Zuspruch und Skepsis Vodafone kündigt Ausbau der Mobilfunkversorgung in Niedersachsen an

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Niedersachsen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Vodafone will die Mobilfunkversorgung in Niedersachsen massiv ausbauen. Foto: Arno Burgi/dpaVodafone will die Mobilfunkversorgung in Niedersachsen massiv ausbauen. Foto: Arno Burgi/dpa

Hannover. Mit Investitionen von einer Milliarde Euro will Niedersachsen die Digitalisierung voranbringen. Landesweit schnelles Internet, keine großen Lücken im Handynetz: Die Offensive nimmt allmählich Fahrt auf. Ausbaupläne eines ersten großen Anbieters stoßen aber auf Skepsis.

Die Digitalisierungspläne der niedersächsischen Landesregierung nehmen konkrete Formen an. Als erstes großes Telekommunikationsunternehmen hat Vodafone mit dem Land eine sogenannte strategische Digitalpartnerschaft geschlossen, um die Mobilfunkversorgung zu verbessern und gigabitfähige Breitbandnetze zu schaffen. "Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende September auch von den anderen beiden großen Netzbetreibern Telefónica/O2 und Telekom konkrete Ausbaudaten bekommen werden", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, das die Vereinbarung am Donnerstag in Hannover bekanntgab. Zuvor hatten bereits Medien darüber berichtet.

FDP und Grüne gegen Althusmann

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sprach von einem "ganz wichtigen Baustein unseres geplanten Gigapaktes". Er stieß jedoch auf Widerspruch bei den oppositionellen Parteien FDP und Grüne. "Bevor nicht eine konkrete Ausgestaltung dieser geplanten digitalen Partnerschaft vorliegt, sehen wir keinen Grund, in die Jubelrufe des Wirtschaftsministers einzusteigen", meinte der Grünen-Abgeordnete Detlev Schulz-Hendel. Ein Wirtschaftsunternehmen wie Vodafone sei zuerst an Gewinnmaximierung interessiert. "Insofern ist nicht davon auszugehen, dass das Unternehmen ein großes Interesse daran hat, die Situation in den ländlichen Räumen zu verbessern", betonte er.

Ähnlich kritisch äußerte sich der niedersächsische FDP-Fraktionsvize Jörg Bode. Althusmann springe auf einen Zug auf, den Vodafone bereits vor Monaten aufs Gleis gesetzt habe. "Das Ganze ist also lediglich ein schlechter PR-Witz für den CDU-Parteitag", meinte er mit Hinweis auf den CDU-Parteitag am kommenden Wochenende. Der Minister habe im Landtag angekündigt, bis 2021 jedes Gewerbegebiet im Lande ans Glasfasernetz anzuschließen: "Bei 1803 Gewerbegebieten ist das bisher noch nicht geschehen; wenn Vodafone jetzt also ankündigt, bei 170 von ihnen für Abhilfe zu sorgen, sind das nicht mal zehn Prozent."

Vodafone hat laut Wirtschaftsministerium zugesagt, in den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur bis 2022 mindestens 180 Millionen Euro zu investieren. Ziel sei, dann rund 65 Prozent aller Haushalte im Land über das Vodafone-Kabelnetz mit Internetanschlüssen zu versorgen, die Bandbreiten von mindestens einem Gigabit erreichen. Zudem sollten 170 Gewerbegebiete angeschlossen werden.

"Wir planen derzeit mit mindestens 180 Millionen Euro im Flächenland Niedersachsen", zitierte die "Neue Osnabrücker Zeitung"

Bessere Versorgung von Autobahnen und ICE-Strecken

Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter, der erklärte: "Hierbei zielen wir auch auf die bessere Versorgung von Autobahnen und ICE-Strecken ab." Vodafone plane bis zum Jahr 2020 den Neubau von 100 festen Mobilfunkantennen im Lande, weitere 600 Mobilfunkantennen sollen demnach auf LTE-Standard aufgerüstet werden. Sie sollen vor allem in Tourismusgebieten und entlang der Bahnstrecken den Mobilfunk verbessern. Derzeit betreibe Vodafone 1900 Basisstationen im Land. Obendrein hat Vodafone den Ausbau des Kabelnetzes zugesagt, an das etwa 2,5 Millionen Haushalte im Land angeschlossen sind.

Die Landesregierung will Niedersachsen digital aufrüsten. Ein lückenloses, leistungsfähiges Mobilfunknetzes soll bis 2021 geschaffen werden und bis 2025 die Versorgung aller Haushalte mit schnellem Internet. Für die Umsetzung stehen dem Land insgesamt eine Milliarde Euro zur Verfügung. 850 Millionen Euro davon sind bereits im Haushaltsentwurf 2019 enthalten. Als richtungsweisend gilt dabei das Modell des Landkreises Celle, der die Infrastruktur selbst baut, sie dann aber von einem privaten Unternehmen betreiben lässt. Für die Unternehmen lohnt sich diese indirekte Förderung, da für sie die Kosten der Infrastrukturarbeiten wegfallen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN