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Häufung der Beben wird untersucht Mehrere Erdbeben im Landkreis Cloppenburg an derselben Stelle "ungewöhnlich"

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Ist die Erdgasförderung schuld an den Erdbeben in Niedersachsen? Das wird jetzt untersucht. Symbolfoto: dpaIst die Erdgasförderung schuld an den Erdbeben in Niedersachsen? Das wird jetzt untersucht. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Im Landkreis Cloppenburg gab es innerhalb weniger Wochen mehrere Erdbeben. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) prüft derzeit, wieso es zur Häufung von Erdbeben in dem Erdgasförderungsgebiet kommen konnte.

Am 29. September 2018 gab es das erste spürbare Beben bei Lastrup im Landkreis Cloppenburg, das Beben hatte laut LBEG eine Stärke von 3,1. Am 1. Oktober folgten zwei weitere Erdbeben in dem Gebiet, das eine hatte eine Stärke von 2,1, das zweite von 3,6. Die beiden Beben erfolgten innerhalb weniger Minuten, zuerst um 2.26 Uhr nachts, dann um 2.28 Uhr. Das zweite Beben weckte zahlreiche Menschen und war auch noch in Quakenbrück spürbar. Das vierte Erdbeben ereignete sich am 18. Oktober ebenfalls nachts, mit einer Stärke von 2,5. Alle vier Beben sollen im Zusammenhang mit der Erdgasförderung bei Lastrup stehen. (Weiterlesen: Erdbeben im Landkreis Cloppenburg auch in Quakenbrück spürbar)

Ist die Erdgasförderung schuld an den Beben?

Das LBEG erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion, dass das Aufeinanderfolgen mehrerer Erdbeben an derselben Stelle innerhalb von kurzer Zeit ungewöhnlich sei: „Das wurde in Erdgasfördergebieten in Niedersachsen bisher nicht beobachtet.“ Zurzeit seien Experten dabei, nähere Auswertungen vorzunehmen, um unter anderem herauszufinden, wie diese ungewöhnliche Häufung von Beben erklärt werden kann.

Bislang geht das LBEG davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen den jüngsten Erdstößen bei Cloppenburg und der Erdgasförderung gibt. „Die Förderung von Erdgas führt zu Spannungen im tiefen Untergrund (Druckentlastung der Lagerstätte durch Entnahme)“, heißt es in einer Mitteilung des LBEG. „Wenn diese Spannungen an Schwächezonen in der Tiefe impulsartig abgebaut werden, kann es zu spürbaren Erschütterungen an der Oberfläche kommen.“

Wer haftet für Erdbebenschäden?

Das Erdbeben am 1. Oktober mit der Magnitude von 3,6 war das stärkste Beben in Niedersachsen seit 2005. Laut LBEG sind aus der Bevölkerung rund 220 Meldungen eingegangen. Die Menschen berichteten, dass Fenster geklirrt und Türen geklappert haben, es sollen auch kleinere Gegenstände umgefallen sein. Der Niedersächsische Erdbebendienst arbeitet zurzeit daran, den sogenannten Einwirkungsbereich des Erdbebens festzulegen.

„Sollten bei einem Erdbeben Schäden auftreten, gilt innerhalb eines solchen Einwirkungsbereiches die Bergschadensvermutung. Das heißt, es wird vermutet, dass der Schaden durch den Bergbaubetrieb verursacht worden ist,“ heißt es in einer Mitteilung des LBEG. So werde es den Anwohnern erleichtert, eventuell entstandene Schäden dem Unternehmen gegenüber geltend zu machen. Nach dem letzten Kenntnisstand der LBEG sind nach dem Beben am 1. Oktober bisher sechs Schadensmeldungen bei dem Betreiber der Erdgasförderung eingegangen. Die Schäden seien aber gering, es handele sich unter anderem um Schönheitsrisse im Putz. Der Betreiber der Erdgasförderung im Feld Hemmelte/Kneheim/Vahren bei Lastrup ist die EMPG, die Exxon Mobil Production Deutschland GmbH.

