Bulgare war hiesiger Justiz bekannt Mord an Journalistin Marinova: Verdächtiger in Stade festgenommen

Hannover. Spezialkräfte des Landeskriminalamtes Niedersachsen haben in Stade einen Verdächtigen im Mordfall Viktoria Marinova aufgespürt. Niedersachsen LKA-Chef Friedo de Vries spricht von einem raschen Erfolg.

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LKA-Präsident Friedo de Vries lobte die Festnahme als vorbildlich. Foto: dpaLKA-Präsident Friedo de Vries lobte die Festnahme als vorbildlich. Foto: dpa

Auftritte des LKA-Chefs in Niedersachsens Landespressekonferenz haben Seltenheitswert. Doch der neue Präsident des Landeskriminalamtes (LKA) Friedo de Vries brachte am Mittwoch in Hannover eine gute Nachricht mit. In Stade ist ein Tatverdächtiger im Mordfall der bulgarischen TV-Moderatorin Viktoria Marinova festgenommen worden. Die Leiche der 30-jährigen Investigativjournalistin war am Samstag in der Stadt Russe entdeckt worden. Der Fall hatte internationales Aufsehen erregt.

Verdächtiger soll ausgeliefert werden

Am Dienstag gegen 20.15 Uhr haben demnach MEK-Spezialkräfte des Landeskriminalamtes zunächst zwei Männer in der Wohnung von Verwandten in einem Mehrfamilienhaus festgenommen. Beide waren demnach unbewaffnet und leisteten keinen Widerstand. Weil sie "widersprüchliche Angaben zu ihren Personalien" gemacht hätten, wurden zunächst beide festgenommen. Später wurde einer der Männer wieder freigelassen. Der andere, ein 20- oder 21-jähriger Bulgare, wird am heutigen Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt. Ihm wird vorgeworfen, die Journalistin vergewaltigt, ermordet und beraubt zu haben. In seiner bulgarischen Wohnung haben Fahnder Gegenstände aus dem Überfall gefunden. Voraussichtlich wird Deutschland den Verdächtigen in den kommenden Tagen oder Wochen nach Bulgarien ausliefern. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle prüft derzeit ein entsprechendes Ersuchen.

"Sehr gutes Beispiel vernetzter Arbeit"

Friedo de Vries lobte den Zugriff als "sehr gutes Beispiel zur vernetzten Arbeit der europäischen Sicherheitsbehörden". So habe man am Dienstag gegen 12 Uhr über einen Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA) Hinweise bekommen, dass der Verdächtige sich möglicherweise in Hamburg oder Niedersachsen aufhalte, Daraufhin seien Zielfahnder des LKA "eingestiegen" und hätten den Mann bereits gegen 16 Uhr in dem Mehrfamilienhaus aufgespürt. Wegen der Vorbereitungen habe es dann noch etwa vier Stunden bis zum Zugriff gedauert. "Trotz des bedrückenden Anlasses ist es ein hervorragendes Beispiel, wie gut die länderübergreifende Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in Europa funktionieren kann: Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Festnahme sind nur wenige Stunden vergangen", sagte de Vries.

Verfahren wegen Urkundenfälschung anhängig

Der Verdächtige ist den Ermittlern zufolge mit dem Auto von Bulgarien zu seinen Verwandten nach Stade geflüchtet. Wo der Wagen steht, ist noch unklar. Auch steht noch nicht fest, ob der Mann öfter in Niedersachsen war: Bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg ist de Vries zufolge ein Verfahren wegen Aufenthaltsermittlung aus diesem September anhängig. Die Justiz wirft dem Mann Urkundenfälschung vor. Wie oft der Mann tatsächlich in Deutschland war, sei nun Gegenstand der Ermittlungen. Auch sei offen, ob der Mann nur die bulgarische Staatsangehörigkeit habe. Möglicherweise steht auch eine türkische Staatsangehörigkeit im Raum.

Nach der Tat hatte es Spekulationen gegeben, die Tötung könne mit der Arbeit der Journalistin zusammenhängen. Dazu haben Landeskriminalamt und niedersächsisches Justizministerium nach eigenen Angaben bisher keinerlei Hinweise. Auch nach Angaben des bulgarischen Generalstaatsanwalts Sotir Zazarow gegenüber der Nachrichtenagentur dpa besteht nach den derzeitigen Erkenntnissen kein Zusammenhang zwischen der Tat und ihrer Arbeit der Journalistin. 

Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius lobte den Fahndungserfolg: "Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig die gute Vernetzung innerhalb der Sicherheitsbehörden in Europa ist“, sagte er.


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