Niedersachsen erwartet Ausbruch Otte-Kinast warnt: Schweinepest steht „vor der Haustür“

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Mit mehrsprachigen Tafeln warnen deutsche Behörden an Autobahnen vor der unabsichtlichen Verbreitung der Schweinepest über weggeworfene Lebensmittel. Foto: dpaMit mehrsprachigen Tafeln warnen deutsche Behörden an Autobahnen vor der unabsichtlichen Verbreitung der Schweinepest über weggeworfene Lebensmittel. Foto: dpa

Hannover Die Afrikanische Schweinepest macht einen Riesensprung Richtung Niedersachsen. Die Politik in Deutschlands Schweineland Nummer 1 ist alarmiert – und streitet um die richtige Strategie.

Der Fund zweier Wildschweinkadaver in der südbelgischen Gemeinde Étalle sorgt in Niedersachsen für Aufregung: Gestern Morgen informierte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) den Landtag, dass bei den toten Tieren die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen wurde. Damit habe das Virus einen „sehr großen, überraschenden und beunruhigenden Sprung nach Westen gemacht“, sagte Otte-Kinast. „Wir haben es mit einer handfesten Bedrohung vor der Haustür zu tun“, betonte sie. Bisher war das Virus vor allem in Osteuropa nachgewiesen worden – mit Étalle taucht es nun nur etwa 60 Kilometer westlich der deutschen Grenze entfernt auf.

Wie das Virus dahingelangen konnte, ist noch offen. Das Land geht aber nicht von einer Ansteckung über Wildschweine aus. Stattdessen hat sie den Menschen als Verbreiter im Verdacht, zum Beispiel durch ein achtlos an einer Fernstraße weggeworfenes infiziertes Wurstbrot, welches von Schweinen gefressen wird. „Die ASP wird nicht auf vier Beinen, sondern auf vier Reifen kommen“, sagte der CDU-Abgeordnete und Landesjagdpräsident Helmut Dammann-Tamke.

Niedersachsen ist alarmiert, denn ein Ausbruch hierzulande oder gar ein Übergreifen auf Nutztiere könnte gravierende Folgen haben: Niedersachsen ist Deutschlands Schweinehochburg: Das Bundesland zählte im Mai rund 5700 Betriebe mit 8,5 Millionen Nutztieren, die Verkaufserlöse lagen 2016 bei rund 24 Milliarden Euro.

Zwar ist das Virus für den Menschen ungefährlich. Doch selbst ohne ein Überspringen auf Mastschweine drohen den Betrieben in Sperrzonen hohe wirtschaftliche Schäden.

Das Land ruft Landwirte und Fernreisende zu erhöhter Hygiene auf. Zudem will die Regierung die Wildschweinjagd weiter ausweiten und das Jagdgesetz noch im Oktober verschärfen. Außerdem plant das Ministerium den Kauf von Wildsammelbehältern, Zäunen sowie Sicherheitsüberprüfungen an Autobahnraststätten. Dammann-Tamke forderte die Landwirte auf, auf den Äckern Bejagungsschneisen freizuhalten. Jagen könne man Schweine nur, wenn man die Tiere auch sehe, sagte er Jäger.

Grüne Kritik

Die Grünen werfen der Landesregierung falsche Schwerpunkte bei der Seuchenbekämpfung vor. Die „einseitige Fokussierung auf die Ausbreitung über Wildschweine“ sei falsch, sagte die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte. Stattdessen müssten Tiertransporte als mögliche Übertragungswege im Mittelpunkt stehen. Die Grünen-Politikerin kritisierte, die Exportorientierung der Branche steigere die wirtschaftlichen Risiken.

Damit erntete Staudte breiten Widerspruch: Karin Logemann von der SPD erklärte, Niedersachsen sei gut vorbereitet, Hermann Grupe von der FDP warf Staudte vor, Fleisch-Exporte aus „alter Ideologie“ schlechtzureden. Dana Guth von der AfD lobte ausdrücklich die Informationspolitik der Ministerin. Otte-Kinast betonte, sie habe „von Anfang an“ klar gemacht, dass die ASP-Gefahr von den Menschen komme. Dazu habe das Ministerium auch immer wieder aufgeklärt und informiert.

Dammann-Tamke rief die Niedersachsen auf, mehr Wildschwein zu essen, um die Zahl der möglichen Überträger in freier Wildbahn zu begrenzen. „Ich wünsche den Niedersachsen beim Genuss von Schweinefleisch einen guten Appetit“, sagte er.


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