Zu den seismischen Ereignissen im Raum Lastrup hat Exxon Mobil bisher knapp 20 potentielle Schadensmeldungen erhalten, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. "Bei den Schadensmeldungen nehmen wir sehr zeitnah eine Begutachtung vor Ort vor. Alle Fälle sind bereits begutachtet worden. Dabei handelt es sich um keine substanziellen Gebäudeschäden. Sollte das seismische Ereignis unseren Aktivitäten zuzuordnen sein, werden wir eventuelle Schäden im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben regulieren. Für mehr als ein Viertel der Fälle wird die Regulierung bereits umgesetzt", heißt es weiter in der Mitteilung.

Die EMPG hat laut eigener Aussage die örtlichen Bürgermeister zeitnah über die seismischen Aktivitäten bei Lastrup informiert. Das Seismische Überwachungssystem der deutschen Erdgasproduzenten hat die seismischen Ereignisse aufgezeichnet: "Mit unseren 43 hochsensiblen Messstationen erfassen wir auf einer Fläche von 10.000 Quadratkilometern auch die kleinste Erschütterung. Jeder kann diese Daten und weitere Informationen im Internet unter www.seis-info.de in Echtzeit einsehen", so das Unternehmen. 

Erdbeben in Niedersachsen

Das bislang stärkste Erdbeben in Niedersachsen ereignete sich 2004 im Landkreis Rotenburg an der Wümme: Das Beben hatte eine Stärke von 4,5 und das Epizentrum befand sich im Bereich eines Erdgasfeldes. Ein weiteres relativ starkes Beben gab es 2005 südlich von Bremen bei Syke. Die Magnitude lag bei 3,8 und die Auswirkungen wurden in einem Umkreis von 70 Kilometern verspürt, berichtet die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Niedersachsen gilt als erdbebenarmes Gebiet. Trotzdem kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Erdstößen, die in der Regel aber kaum zu spüren waren. Neben den Erdbeben im Landkreis Cloppenburg gab es vermehrt kleinere Erdbeben in den Landkreisen Diepholz, Verden und Nienburg. Selten waren sie stärker als 3,0. 2012 berichtete der NDR über mehrere Erdbeben beim Erdgasfeld Völkersen (gehört zum Flecken Langwedel). In der Sendung "panorama 3" erklärt Experte Christian Bönnemann, dass in Niedersachsen vermehrt Erdbeben beobachtet werden, die im Zusammenhang mit der Erdgasförderung stehen.

Erdbeben in Groningen

In den Niederlanden ist man da schon weiter: Seit Jahren geht man in Deutschlands Nachbarland davon aus, dass die Erdgasförderung Erdbeben verursacht.

Zur Sache

Erdgasförderung wird in den Niederlanden drastisch reduziert
Die Niederlande werden die Produktion von Erdgas drastisch reduzieren. Noch vor 2030 soll das größte Feld in der nördlichen Provinz Groningen geschlossen werden. Wegen der zahlreichen Erdbeben sei die Förderung nicht länger zu verantworten, sagte Ministerpräsident Mark Rutte im März 2018. Die Niederlande sind einer der größten Erdgasproduzenten Europas.
Bis 2022 soll die Fördermenge auf weniger als zwölf Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr reduziert werden. 2017 wurden 23,6 Milliarden Kubikmeter gefördert, 2013 war es sogar mehr als doppelt so viel.
Seit Jahren wird das Gebiet an der deutschen Grenze, wo die größten Gasvorkommen sind, von meist kleineren Erdbeben erschüttert. Tausende Häuser wurden beschädigt. Nach einem Beben der Stärke 3,4 Anfang des Jahres hatte die Regierung bereits eine Reduzierung der Fördermenge angekündigt.
Um die Energie-Versorgung zu garantieren, soll für rund eine halbe Milliarde Euro eine Stickstoffanlage gebaut werden, um importiertes hochkalorisches Gas so umzuwandeln, dass es auch in den Niederlanden genutzt werden kann. Außerdem soll auch der Export nach Deutschland, Frankreich und Belgien reduziert werden. (dpa)



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