolitiker im Übrigen immer noch einen geerdeten Eindruck. Natürlich ist er im Landtag präsent. Aber auch bei der Vorstandsfete des Schützenvereins St. Hubertus in Holthausen, dessen König er 2016 war. (Thomas Pertz)

Susan Wache: Ein Start-up etabliert sich

Foto: Michael Gründel

Ein aufregendes Jahr liegt hinter Susan Wache und dem „Feelspace“-Team. Wache ist einer der drei Gründerinnen des Osnabrücker Start-ups „Feelspace“. Zusammen mit Silke Kärcher und Jessika Schwandt hat sie ein Navigationsgerät entwickelt, das durch Vibrationen funktioniert. Vor allem Menschen mit einer Sehbehinderung soll der Gürtel im Alltag helfen. Aber auch für Outdoor-Aktivitäten wie Fahrradfahren ist er geeignet, ohne auf einen Bildschirm schauen oder einen Touchscreen bedienen zu müssen. In diesem Jahr ist es dem Team gelungen, den Gürtel unter Blinden und Sehbehinderten bekannter zu machen. Auch die Fernsehsender RTL, Kika und der MDR haben über die Erfindung berichtet. Zum ersten Mal übernahm zudem eine Krankenkasse die Kosten des Gürtels für einen Patienten. Außerdem entwickelte das Team den Gürtel weiter: Er ist nun nicht nur mit dem Android-Betriebssystem kompatibel, sondern auch mit dem iPhone bedienbar. (Olga Zudilin)

Isaiah Hartenstein: Der hart erarbeitete Traum

Foto: Rolf Kamper

In einem Interview mit unserer Redaktion im Juli 2017 antwortete der Basketballer aus Quakenbrück auf die Frage, wie sicher er sei, eines Tages in der NBA zu spielen: „120 Prozent. Seit ich klein bin, träume ich davon und arbeite dafür.“ Der mittlerweile 20-Jährige hat Wort gehalten. Im Sommer unterschrieb er nach einem Lehrjahr in der Entwicklungsliga der NBA seinen ersten Vertrag bei den Houston Rockets. Das sollte aber längst nicht alles sein. Mit harter Arbeit verdiente er sich einen Platz im Kader des Topteams aus Texas und bekommt seit Saisonbeginn regelmäßig Einsatzzeiten in der besten Liga der Welt. Von Teamkollegen, Fans und der Öffentlichkeit wird Hartenstein für seine große Kampfkraft geschätzt. Seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. (Malte Schlaack)

Helgo Feige: Mit Entengrütze gegen Abgase

Foto: Jörn Martens

Der Traum von Helgo Feige lebt weiter. Das Jahr 2018 war für seinen Symbiofilter zwar noch nicht der ganz große Durchbruch zur Praxisanwendung, aber auf alle Fälle ein weiterer Schritt nach vorn. Auf der Landesgartenschau in Bad Iburg präsentierte der Diplom-Biologe in Diensten der Bramscher Firma Aqualight sein Projekt, bei dem Algen und Pflanzen, namentlich Entengrütze, Schadstoffe aus der Luft und aus dem Wasser filtern. Die vielen tausend Besucher staunten über die Anlage und über die einfache Grundidee. Zu viel Abgase in Städten, belastetes Wasser durch Gülle oder stinkende Luft neben Schweinemastanlagen: Ein Filter aus Entengrütze, Algen und Bakterien soll in Zukunft eine Lösung für all diese Probleme bieten. Landtagsabgeordnete der SPD und der CDU nahmen die zweite Modellanlage am Bramscher Klärwerk in Augenschein, viele Medien griffen das Thema auf. Biotüftler Feige, der Algen und Pflanzen seine „Mikrokumpel“ nennt, wird auch 2019 weiterforschen. (Heiner Beinke)

Gerald Oppermann: Musikbotschafter aus Osnabrück

Foto: Timezone PR

Bei Timezone Records blickt Gerald Oppermann auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Holger Gechter hat der Gründer des Osnabrücker Independent-Labels und Tonträgervertriebs dafür gesorgt, dass der gute Ruf des Unternehmens immer häufiger auch im Ausland registriert wird. Ob französische Chanson-Musiker, italienische Jazzer oder angloamerikanische Songwriter – die Palette der Künstler, die bei Timezone unter Vertrag sind, ist enorm und bunt. Stolz ist Oppermann darauf, dass es mit „Kensington Road“ eine Rockband aus Berlin in den deutschen Charts auf Platz 30 geschafft hat. „Jede Woche werden bei Timezone drei bis sieben neue Alben veröffentlicht – mehr als 2000 Releases in den vergangenen zehn Jahren“, sagt Oppermann. Weil CDs jedoch in Zukunft nur noch eine geringe Rolle spielen würden, haben Oppermann und Gechter sich ein neues Produkt ausgedacht und beim Patentamt angemeldet: „Smart Record“. Es sieht aus wie ein hochwertiges Hochglanz-Booklet, enthält aber statt eines Tonträgers nur noch Download-Codes und direkte Zugänge zu Artist-Pages und Streaming-Portalen. Man darf gespannt sein, wie sich diese spannende Idee am Markt entwickelt. (Marcus Tackenberg)

Barbara Havliza: Die rührige Justizministerin

Foto: Gert Westdörp

Justizminister gehören in Landesregierungen gewöhnlich zu den Leisetretern, die nur dann ins öffentliche Licht gezerrt werden, wenn ein Häftling aus dem Gefängnis ausrückt. Weil mit der Wallenhorsterin Barbara Havliza Ende 2017 auch noch ein Politneuling den Posten in Niedersachsen übernahm, waren die Erwartungen überschaubar. Ein Jahr später gehört die frühere Richterin zu den Aktivposten der Regierung Weil. Kürzlich fiel die 60-Jährige mit einem geplanten Verbot religiöser Symbole für Richter und Staatsanwälte auf. Doch auch jenseits großer Schlagzeilen hat Havliza bereits etwas bewegt: Neue Stellen für Richter, Staatsanwälte, Gerichtswachtmeister und JVA-Beamte sind beschlossen. Ebenso gibt es Geld für mehr Sicherheit in Gerichten und Gefängnissen. (Klaus Wieschemeyer)


Wer ist Ihr Hoffnungsträger für 2019?

Wer wird kommendes Jahr positiv auffallen und besonders erfolgreich sein? Bis morgen, 12 Uhr, können Leser ihre Vorschläge für die Aktion „Hoffnungsträger 2019“ mit einer kurzen Begründung per Mail an die Adresse aktion@noz.de senden. Nominiert werden können Frauen und Männer aus Landkreis und Stadt Osnabrück sowie dem Emsland in den Kategorien Politik und Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft sowie Sport. Die Redaktion richtet dabei ausdrücklich den Blick nach vorne, will wissen, wer im neuen Jahr positive Schlagzeilen machen wird. 

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN