Wissenschaftsminister Thümler Vorschlag: Imam-Ausbildung an der Uni Osnabrück

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Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler will den Bedarf an Islamischen Geistlichen und Lehrer für den islamischen Religionsunterricht durch ein neues Ausbildungsmodell besser decken. Foto: Holger Hollemann/dpaNiedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler will den Bedarf an Islamischen Geistlichen und Lehrer für den islamischen Religionsunterricht durch ein neues Ausbildungsmodell besser decken. Foto: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Aus der Türkei in niedersächsische Moscheen entsandte Imame sind der hiesigen Politik ein Dorn im Auge. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler schlägt nun ein neues Ausbildungsmodell vor.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler will neue Bewegung in die festgefahrene Debatte um die Imam-Ausbildung in Niedersachsen bringen. Sein Vorschlag: Absolventen des Master-Studiengangs „Islamische Theologie“ an der Universität Osnabrück könnten künftig jeweils zur Hälfte in den Moscheegemeinden und in niedersächsischen Schulen eingesetzt werden, erklärte der CDU-Politiker im Gespräch mit unserer Redaktion.

Hintergrund ist der große Bedarf sowohl von Geistlichen als auch ausgebildeten Lehrern für islamischen Religionsunterricht. Für angehende Lehrer kann sich Thümler zeitlich befristete Uni-Qualifizierungen vorstellen, die den Theologen didaktische und pädagogische Grundlagen vermitteln und so den Quereinstieg in die Schulen erleichtern. Zuletzt hatte ein Vertreter der Uni Osnabrück Hilfe der Politik eingefordert.

Umstrittener Einfluss der Türkei

Bei islamischen Geistlichen ist Deutschland immer noch von aus dem Ausland entsandten Imamen abhängig. In Deutschland ausgebildete Theologen kommen nach wie vor nur selten zum Einsatz. Dabei treffen die meist aus der Türkei geschickten Geistlichen nicht nur auf sprachliche Barrieren bei jenen Muslimen, die deutsch oder arabisch sprechen. Die deutsche Politik kritisiert den Einfluss der türkischen Religionsbehörde Diyanet auf die Prediger und würde deshalb lieber hierzulande ausgebildete Theologen in den Moscheegemeinden sehen. „Wir sind eine pluralistische Gesellschaft. Es sollte unser Anspruch sein, einen Beitrag zur Ausbildung von Moscheepersonal und Imamen zu leisten“, sagte Thümler unserer Redaktion. ( Weiterlesen: „Wir brauchen weiterhin türkische Imame“)

Vorbild Priesterseminar

Sein niedersächsisches Modell sieht eine Zweiteilung vor: zunächst ein Lehramtsstudium an der Uni, danach ein „zweiter Teil“, der von Religionsgemeinschaften gewährleistet werden müsste. Vorbild könnten etwa Priesterseminare wie das katholische Borromaeum in Münster sein. Dort wird der auf die Gemeindearbeit vorbereitende Pastoralkurs auf ein Theologiestudium an der Universität aufgesattelt.

Der parallele Einsatz in Schulen und Moscheen würde die Geistlichen auch materiell absichern, denn viele Gemeinden können sich nach Einschätzung Thümlers keinen aus eigener Kasse bezahlten hauptamtlichen Imame leisten. Kommt ein festes Einkommen aus dem Schuldienst, wäre der Geistliche nicht vollständig von der Finanzkraft der Gemeinde abhängig.

Idee noch am Anfang

Die Idee steht dem Minister zufolge noch am Anfang, erste Rückmeldungen von islamischen Verbänden und Kabinettskollegen seien aber positiv: „Wir müssen mit allen Beteiligten sprechen“, sagte Thümler unserer Redaktion. Vor allem die Moscheegemeinden und Islamverbände sowie das für die Lehrergewinnung zuständige Kultusministerium müsse man ins Boot holen. „Wir werden ein solches Konzept nicht in wenigen Monaten erarbeiten und umsetzen können“, räumt er ein. „Doch wir müssen uns endlich auf den Weg machen, um aus der Erstarrung herauszukommen“, sagt er.

„Bundesweit einmalig“

Der Zeitpunkt des Vorschlags kommt nicht von ungefähr: Derzeit läuft an der Uni Osnabrück nach acht Jahren eine zweisemestrige Fortbildung für muslimische Seelsorger aus. Bei dem Programm sollen Geistlichen aus dem Ausland Grundzüge der deutschen Gesellschaft beigebracht werden. Die Grünen kämpfen für den Erhalt: „Diese Imam-Weiterbildung ist bundesweit einmalig. Niedersachsen würde ein Pfund verlieren, mit dem wir wuchern könnten“, sagte der Grünen-Abgeordnete Belit Onay. Das Wissenschaftsministerium verweist auf eine rückläufige Nachfrage.


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