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22-Jährige erwürgt Prozess läuft: Familienvater nach sogenanntem „Ehrenmord“ in Dörpen vor Gericht

<em>Ein 29-jähriger Fürstenauer</em> muss für zwei Jahre und sechs Monate in eine Entziehungsanstalt. Er hatte wiederholt alkoholisiert seine Lebensgefährtin misshandelt. Symbolfoto: dpaEin 29-jähriger Fürstenauer muss für zwei Jahre und sechs Monate in eine Entziehungsanstalt. Er hatte wiederholt alkoholisiert seine Lebensgefährtin misshandelt. Symbolfoto: dpa

Dörpen. Sie liebte einen anderen Mann – und musste offenbar deshalb sterben. Seit Mittwochmorgen stehen der Ehemann und der Vater einer Frau aus Dörpen im Emsland wegen dieses sogenannten „Ehrenmordes“ vor dem Osnabrücker Landgericht, die angeklagt sind, die 22-Jährige im Mai ermordet zu haben. Die Männer wollten sich damit laut Anklage dafür rächen, dass die Frau aus der Familienstruktur ausgebrochen war.

Der Prozess wird mit der Vernehmung von Polizeibeamten fortgesetzt. Anwälte der Angeklagten werfen den Ermittlern Versäumnisse vor: Sie hätten die Angeklagten nicht ausreichend darüber informiert, dass ihnen ein Anwalt zustehe. Deswegen haben die Verteidiger beantragt, die Vernehmungsprotokolle nicht im Prozess zuzulassen.

Nach den Polizeibeamten soll unter anderem noch eine Verwandte des Angeklagten aussagen.

Der Prozess hatte am Mittwochmorgen um neun Uhr begonnen. Es herrschte großes Interesse am Prozess: vor dem Eingangsbereich hatten sich lange Schlangen gebildet. Seitdem lief der Prozess mit einigen Unterbrechungen. Zunächst wurde verhandelt, ob die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden soll. Das hatte der Verteidiger des Mannes der ermordeten Frau beantragt.

Das hohe Sicherheitsaufkommen bei Gericht wurde mit einer Telefonüberwachung begründet, bei der Bedrohungen gegen Polizisten und Justizbeamte abgehört worden waren.

Zu den Hintergründen:

Das Opfer und die Angeklagten stammen aus „einer muslimischen Sunnitenfamilie mit einer streng traditionell patriarchalisch-islamischen Familienstruktur“, heißt es aus dem Landgericht. Die 22-Jährige soll gegen den Willen des Vaters und ihres Ehemanns aus diesen Verhältnissen ausgebrochen und mit einem verheirateten Mann eine Beziehung eingegangen sein. Dadurch soll sie die Ehre der Familie derart befleckt haben, dass diese aus Sicht der Angeklagten nur durch die Tötung wiederhergestellt werden konnte. Aus diesem Grund sollen sich am Tattag die beiden Männer zum damaligen Aufenthaltsort des Opfers in Dörpen begeben haben. Dort habe der Ehemann des Opfers nach Absprache mit seinem ebenfalls angeklagten Schwiegervater die Frau mit den Händen erwürgt. Unklar ist noch, ob das kleine Kind der Frau das Geschehen mit ansehen musste.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück beantragte zunächst Haftbefehl wegen Totschlags. Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim hatte im Mai eine Mordkommission gebildet und zusammen mit der Staatsanwaltschaft Osnabrück die Ermittlungen aufgenommen.

Diese Beziehung zwischen Opfer und Täter war offensichtlich lange von Gewalt geprägt. Bereits zweimal musste die Frau vor ihrem Ehemann in Frauenhäuser flüchten. „Sie hatte Angst vor ihm“, erklärte im Frühsommer der Oberstaatsanwalt. Im Januar soll der 29-jährige Ehemann die Frau bei einem Streit verletzt haben. Die 22-Jährige hatte diesen Übergriff allerdings nicht zur Anzeige gebracht.

Nach der Tat hatte sich das Verbrechen in der Gemeinde Dörpen schnell herumgesprochen. Dörpens Bürgermeister Manfred Gerdes zeigte sich entsetzt über die Tat: „Wir sind hier alle schockiert und hoffen, dass der Fall ganz aufgeklärt wird.“

Der Prozess dürfte langwierig werden. Das Gericht hat bisher 15 Verhandlungstage angesetzt. Demnach wird Ende Januar das Urteil erwartet. Zum heutigen Prozessbeginn sind auch drei Dolmetscher, drei Sachverständige und drei Zeugen geladen.

Die Verhandlung beginnt am Mittwoch um 9 Uhr im Osnabrücker Landgericht. Zutritt zum Saal haben nur Zuschauer mit Eintrittskarten. Diese werden ab 8 Uhr im Eingangsbereich verteilt.


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