Flüssiggas für Norddeutschland LNG-Wettlauf: Weil will bei Scheuer um Niedersachsen-Terminal werben

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Moderne Schiffe wie die gerade fertiggestellte AIDA Nova sind dank LNG umweltfreundlicher als Schiffe mit herkömmlichen Antrieb. Foto: Daniel Gonzales-TepperModerne Schiffe wie die gerade fertiggestellte AIDA Nova sind dank LNG umweltfreundlicher als Schiffe mit herkömmlichen Antrieb. Foto: Daniel Gonzales-Tepper

Hannover. Jahrzehntelang wurde ergebnislos über ein deutsches Nordsee-Terminal für Flüssiggas debattiert. Nun könnte es schnell gehen – dabei bekommt Niedersachsen neue Konkurrenz.

Niedersachsens Landesregierung wirbt beim Bund um Förderung für ein oder zwei Terminals für Flüssiggas (LNG) im Land. In den kommenden Wochen sei ein Treffen von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angesetzt, sagte ein Vertreter des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums am Dienstag im Hafenausschuss des Landes in Hannover. Das Verkehrsressort könnte Fördermittel für den Ausbau geben. Gleichzeitig werbe Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann „sehr intensiv“ bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) und den maritimen Koordinator der Bundesregierung Norbert Brackmann um eine Förderung in Niedersachsen. Derzeit sind solche Projekte in Wilhelmshaven und Stade geplant. Derzeit arbeitet das Wirtschaftsministerium an einer Finanzierung für eine LNG-Koordinierungsstelle beim maritimen Kompetenzzentrum Leer.

Altmaier: Großes Interesse an Terminal

Altmaier hatte angekündigt, noch in diesem Jahr entsprechende Projekte zu fördern. „Aus Sicht der Bundesregierung hat LNG einen hohes Potential für die maritime Wirtschaft. Verflüssigtes Erdgas kann auf Jahre und Jahrzehnte hinaus eine wichtige Rolle als Treibstoff für die See- und Binnenschifffahrt spielen“, erklärte ein Sprecher Altmaiers gegenüber unserer Redaktion. Außerdem könne „LNG die deutsche Gasversorgung diversifizieren und die Versorgungssicherheit weiter erhöhen“, ergänzte er. „Die Bundesregierung hat großes Interesse daran, dass in Deutschland ein LNG-Terminal entsteht“, schließt er.

USA werben in Deutschland

Lange zeigte der Bund wenig Interesse, den nahen europäischen Terminals in Rotterdam und Swinemünde Konkurrenz zu machen, zumal LNG deutlich teurer ist als Pipeline-Gas und insbesondere das Großterminal in den Niederlanden nicht ausgelastet ist. Doch die Lage hat sich geändert: Zum einen gilt LNG als emissionsarmer Treibstoff für Schiffe wie der AIDA Nova. Gegenüber herkömmlichen Antrieben können bis zu 80 Prozent der Stickstoffemissionen eingespart werden. 

Zum anderen hat sich die geopolitische Lage verändert: Die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas ist insbesondere den USA ein Dorn im Auge. US-Botschafter Richard Grenell und der US-amerikanische Vizeenergieminister Dan Brouillette warben in Berlin aktiv um den Export von US-amerikanischen Fracking-Erdgas nach Europa. 

Wilhelmshaven plant seit 1972

In Niedersachsen sind zwei Standorte an einem Terminal interessiert, Wilhelmshaven und Stade. In Wilhelmshaven wird bereits seit 1972 am Thema gearbeitet. Die Vorteile: Der Hafen ist tideunabhängig, es gibt einen Anschluss ans Gasnetz und große Gasspeicher und Teilgenehmigungen für ein 84 Hektar-Areal. Es gibt Interessenten, aber bislang keinen Investor: Zuletzt hatte im September die Eon-Abspaltung Uniper Interesse an einem schwimmenden Terminal mit einem Jahresvolumen von 10 Milliarden Kubikmetern angemeldet. „Hier finden aktuell Gespräche mit der Landesregierung statt“, sagte der Ministeriumsvertreter. 

Konkurrenz aus Brunsbüttel und Rostock

Als zweiter niedersächsischer Standort hat sich vor kurzem Stade ins Spiel gebracht. Das dortige Chemiewerk von Dow verfügt als Großenergieverbraucher bereits über einen Gasnetzanschluss, einen Hafen und viel Prozess-Abwärme. Eine Projektgesellschaft gibt es schon, und durch die vorhandene Infrastruktur könnte bereits ab Ende 2020 gebaut werden, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. 

Das wäre auch langsam Zeit, denn die Konkurrenz schläft nicht: Schleswig-Holstein hat mit Brunsbüttel ebenfalls einen möglichen Standort im Rennen und bekommt Rückenwind aus Hamburg und Berlin. Und mittlerweile hat auch Mecklenburg-Vorpommern einen Investor für ein LNG-Terminal in Rostock aufgetan. 

„Den Spaten im Schrank“

Trotz der Konkurrenz ist man in Niedersachsen zuversichtlich: Zum einen hat Altmaiers Ministerium gegenüber unserer Redaktion erneut klargestellt, dass man sich nicht festlegt und es auch nicht bei einem Standort bleiben muss. Zum anderen hält die Landespolitik die eigenen Bewerber für perfekt: „Die reinen Fakten sprechen für unsere Standorte“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Santjer im Hafenausschuss des Landtags. Nun gehe es um gute Kommunikation, sagt der CDU-Hafenpolitiker Bernd-Carsten Hiebing: „ Wir müssen gegenüber Berlin deutlich machen, warum unsere Standorte gut sind. Und zwar beide.“ Nun wollen beide Groko-Fraktionen einen FDP-Antrag zum gleichen Thema übernehmen und durch den Landtag bringen. Der FDP-Vertreter Jörg Bode wunderte sich über die euphorischen Ankündigungen aus dem Wirtschaftsministerium. „Ich freue mich, dass Sie bereits einen Spaten im Schrank haben“, sagte er.  


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