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09.10.2018, 18:59 Uhr KOMMENTAR

Walddebatte ein Zeichen der Entfremdung

Von Klaus Wieschemeyer


Foto: NOZ MEDIENFoto: NOZ MEDIEN

Der Streit um die Ausweisung von FFH-Schutzgebieten ist symptomatisch für eine Entfremdung zwischen ländlicher und städtischer Politik in Niedersachsen, meint unser Autor.

Beim Streit um die Sicherung von FFH-Gebieten im Wald geht es um weit mehr als nur Lobbyinteressen. Der Konflikt steht auch für eine grundsätzliche Entfremdung zwischen einer eher städtisch und eher ländlich geprägten Bevölkerung in Niedersachsen. Viele Stadtbewohner verwechseln ländliche Regionen mit den Naturaufnahmen hochglänzender Landmagazine. Und in die soll der Mensch möglichst wenig eingreifen, damit alles so idyllisch bleibt, wie es zu sein scheint.

Dabei wird Niedersachsen dominiert von Kulturlandschaften, die es ohne den Menschen nicht gäbe. Viele Landbewohner fühlen sich von der vermeintlich urban geprägten Politik unverstanden: Egal, ob es um Vogeljagd im Wattenmeer, den Umgang mit dem Wolf oder die Bewirtschaftung des Waldes geht, viele Vorgaben stoßen auf Unverständnis. Lösen ließe sich dieser Konflikt durch Dialog, Transparenz und Interessenausgleich. Doch danach sieht es derzeit nicht aus, und die Politik in Hannover lebt die Grabenmentalität sogar noch vor: Nach außen hin werden die teils heftigen Konflikte zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium wegen des Koalitionsfriedens kleingeredet. Intern beharren beide Seiten auf ihren Positionen. Ein offener Dialog ist so unmöglich.


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