Emsländer vor Landgericht Langer Prozess gegen mutmaßlichen Drogenboss

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Ein Paket Kokain öffnet ein Beamter des Hamburger Zolls. Der hier präsentierte Fund hat allerdings mit dem Prozess vor dem Landgericht Osnabrück nichts zu tun. Foto: dpaEin Paket Kokain öffnet ein Beamter des Hamburger Zolls. Der hier präsentierte Fund hat allerdings mit dem Prozess vor dem Landgericht Osnabrück nichts zu tun. Foto: dpa

Osnabrück/Werlte. Die Vorwürfe wiegen schwer, und der Prozess dürfte lang werden. Voraussichtlich bis Ende April 2019 wird vor dem Landgericht Osnabrück gegen einen Emsländer verhandelt, der als Kopf einer Bande Drogen im Wert von mehr als fünf Millionen Euro verkauft haben soll.

So ungewöhnlich wie die Dauer des Prozesses sind auch seine Begleitumstände: Wie alle Besucher werden auch Journalisten vor dem Betreten des Schwurgerichtssaals penibel vom Justizpersonal kontrolliert und müssen dabei sogar ihre Schuhe ausziehen. Der seit achteinhalb Monaten in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte, der 51-jährige Uwe G. aus Werlte, wird von drei Anwälten vertreten, darunter der bekannte Osnabrücker Strafverteidiger Jens Meggers. Die Anklageschrift verlas Oberstaatsanwalt Hubert Feldkamp.

Dass die Staatsanwaltschaft den Angeklagten für den „Kopf einer Bande“ hält, erklärte Feldkamp mehrfach. Mithilfe von Komplizen habe Uwe G. eine „große Menge von Hartdrogen aus Kolumbien“ und Cannabis aus Spanien nach Deutschland importiert und hier veräußert. Konkret sprach der Oberstaatsanwalt von 150 Kilo Kokain und 221 Kilo Marihuana, wobei die zuletzt genannten Drogen aus Spanien bei einer Zollkontrolle in der Nähe von Trier in einem Lkw entdeckt worden waren.  Zum Teil habe der Beschuldigte persönlich Kokain an verdeckt agierende Polizisten verkauft. Dabei habe er 25 000 Euro pro Kilo verlangt.

Prozesse auch in Trier, Bremen und Hamburg

Aufgeflogen wie der Trierer Fall ist auch ein im Frühjahr 2017 versuchter Schiffscontainer-Import von mindestens 48 Kilogramm Kokain aus Kolumbien nach Bremerhaven, der in Osnabrück Uwe G. zur Last gelegt wird, obwohl daran ebenso wie beim Marihuana-Import über Luxemburg nach Rheinland-Pfalz andere Personen beteiligt waren, die in Trier und in Bremen vor Gericht stehen. Außerdem berichtete Pflichtverteidiger Meggers von einem Prozess vor dem Landgericht Hamburg gegen fünf weitere Angeklagte, die als mutmaßliche Empfänger der Sendung aus Trier inhaftiert wurden.

 

Meggers und seine Anwaltskollegen scheiterten mit einem Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, den sie damit begründet hatten, dass die Verteidigung nicht über sämtliche Aktenteile verfüge. Meggers beklagte zum Beispiel, dass er über „teilgeständige Einlassungen“ der Angeklagten in Hamburg keine Kenntnis habe, die ein dortiger Richter bereits nach Trier geschickt habe. Vor dem Trierer Landgericht sind die beiden Fahrer angeklagt, die im Auftrag eines Spediteurs unterwegs gewesen sein sollen, den die Osnabrücker Staatsanwaltschaft ebenfalls der Bande von Uwe G. zurechnet. Zum Prozess in Bremen mit drei Angeklagten (infolge der Festnahmen in Bremerhaven) sagte Meggers auf Befragen von Journalisten, sein Mandant kenne niemanden von diesen Leuten.

Angeklagter bedient manches Klischee

Nach längerer Beratung der 15. Großen Strafkammer verkündete der Vorsitzende Richter Eike Schmidt eine Unterbrechung der Hauptverhandlung, noch bevor sich der Angeklagte beziehungsweise seine Verteidigung zu den Tatvorwürfen einließen. Mit seiner kräftigen Statur, kurzem Irokesenschnitt und auffälliger Ripped-Jeans entsprach der in Oldenburg einsitzende Uwe G. zum Prozessauftakt manchem Klischee. So blütenweiß wie sein Hemd am ersten Tag vor dem Landgericht ist sein polizeiliches Führungszeugnis nicht, denn der Emsländer wurde bereits wegen Steuerhinterziehung, Bestechung, Diebstahl, Hehlerei und unerlaubten Schusswaffenbesitzes verurteilt. Bei dem Mann aus Werlte wurden unter anderem 3,5 Kilo Kokain, Luxusuhren, ein Wohnmobil, eine Harley-Davidson und ein Flugzeug beschlagnahmt. Ob er auch als krimineller Drogenboss angesehen werden muss, wird noch lange unklar bleiben. Der Prozess ist vorerst bis zum 26. April 2019 angesetzt, um allen Beteiligten mehr Zeit zu geben.  Der nächste Termin ist am 27. September 2018. (9.30 Uhr, Landgericht Osnabrück, Saal 272).


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