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07.11.2018, 18:16 Uhr TIERSCHUTZ BEI ALLEN TIERWOHL-DEBATTEN VERGESSEN?

Kommentar zu Skandalbildern: Wir müssen reden!

Kommentar von Dirk Fisser

Aufnahmen aus dem mittlerweile geschlossenen Betrieb in Bad Iburg. Foto: Soko TierschutzAufnahmen aus dem mittlerweile geschlossenen Betrieb in Bad Iburg. Foto: Soko Tierschutz

Osnabrück. Viel ist in den vergangenen Jahren über das Tierwohl geredet worden? Ist dabei der grundsätzlichere Tierschutz aus den Augen verloren worden? Ein Kommentar zu Skandalbildern aus Schlachthöfern.

Die Landesregierung geht davon aus, dass weitere Skandalbilder aus Schlachthöfen veröffentlicht werden, weil in weiteren Betrieben Kameras installiert waren. Das heißt aber auch: Die Regierung geht davon aus, dass in weiteren Schlachthöfen derartige Missstände vorherrschen. Was für ein Misstrauensvotum! Und was für ein Eingeständnis des staatlichen Versagens. Denn es wäre Aufgabe der Kontrollbehörden, Tierqual zu unterbinden.

Die Debatten drehten sich zuletzt um den Kunstbegriff Tierwohl. Sprich: Wie kann man Schweinen, Hühnern und Rindern das Leben im Stall angenehm gestalten. Veröffentlichungen von Tierrechtlern und Wissenschaftlern zeigen, dass wir über den viel grundlegenderen und verfassungsrechtlich verbürgten Tierschutz reden müssen. In Schlachthöfen aber auch auf den Bauernhöfen. Deutschland hat hier ein Problem.

Es reicht nicht aus, allein auf die reinigende Wirkung des sogenannten Strukturwandels zu setzen, sprich: Bauern, die es nicht können, werden schon irgendwann aufgeben. Bis das so weit ist, ist der Ruf der Branche ruiniert. Und es reicht auch nicht aus, unangemeldete Kontrollen der Schlachtbetriebe anzukündigen. Das Personal in den Veterinärbehörden gehört so weit aufgestockt, dass der Staat seiner Verantwortung für die Tiere dauerhaft gerecht wird.

All das ist unbequem, aber ist im Sinne derjenigen, die ihre Arbeit ordentlich machen.


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