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Weser-Ems-Netz Zugausfälle und Unpünktlichkeit: Nordwestbahn erhält weniger Geld

Im September sind bei der Nordwestbahn zahlreiche Züge ausgefallen. Foto: Jörn MartensIm September sind bei der Nordwestbahn zahlreiche Züge ausgefallen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück/Hannover. Weniger Geld für die Nordwestbahn: Wegen zahlreicher Zugausfälle und zu vieler unpünktlicher Züge streicht die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) dem Unternehmen sogenannte Ausgleichzahlungen. Das bestätigte ein LNVG-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

157 Ausfälle habe es auf den vier Linien des Weser-Ems-Netzes der NWB im September gegeben, sagte LNVG-Sprecher Rainer Peters. Auch die vertraglich geregelte Pünktlichkeitsquote von 95 Prozent habe die NWB zuletzt deutlich verfehlt. Von Mai bis August betrug sie Peters zufolge 84 Prozent. Die 95 Prozent sind allerdings ein Jahreswert, den die NWB noch erreichen kann. Und dennoch: „Was Ausfälle und Pünktlichkeit betrifft, ist die Performance der Nordwestbahn derzeit verbesserungswürdig”, sagte Peters. Die LNVG habe der Geschäftsführung der NWB nun über die geplante Kürzung der Mittel informiert. 

Das Weser-Ems-Netz der Nordwestbahn

Es beinhaltet den RE 18, RE 19 sowie die RB 58 und RB 59.
  • RE 18: Wilhelmshaven <-> Oldenburg <-> Osnabrück
  • RE 19: Wilhelmshaven <-> Oldenburg <-> Bremen
  • RB 58: Bremen <-> Vechta <-> Osnabrück
  • RB 59 Esens <-> Sande <-> Wilhelmshaven

20 bis 30 Prozent der Kosten erziele das Unternehmen durch den Fahrkartenverkauf – der Rest werde aus Steuergeldern finanziert – „300 Millionen Euro zwischen Ems und Elbe”, sagte der LNVG-Sprecher. „Und für Züge, die nicht kommen, können wir keine Ausgleichzahlung leisten.” Die Höhe der Kürzung sei noch nicht beschlossen und werde auch nicht öffentlich gemacht, sagte Peters. Es sei kein kleiner Betrag – ein Anreiz zur Verbesserung, sagte Peters. Zuerst hatte der NDR über die Zuschusskürzung berichtet. 

Der Landesnahverkehrsgesellschaft zufolge mangelt es der Nordwestbahn an Lokführern. Das Unternehmen rechne mit einer Verbesserung im Laufe des Oktobers, wenn neu ausgebildete Lokführer und Leiharbeiter ihre Arbeit aufnähmen. Das habe das Unternehmen der LNVG versichert. Auf ihrer Internetseite sucht die NWB weiterhin nach Lokführern.

Personalprobleme bei der NWB

Auf Nachfrage bestätigt die NWB Personalprobleme aufgrund kurzfristiger Krankmeldungen sowie des Fachkräftemangels. „Die Nordwestbahn investiert pro Jahr deutlich über eine Million Euro in die Ausbildung neuer Triebfahrzeugführer. Insbesondere Quereinsteiger sind gesucht und herzlich willkommen.” Derzeit bilde das Unternehmen mehr als 60 Mitarbeiter zum Triebfahrzeugführer aus. Darüber hinaus seien Neueinstellungen geplant, sagt Rolf Erfurt, Geschäftsführer der Nordwestbahn. 

Teilschuld trage die DB Netz AG

Teilweise gingen die Ausfälle und Verzögerungen auf „gefährliche Eingriffe Dritter in den Bahnverkehr oder Fahrzeugstörungen” zurück, sagt NWB-Sprecherin Karin Punghorst. „Ebenso liegen viele Ursachen aber auch in der veralteten und modernisierungsbedürftigen Infrastruktur der DB Netz AG”, etwa lokale Stellwerks- und Weichenstörungen. „Gerade im Weser-Ems-Netz läuft seitens der DB ein großes Bauprojekt in der Küstenregion, zur Hinterlandanbindung des Jade-Weser-Ports. Davon betroffen sind mehrere Linien der Nordwestbahn, es kommt zu Streckensperrungen und dadurch zu Zugausfällen”, argumentiert NWM-Sprecherin Punghorst.

Die LNVG ist zuversichtlich. „Wir kennen die Nordwestbahn seit nun rund 20 Jahren als zuverlässigen Partner, und trotz der derzeitigen Probleme stellen wir das nicht grundsätzlich in Frage”, sagte Peters.


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