Philologentag am Mittwoch Philologen: Förderschulen für Lernschwache sollen bleiben

Von dpa

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Die Gymnasiallehrer in Niedersachsen sind dagegen, dass die Förderschulen für lernschwache Kinder abgeschafft werden sollen. Symbolfoto: dpaDie Gymnasiallehrer in Niedersachsen sind dagegen, dass die Förderschulen für lernschwache Kinder abgeschafft werden sollen. Symbolfoto: dpa

Goslar. Inklusion ja -– aber nicht ohne Alternative, meint der Philologenverband. Die Gymnasiallehrer in Niedersachsen sind dagegen, dass die Förderschulen für lernschwache Kinder abgeschafft werden sollen.

Förderschulen für lernschwache Kinder sollen nach dem Willen des Philologenverbands Niedersachsen dauerhaft erhalten bleiben. Der Vorsitzende Horst Audritz appellierte an die Landesregierung, die mehr als 60 Einrichtungen nicht wie geplant vollständig abzuschaffen. "Die uneingeschränkte inklusive Beschulung lernschwacher Kinder ist problematisch", sagte Audritz vor dem Philologentag 2018, der am Mittwoch in Goslar beginnt.

In Niedersachsen wurde die inklusive Schule zum Schuljahresbeginn 2013/2014 eingeführt. Nach Angaben des Kultusministeriums besuchen inzwischen mehr als 43.000 Jungen und Mädchen mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine allgemeinbildende öffentliche Schule – das sind 64 Prozent.

Nach der Grundschule gehen 22 Prozent der förderbedürftigen Kinder zu einer Oberschule, 19 Prozent zu einer Gesamt-, 10 Prozent zu einer Haupt- und jeweils 3 Prozent zu einer Realschule oder zu einem Gymnasium. Ein Großteil dieser Jungen und Mädchen hat Förderbedarf im Bereich Lernen. 

Audritz: Eltern Wahlfreiheit lassen

"Eine hohe Inklusions-Quote sagt nichts aus über die Qualität der Beschulung", sagte Philologenchef Audritz. Lernschwachen Kindern, die zum Gymnasium gehen, sei mit dem Grundsatz "Dabeisein ist alles" jedenfalls nicht gedient. "Die Klassen sind größer als an Förderschulen und es gibt weniger Lehrkräfte."

Der Philologenverband steht nach Worten von Audritz grundsätzlich hinter der Zielsetzung der UN-Konvention, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe zu gewährleisten. Das bedeute aber nicht zwangsläufig die Abschaffung von Förderschulen. "Wenn man dem Grundprinzip des Kindeswohls folgt, sollten Eltern die Wahlfreiheit haben, ob sie ihre Kinder auf eine Regel- oder eine Förderschule schicken", sagte Audritz.

"Man tut Eltern und Kindern damit keinen Gefallen."Horst Audritz

Dass die Förderschulen für lernschwache Kinder – anders als die für Jungen und Mädchen mit Sprachschwierigkeiten, geistiger Behinderung, Seh-, Hör- oder Verhaltensproblemen – bis 2028 vollständig abgeschafft werden sollen, sieht der Philologenverband mit Sorge. "Man tut Eltern und Kindern damit keinen Gefallen."

"Wenn lernschwache Schüler im Extremfall zum Gymnasium angemeldet werden und dort nie mitkommen, haben sie keine Chance, einen Schulabschluss zu machen", meint der Philologen-Vorsitzende. Es sei eine Illusion, dass lernstarke Kinder den schwächeren wie selbstverständlich helfen würden.

Beim Philologentag in Goslar wollen sich rund 300 Delegierte auch mit anderen aktuellen Bildungs- und berufspolitischen Themen befassen. Unter anderem geht es um eine Verringerung der Arbeitsbelastung für Gymnasiallehrer, Funktionsinhaber und Schulleitungen. Im Philologenverband sind mehr als 8000 Lehrkräfte organisiert, die vorwiegend an den gut 260 staatlichen und privaten Gymnasien in Niedersachsen unterrichten.


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