FFH-Streit in Niedersachsen Ministerium widerspricht: Wald bleibt für Wanderer und Jogger frei

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Der Umgang mit dem Wald ist zwischen Politik und Waldbauern umstritten. Foto: Stratenschulte/dpaDer Umgang mit dem Wald ist zwischen Politik und Waldbauern umstritten. Foto: Stratenschulte/dpa

Hannover. Dürfen Wanderer und Jogger bald nicht mehr in den Wald, weil er nicht mehr sicher ist? Waldbauern warnen vor solchen Folgen der Ausweisung von FFH-Gebieten. Das Umweltministerium widerspricht dem.

Auch nach Umsetzung der FFH-Richtlinie bleiben Niedersachsens Wälder nach Einschätzung des Umweltministeriums frei zugänglich. Man gehe davon aus, dass entsprechende Befürchtungen „gegenstandslos“ seien, erklärte eine Ministeriumssprecherin gegenüber unserer Redaktion. Sie widersprach damit Waldbauern, die gegenüber unserer Redaktion vor einer Sperrung der Wälder nach Ausweisung von Schutzgebieten gewarnt hatten. Die Forstbesitzer fürchten, dass naturbelassenes Totholz zur Gefahr für Erholungssuchende und Waldarbeiter werden könnte.

Habitatbäume „vorausschauend“ aussuchen

Die Sprecherin verweist hingegen auf einen gemeinsam von Umwelt- und Agrarministerium herausgegebenen behördlichen Leitfaden „NATURA 2000 in niedersächsischen Wäldern“. Demnach sei bei der Auswahl besonders geschützter Habitatbäume „im Zweifel [...] der Sicherheit der Forstwirte und der Erholung suchenden Bevölkerung der Vorrang vor den Zielen des Naturschutzes einzuräumen“, heißt es. So sollen Habitatbäume „vorausschauend“ ausgewählt und bei Gefährdung gefällt werden.

Konflikt schwelt schon länger

Bei Konflikten zwischen Arbeits- und Naturschutz sollen Lösungen gesucht werden, die „möglichst beide Zielsetzungen erfüllen“, heißt es in dem Leitfaden. „So kann unter Umständen durch spezielle Ernteverfahren und Holzerntemaschinen die Sicherheit bei der Ernte gewährleistet werden“, schreiben die Landesministerien.

Umweltministerium und Waldbesitzer liegen wegen der Ausweisung von FFH-Flächen seit Monaten im Konflikt miteinander. Umweltminister Olaf Lies (SPD) drängt mit Blick auf ein Vertragsverletzungsverfahren der EU auf eine möglichst schnelle Ausweisung der Flurstücke als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete. Die Waldwirtschaftler halten die Vorgaben aus Hannover für überzogen und sehen in den geplanten Einschränkungen einen Eingriff in ihre Eigentumsrechte.


Natura 2000

Hinter der Abkürzung FFH-Schutzgebiet steht die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG). Es bildet die Basis für ein Netz von Schutzgebieten, das innerhalb der Europäischen Union seit 1992 unter dem Namen „Natura 2000“ errichtet wird. Es dient dem Erhalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume.

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