Schura und Ditib Imamausbildung: Verbände wünschen sich Dialog

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Derzeit kommen Imame in Ditib-Moscheen aus der Türkei. Foto: Michael GründelDerzeit kommen Imame in Ditib-Moscheen aus der Türkei. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Wie sollen Imame in Niedersachsen künftig ausgebildet werden? Der Wissenschaftsminister wagte sich mit einer neuen Idee vor. Aber was sagen die Islamverbände und die Uni Osnabrück dazu, die das Ganze letztlich umsetzen müssten?

Die beiden Islamverbände waren nach eigenen Angaben vorab nicht in offizielle Gespräche zur neuen Idee in Sachen Imam-Ausbildung eingebunden. Der niedersächsische Islamverband Schura zeigte sich überrascht. „Die Idee des Wissenschaftsministers beschreibt einen ersten Anfangsgedanken. Ich würde mir aber wünschen, dass man sich gemeinsam an einen Tisch setzt und darüber spricht“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Recep Bilgen. „Grundsätzlich halte ich es für ein positives Signal, dass über die Imamausbildung nachgedacht wird. Wir müssen aber darüber diskutieren, wie das konkret aussehen kann.“

Der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler hatte in der vergangenen Woche vorgeschlagen, Absolventen des Master-Studiengangs Islamische Theologie der Universität Osnabrück könnten künftig zur Hälfte in Moscheegemeinden und zur Hälfte an niedersächsischen Schulen eingesetzt werden.

Ditib: „Können keine 08/15-Imame akzeptieren“

„Wir sind für jede Idee offen“, sagte der Vorsitzende des Ditib-Landesverbandes Niedersachsen und Bremen, Yilmaz Kilic. Am Ende komme es darauf an, welchen Plan die Landesregierung ausarbeite. „Klar ist: Wir können keine 08/15-Imame in unseren Moscheen akzeptieren“, betonte Kilic. Die Weiterbildung eines Volltheologen zum Imam dauere in der Türkei drei Jahre. Voraussetzung sei eine Institution, die eine hochwertige Ausbildung leisten könne – analog zum katholischen Priesterseminar. Diese müsse von den Religionsgemeinschaften getragen werden. Ein Teil der Ausbildung könne ein Praktikum in einer Gemeinde sein. „Es ist richtig, dass wir jetzt darüber reden. Das braucht viel Vorlauf“, sagte Kilic.

Uni: Großer Bedarf an Religionslehrern

Die Universität hatte der Minister bereits eingebunden. Uni-Vizepräsidentin Martina Blasberg-Kuhnke warnte jedoch davor, dauerhaft Lehrer mit nur einem Fach ausbilden zu wollen. „Wir wollen nicht, dass der Eindruck entsteht, dass nun ein dauerhaftes Sondermodell geschaffen werden soll“, sagte Blasberg-Kuhnke. „Im Moment sollten wir uns aber nach dem tatsächlichen Bedarf richten: Wir könnten einerseits gut und gerne 200 islamische Religionslehrer in Niedersachsen gebrauchen. Und andererseits hat jetzt schon der zweite Jahrgang den Studiengang Islamische Theologie abgeschlossen. Es ist sinnvoll, diesen Volltheologen eine Perspektive zu bilden.“ Wie bei Quereinsteigern in anderen Schulfächern könne man die Absolventen pädagogisch weiterqualifizieren.

Gleichzeitig erklärte die Professorin, es sei nie darum gegangen, die Weiterbildung für Imame dauerhaft weiterlaufen zu lassen. „Grundsätzlich muss es aber darum gehen, dass etwa die Verbände die pastorale Weiterbildung der Theologen übernehmen. Wir denken da an Modellprojekte in einigen Gemeinden, die wir gerne wissenschaftlich begleiten und durch unsere Expertise unterstützen.“


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